Leichtathletik: Fellbach Der Patient lässt sich nicht entmutigen

Stefan Volzer (links) braucht nun wieder Geduld. Foto: Pressefoto Baumann/Cathrin Müller
Stefan Volzer (links) braucht nun wieder Geduld. Foto: Pressefoto Baumann/Cathrin Müller

Der Fellbacher Hürdensprinter Stefan Volzer, 20, sieht einer Knieoperation entgegen und muss erneut lange pausieren, denkt aber schon mit Zuversicht ans nächste Jahr.

Rems-Murr: Thomas Rennet (ren)
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Fellbach - Negative Gedanken drängt er zur Seite. Stefan Volzer hat sich mit der Disziplin, die einen Athleten wie ihn notwendigerweise auszeichnet, Zuversicht verordnet. Er schaut nach vorn in die sportliche Zukunft. Den Januar und den Februar, das hat er sich vorgenommen, möchte der noch 20-Jährige aus Fellbach weitgehend in Houston verbringen. Nicht zum Entspannen will er in rund fünf Monaten nach Texas, sondern zur Saisonvorbereitung. Marlon Odom, über viele Jahre hinweg Stefan Volzers Trainer am Olympiastützpunkt in Bad Cannstatt, ist vor wenigen Wochen mit Familie in die USA umgezogen. Fortan wird er dort als Sportlehrer arbeiten und darüber hinaus Leichtathleten anleiten. Stefan Volzer, sein Schützling seit 2014, hat deshalb nun in Houston eine Anlaufstelle. Der Hürdensprinter, mehrmals bereits deutscher Nachwuchsmeister, setzt mit Blick auf seine Laufbahn auf der Leichtathletik-Laufbahn auch künftig auf Marlon Odoms Unterstützung. So weit das trotz der 8500 Kilometer, die ihn für gewöhnlich vom Trainer trennen, eben möglich sein wird.

Stefan Volzer hat am 10. August einen Operationstermin vor sich

Doch gegenwärtig muss sich Stefan Volzer, fernab von schnellen Schritten auf dem Tartanbelag, aufs Neue mit einer massiven Verletzung auseinandersetzen. Er sieht einem Eingriff am rechten Knie entgegen. Am 10. August hat er einen Operationstermin im Zentrum für Sportorthopädie in Markgröningen. Voraussichtlich ist es ein erster Termin, weil noch ein zweiter erforderlich sein wird. Der ärztliche Direktor Jörg Richter, ein renommierter Kniespezialist, hat bei seinen Untersuchungen einen stark beschädigten Knorpel vorgefunden.

Die Beeinträchtigungen haben ihren Ursprung wohl bereits in den Jahren 2015 und 2016. Zweimal ist dem aufstrebenden Teenager zu jener Zeit die Kniescheibe herausgesprungen. Die Belastungen haben das Gelenk weiter strapaziert und zuletzt beim Saisonhöhepunkt zu Schmerzen und zum Abbruch der Bemühungen geführt. Vor rund drei Wochen, bei den U-23-Europameisterschaften in Estland, stellten sich nach dem Vorlauf erhebliche Kniebeschwerden ein, die seine weitere Teilnahme an diesen Titelkämpfen verhinderten. Die Enttäuschung war groß. Für Stefan Volzer war sein viertes internationalen Großereignis viel zu abrupt beendet. Er hätte eine reelle Chance gehabt, wie schon bei den globalen U-18-Titelkämpfen 2017 in Kenia oder bei den kontinentalen U-20-Meisterschaften 2019 in Schweden den Endlauf zu erreichen.

Jetzt braucht es eine Reparatur der Problemzone, mit allem, was drumherum noch dazugehört. „Ich habe keine Lust mehr darauf, ein Dreivierteljahr zu trainieren, und kurz vor dem Höhepunkt tritt dann so was auf“, sagt der ehemalige Schüler des Friedrich-Schiller-Gymnasiums, der in der zweiten Hälfte des Vorjahres bereits über Monate hinweg an einem Ermüdungsbruch laboriert hat. „Leistungssport ist nicht immer einfach, die vergangenen zwei Jahre haben mir einiges abverlangt.“

Der passionierte Schnellläufer muss für lange Zeit langsam machen

Stefan Volzer wird erneut viel Geduld benötigen. Vier bis sechs Wochen lang wird der passionierte Schnellläufer jeglicher Belastung entsagen müssen, danach beginnt die lange Rehabilitationszeit. „Ich gehe von drei bis vier Monaten aus“, sagt der Patient. Die Hallensaison, die stets von Januar bis März andauert, wird wie bereits in diesem Jahr ohne ihn ablaufen. Doch Stefan Volzer hofft nun zumindest darauf, dass er in fünf oder fünfeinhalb Monaten mit der Vorbereitung auf die Freiluftwettkämpfe 2022 beginnen kann. In Houston unter der Obhut von Marlon Odom: „Das wäre optimal.“ Ans Aufhören denkt er nicht, negative Überlegungen drängt er zur Seite. Der immer noch junge, bald 21-jährige Bundeskaderathlet, der seit Herbst 2018 in Stuttgart technisch orientierte Betriebswirtschaftslehre studiert, schaut lieber mit Zuversicht nach vorn: „Dann folgt eben das nächste Comeback.“




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