Löhne im Freizeitpark Aufruhr im Legoland

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Die Freizeitpark-Geschäftsführung zahle „Grusellöhne“, beklagt die Gewerkschaft NGG. Als Reaktion will das angegriffene Management den Betriebsratsvorsitzenden loswerden.

  Foto: Legoland
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Günzburg - Mit einer Kampagne geht die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) seit Mittwoch gegen das Management des Günzburger Freizeitparks Legoland vor. „Bitte schreib eine E-Mail an die Geschäftsleitung von Legoland, sie soll die Kündigung des BR-Vorsitzenden stoppen und endlich über einen Tarifvertrag verhandeln“, heißt es auf der Homepage der in Augsburg ansässigen NGG-Sektion Schwaben. Die E-Mail-Adresse des Geschäftsführers Hans Aksel Pedersen steht dabei. Zugleich wird um eine „Unterstützungsmail“ für den von der Entlassung bedrohten Betriebsratsvorsitzenden Nikolaus Lauter gebeten.

Die im Raum stehende Kündigung ist der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung, die seit mehreren Wochen zwischen der Legoland-Geschäftsführung und der Gewerkschaft schwelt. Die in der NGG organisierten Beschäftigten des Freizeitparks fordern einen Tarifvertrag mit dem Ziel einer deutlichen Entgeltanhebung für die bis zu 1000 Beschäftigten. Der Einstiegslohn, sagt der NGG-Sprecher Tim Lubicki, liege bei 6,50 Euro. Am 31. Oktober hatte es erstmals seit Gründung des Parks 2002 einen Warnstreik gegen die „Grusellöhne“ gegeben.

Einstiegsentgelt für Saisonkräfte soll angehoben werden

Die Geschäftsführung ist bis heute jedoch nicht verhandlungsbereit. Eine Unternehmenssprecherin sagte, der Einstiegslohn von 6,50 Euro habe bisher „für Schüler, Studenten und geringfügig Beschäftigte“ gegolten, die zumeist nicht steuerpflichtig gewesen sein. Einen Einheitslohn könne es nicht geben, weil Qualifikationen und Beschäftigungsdauer der Mitarbeiter zu unterschiedlich seien. Beispielsweise hätten in diesem Jahr 80 Beschäftigte nur zwei Wochen lang gearbeitet. Wer indessen schon lange im Freizeitpark beschäftigt sei und sich zum Gruppenleiter hochgearbeitet habe, verdiene „bis zu 13, 14 Euro pro Stunde“, sagt die Sprecherin. Für 2013 sei intern bereits beschlossen worden, das Einstiegsentgelt für Saisonkräfte auf acht Euro pro Stunde anzuheben. Die Kampagne der Gewerkschaft bezeichnet die Geschäftsführung als „Mitgliederfang“.

Was es mit der angestrebten Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden auf sich hat, will die Sprecherin aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht sagen. Laut NGG-Sprecher Lubicki wurde offenbar ein Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 15. November zum Anlass genommen, gegen Nikolaus Lauter vorzugehen. Lauter, der die „treibende Kraft“ zur Einführung eines Mindesttarifs für seine Kollegen sei, habe sich unter anderem kritisch über das Bonussystem im Freizeitpark geäußert. Dem Restbetriebsrat des Unternehmens sei die Kündung Lauters durch den Geschäftsführer vorgelegt worden, das Gremium habe jedoch die Zustimmung verweigert. Boni, so Gewerkschafter Lubicki, zahle Legoland zum Beispiel für Mitarbeiter mit wenigen oder keinen Krankheitstagen. Unterstützung erhielt die Gewerkschaft mittlerweile vom bayerischen SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher, der die Unternehmensführung aufforderte, einen Tarifvertrag einzuführen. Verhandlungsspielraum lässt die NGG derzeit nicht erkennen. „Wenn wir das bis März nicht hinbekommen, werden wir weitere Arbeitskampfmaßnahmen machen“, so Lubicki. Die neue Saison beginnt am 23. März.

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