Leonberger Alltag im Zeichen von Corona Frisches Obst an frischer Luft: Das passt!

Von Thomas K. Slotwinski 

Die Kunden sind diszipliniert und gelassen, die Händler verkaufen mehr als zuvor.

Für den Markt im Einsatz: Foto: factum/Simon Granville
Für den Markt im Einsatz: Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Als der Fotograf Simon Granville am Samstag auf dem Leonberger Wochenmarkt für unsere Zeitung unterwegs ist, fühlt er sich an seine britische Heimat erinnert. „So langsam lernen die Deutschen, wie eine Schlange funktioniert“, frotzelt der Engländer mit dem auf seiner Insel typischen Humor.

In der Tat geht es an den Marktständen sehr geordnet zu. Das Leonberger Marktamt hat überall Hinweise aufgehängt, damit die Kunden Abstand wahren. Vor dem Obst- und Gemüsestand von Klaus Stammel geht es zu wie vor den Gepäckschaltern auf den Flughäfen. Die Kunden nehmen es gelassen. „Es gibt zwar viele Schlangen, aber es läuft vorbildlich“ , lobt Stefanie Schneider vom städtischen Marktamt, die seit dem frühen Morgen auf dem Platz an der Steinstraße nach dem Rechten schaut.

Nichts vom Band

Und es ist alles recht. „Die Geschäfte laufen besser als sonst“, meint Franz Dyndas. Der Metzgermeister aus Güglingen im Kreis Heilbronn kommt seit fast zwei Jahrzehnten nach Leonberg. „Wir machen alles mit der Hand, bei uns gibt’s nichts vom Band“, lacht er, als er einem Kunden zwei Filets reicht. In der Tat haben Dyndas und sein Sohn Tobias mit drei anderen örtlichen Metzgern eine lokale Schlachtgemeinschaft gebildet. Die Tiere kommen allesamt aus der Region.

Aus Kirchheim unter Teck kommt Mohamed Ali Karakacz, der eingelegte Oliven, leckere Dips und andere mediterrane Köstlichkeiten anbietet. Auch er hat keinen Grund zur Klage. „Die Leute kaufen gut ein und sind entspannt“, sagt er, während er einer Kundin zwei große Scheiben Schafskäse einpackt.

Viele ältere Menschen

Der Markt ist trotz der Rückkehr des Winters gut gefüllt. Mit Blick auf die zahlreichen ältere Menschen fast zu gut. „Wir hatten etliche Kunden, die um die 80 oder 90 waren“, sagt Philipp Waigel vom Petershof aus Löschgau, wo Obst und Gemüse angeboten werden. „Die sollten angesichts der Ansteckungsgefahr lieber daheim bleiben. Zumal ja Einkaufs- und Lieferservice vorhanden sind.“

Die Produkte freilich, die es auf dem Wochenmarkt zu kaufen gibt, die sind der Gesundheit nur zuträglich: Ob Pampelmusen, Apfelsinen und kernlose Trauben bei Martino Weigel oder heimisches Gemüse und Obst beim Lokalmatador Klaus Stammel. Der Höfinger Gärtnermeister ist seit vier Uhr auf den Beinen: „Wir mussten ja unseren Stand so aufbauen, damit die Kunden Abstand halten können.“

500 Pfund Radieschen

Und Kunden hat Stammels Team reichlich. „Wir setzen doppelt so viel um wie an normalen Tagen“, erzählt er. „Ich muss auf dem Großmarkt nachkaufen. Selbst die Vorräte an Möhren oder Radieschen, die sonst bis Mai reichen, dürften diesmal schneller weg sein. 500 Pfund Radieschen hatte ich allein heute dabei“

Dass der Markt fast besser läuft als in Vor-Corona-Zeiten ist für Klaus Stammel nicht wirklich überraschend: „Die Menschen sind dankbar, dass wir da sind. Bei uns gibt es Gesundes an der frischen Luft.“ Auch die Unterstützung ist groß, berichtet er. „Viele Menschen, die gerade Zeit haben, bieten uns ihre Hilfe an. Alle rücken stärker zusammen.“

Die Sonne wird zurückkommen

Kurz vor Mittag haben viele Händler einen Großteil ihre Ware verkauft. Einzig die kleinen Blumenpflanzen, die Dilik Bürklü aus ihrem Betrieb in Karlsruhe mitgebracht hat, laufen bei Schneeregen nicht so gut. „Aber es kommen ja wieder Tage mit Sonnenschein“, meint die Floristin, die dem Leonberger Wochenmarkt schon mehr als zehn Jahre die Treue hält. Ihre Worte bezieht sie nicht nur aufs Wetter.




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