Leonberg Freie Flächen machen Bahnhof-Parkhaus Konkurrenz

Von Thomas K. Slotwinski 

Vonderheid spricht von jährlich 50 000 Euro entgangenen Einnahmen. Doch es gibt auch Fortschritte.

Je höher, desto leerer: Im Parkhaus am Bahnhof sind meistens nur die unteren Parkdecks gut ausgelastet. Foto: factum/Simon Granville
Je höher, desto leerer: Im Parkhaus am Bahnhof sind meistens nur die unteren Parkdecks gut ausgelastet. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - In den kommunalen Parkhäusern geht es aufwärts. Im vergangenen Jahr wurden sowohl in der Altstadt als auch am Bahnhof mehr Tickets verkauft. Dennoch könnten gerade am Bahnhof die Geschäfte noch besser laufen, meint der Stadtwerke-Geschäftsführer und Finanzbürgermeister Ulrich Vonderheid (CDU).

Zwar wurden in der modernen Garage gegenüber der Leonberger Zentralstation 2018 insgesamt 13 438 Parkscheine verkauft und damit fast 1500 mehr als im Vorjahr. Doch gäbe es nicht einen frei zugänglichen Parkplatz der Deutschen Bahn in der Mühlstraße, so sagt Vonderheid, würden deutlich mehr Pendler ihr Auto im Parkhaus abstellen, um dann mit Bahn oder Bus weiterzufahren.

Auch die freien Flächen in Nachbarschaft der Sozialstation in der Straße In der Au, die ebenfalls nicht weit weg vom Bahnhof liegen, wären gern genutzte Ausweichparkplätze. Angesichts prognostizierter Einnahmeverluste von 50 000 Euro im Jahr denkt der Finanzbürgermeister darüber nach, dass der Bereich In der Au kostenpflichtig wird. Auf die Mühlstraße hat die Stadt keinen Einfluss, da das Gelände der DB gehört.

Etliche Dauerparker

Dass im Parkhaus am Bahnhof dennoch die Gelder üppig sprudeln, liegt an den Dauerparkern, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 225 500 Euro einbrachten. Allein die Firma Bosch hat für ihre Mitarbeiter dauerhaft mehrere Decks gemietet.

Gute Nachrichten gibt es aus der Altstadt: Fast 70 000 Menschen lösten dort im vergangenen Jahr einen Einzelschein oder ein Wochen- bzw. Monatsticket. Das sind weit mehr als 8000 verkaufte Parkkarten im Vergleich zum Jahr 2017. Bei den Dauerparkern sieht es nicht so üppig aus. Von den vorhandenen 328 Stellplätzen sind 275 vergeben, 16 mehr als im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg von knapp 303 000 auf gut 324 000 Euro.

Die Umsatzerlöse der Tiefgarage Höfingen (2857 Euro) und des Parkplatzes in der Glemseckstraße (26 880 Euro), beide gehören der Stadt, sind konstant.

Seitdem die Stadtwerke das Parkhaus in der Altstadt vor drei Jahren übernommen haben, hat sich einiges getan. Die Schranken wurden abgeschafft, stattdessen können die Kunden ungehindert rund um die Uhr einfahren, müssen aber ein Ticket für die geplante Parkdauer lösen. Die Tarife sind günstig, wird aber die Zeit überschritten, riskiert man ein Strafmandat von mindestens 10 Euro. Wer überhaupt kein Ticket hinter die Windschutzscheibe legt, ist mit 30 Euro dabei.

Fingerspitzengefühl beim Kontrollieren

Nicht zuletzt deshalb war das System stark umstritten. Denn so genau könne man die Parkdauer in den meisten Fällen nicht voraussehen, lautete eine oft geäußerte Kritik, zum Beispiel bei Arztbesuchen. Auch dass direkt nach Ablauf der Parkzeit die Kontrolleure zur Stelle waren und Knöllchen verpassten, erregte Unmut. Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) erklärte daraufhin, dass mit mehr Fingerspitzengefühl kontrolliert werden müsse.

Durch Einführen des Handyparkens im Juni hat sich die Situation entspannt. Per App oder per SMS können Parkscheine gelöst werden. Läuft die Zeit ab, werden die Kunden informiert und können vom Handy aus die Parkdauer verlängern. Die Automaten sind aber weiter in Betrieb.