Leonberg Start frei für flotte Flitzer im Mini-Format

Von Brunhilde Arnold 

Der Modellbauclub trägt seine nächsten Rennen am übernächsten Wochenende aus, diesmal in der Off-Road-Klasse.

„Es ist wie eine Sucht“: Die  enthusiastischen Tüftler  modifizieren  vor jedem Rennen in der Georgii-Halle noch einmal    ihre  Modellflitzer. Foto:factum/Weise Foto:  
„Es ist wie eine Sucht“ : Die enthusiastischen Tüftler modifizieren vor jedem Rennen in der Georgii-Halle noch einmal ihre Modellflitzer. Foto:factum/Weise

Leonberg - Einmal keine Übungen am Reck oder am Barren und auch keine Rolle rückwärts – durch die Georgii-Halle sind jetzt kleine Rennwagen gesaust.

Allerdings war der Geräuschpegel viel geringer als bei den „echten“ Rennautos, die mit viel Getöse über die Strecke donnern. Bei den Trainingsrunden, den Vorläufen und Finalrunden war eher nur ein Surren zu hören. Ansonsten herrschte am Wochenende vor allem bei den Fahrern höchste Konzentration, um mit der Fernsteuerung in der Hand die eigenen Modellfahrzeuge von der Empore aus möglichst schnell – mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von bis zu 50 Stundenkilometern – und unfallfrei auf der Ideallinie über den 130 Meter langen Parcours zu lenken. Die flotten Flitzer im Maßstab 1:10 und in allen Farben des Regenbogens haben einen niedrigen Schwerpunkt und nur drei Millimeter Bodenfreiheit. „Und sie sind nicht so gut gedämpft wie etwa Off-Road-Modelle“, erklärte der Vorsitzende des Leonberger Modellbauclubs (LMC), Otto Thalheimer.

Diesmal sind 93 Teilnehmer dabei

93 Teilnehmer aus Baden-Württemberg sowie den angrenzenden Bundesländern und der Schweiz hatten sich zum Wettbewerb für ferngesteuerte Elektroautos der Klassen Tourenwagen und Sportscars angemeldet. Dieses Sonderrennen veranstaltete der LMC zusammen mit dem Minicar Club Schönbuch-Schwarzwald (MCCSS) mit Sitz in Althengstett, denn die dortige Halle wurde abgerissen und der MCCSS benötigte eine Ausweichmöglichkeit.

In der Georgii-Halle ging es nicht nur lebhaft zu bei den eigentlichen Läufen auf dem als Flachbahn gestalteten Parcours – im Gegensatz zu Off-Road-Bahnen, bei denen noch Hindernisse eingebaut sind. Sondern auch in der kleineren Halle saßen dicht an dicht die Bastler und werkelten an ihren Modellen. Es roch nach Klebstoff und Bremsenreiniger. Ersatzteile und viel Werkzeug lagen parat. „Ein Satz Reifen kostet 30 Euro“, erzählte Mirco Thalheimer, der Sohn des LMC-Vorsitzenden aus Leonberg. Der 43-Jährige wurde im vergangenen Jahr Deutscher Meister in seiner Altersklasse mit Tourenwagen mit Verbrennungsmotoren im Maßstab 1:10 und Siebter bei den Europameisterschaften. Was fasziniert Menschen jeden Alters am Bau von Modellautos und an den Wettbewerben? „Es ist wie eine Sucht“, sagte der IT-Berater. „Ich habe schon mit elf Jahren angefangen.“ Das Hobby nehme viel Zeit in Anspruch und sei auch nicht ganz billig. Etwa 2000 Euro koste die Grundausstattung für ein Baukastenfahrzeug, das dann noch individuell modifiziert werde. „Mit allem Drum und Dran kommt man schon einmal auf bis zu 5000 Euro, um Rennen fahren zu können“, so Mirco Thalheimer.

Der Vater beteiligt sich an den hohen Kosten

Für den 14-jährigen Louis Kretschmer aus Ingersheim im Kreis Ludwigsburg ist das kein Problem. Der Papa – mit dem er früher schon zu Off-Road-Rennen gegangen ist – beteiligt sich an den Kosten, und schließlich gebe es auch noch Taschengeld. Der Schüler fiel unter all den „alten Hasen“ in der Georgii-Halle schon optisch auf. Dabei könne er mit den Älteren gut mithalten, meinte er selbstbewusst. Er habe schon die Vereinsmeisterschaften seines Clubs gewonnen. „Bei mir daheim stehen 50 oder 60 Pokale. Die häufen sich halt an“, sagte er schulterzuckend und mit Understatement – und schraubte eifrig weiter an seinem Fahrzeug.

Während Louis Kretschmer in seinem Club, dem RC Land Heilbronn, feste Möglichkeiten zum Üben hat, gibt es diese in Leonberg nicht. „Wir trainieren alle außerhalb“, sagte Mirco Thalheimer. Ideal dafür wäre ein abgesperrter, asphaltierter Platz, der aber in der Stadt nicht zu finden sei. Das sei ein Pro­blem für den Verein, und zwar nicht nur für die Aktiven, sondern auch für den Nachwuchs. Schließlich bauen schon Kinder ab sieben Jahren ihre eigenen Mini-Flitzer. Und nach oben hin gibt es ohnehin keine Altersgrenzen.

Mobilität im Kleinen

Der Club
Die schnellen Miniautos sind nur eine von vier Sparten des Leonberger Modellbauclubs. Die Mitglieder basteln auch Schiffe, Flieger und Eisenbahnen. Die verschiedenen Gruppen treffen sich in der Gerhart-Hauptmann-Realschule in Leonberg.

Homepage Nähere Informationen dazu und zu den Aktivitäten des Modellbauclubs gibt es im Internet unter www.lmc-leonberg.de.

Termin Schon in zwei Wochen, am 21. und 22. Januar, veranstaltet der LMC ebenfalls in der Georgii-Halle das erste von drei jährlichen Rennen in den Off-Road-Klassen. ba




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