Ludwigsburg Verdächtiger gesteht tödliche Schläge

Die Polizei hat den Fall des getöteten Ludwigsburger Obdachlosen offenbar schon weitgehend gelöst. Foto: dpa
Die Polizei hat den Fall des getöteten Ludwigsburger Obdachlosen offenbar schon weitgehend gelöst. Foto: dpa

Der Fall des in Ludwigsburg getöteten Obdachlosen scheint weitgehend gelöst. Ein Zechkumpan des Opfers hat Schläge zugegeben.

Region: Norbert Burkert (bur)
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Ludwigsburg - Ein 47 Jahre alter Obdachloser, der am Freitagmittag tot in seiner kleinen Wohnung in einem Ludwigsburger Wohnheim gefunden wurde, ist offenbar nicht an den Messerstichen gestorben, die die Polizei an seinem Körper gefunden hat. Vielmehr war er zuvor schon erschlagen worden, wie die Obduktion inzwischen ergeben hat. Ein 30-jähriger Verdächtiger, den die Polizei am Sonntag in Heilbronn festgenommen hat, gestand bereits, mit einem Stuhl auf den Mann eingedroschen zu haben.

Demnach hätte die Leiche eine Woche lang unentdeckt in dem Zimmer des Wohnheims gelegen. Sie war am vergangenen Freitagmittag entdeckt worden. Mitbewohner hatten sich über einen unangenehmen Geruch beschwert, der aus dem verschlossenen Zimmer drang. Sie verständigten die Hausverwaltung. Diese öffnete das Zimmer und fand dort die Leiche, die schon deutliche Verwesungsspuren aufwies.

Verdächtiger schweigt zu den Messerstichen

Der Verdächtige berichtete bei der Vernehmung, er habe am Freitag, 27. Juli, mit dem späteren Opfer und einem anderen Mann in Ludwigsburg gemeinsam erhebliche Mengen an Alkohol getrunken. Irgendwann hätten er und der 47-Jährige beschlossen, zu zweit in dessen Wohnheimzimmer in der Uferstraße in Ludwigsburg-Hoheneck weiterzutrinken. Dort hätten sie dann wegen einer Meinungsverschiedenheit gestritten. Dabei, so berichtete der Verdächtige, sei er derart in Rage geraten, dass er zuerst mit Fäusten auf den 47-Jährigen losgegangen sei. Dann habe er sich einen Stuhl gegriffen und damit mehrfach auf den Kopf des Opfers eingeschlagen.Diese Schläge waren offenbar so heftig, dass der Mann bereits daran gestorben ist, wie die Obduktion ergeben hat. Zu den Messerstichen, welche die Leiche des Opfers aufwies, und zum weiteren Tatablauf sagte der Verdächtige nichts. Die Polizei meint, es sei nicht ausgeschlossen, dass der Mann so viel Alkohol getrunken hatte, dass er sich an die Messerstiche einfach nicht mehr erinnern könne, sagt die Pressesprecherin Daniela Waldenmaier.

Der mutmaßliche Täter hatte sich am Sonntagabend der Polizei in Heilbronn gestellt. Zuvor hatte er dort aber wohl noch eine weitere Gewalttat verübt, wie sich laut der Polizei bei den Ermittlungen herausgestellt hat. Auch in Heilbronn soll er in der Nacht auf Samstag gemeinsam mit einem 27-jährigen Bekannten, den er aus seiner Zeit im Gefängnis kannte, zuerst Alkohol getrunken haben. Dann habe er plötzlich grundlos auf den Saufkumpan eingeschlagen. Selbst als der Mann schon am Boden lag, habe er noch mit den Füßen auf ihn eingetreten. Eine Gruppe Jugendlicher habe dem Schläger dann mit Gewalt Einhalt geboten. Das Opfer sei in einem Krankenhaus behandelt worden.

Polizei fahndet gezielt bei Freunden und Verwandten

Dass sich der 30-Jährige der Polizei stellte, führt diese auf den hohen Fahndungsdruck zurück, den die 22-köpfige Sonderkommission Neckar im Verlauf des vergangenen Wochenendes erzeugt habe. Durch den Hinweis eines Zeugen und Spuren am Tatort in Ludwigsburg hatte sich der Verdacht der Beamten schnell auf den 30-jährigen polizeibekannten Mann gerichtet, der bereits wegen mehrerer Diebstähle und Körperverletzungen aufgefallen war. Er hatte bis Ende Juli ebenfalls in einem Ludwigsburger Wohnheim gewohnt, das nicht weit von dem Heim in der Uferstraße entfernt auf der anderen Seite des Neckars liegt, und zwar am Hermann-Wißmann-Weg. Deshalb könnten sich der mutmaßliche Täter und sein Opfer schon länger gekannt haben.Da die Polizei wusste, dass der 30-jährige Gesuchte Freunde und Verwandte in Heilbronn hat, richtete sie ihre Fahndung in diese Richtung aus. „Der Mann ist ja kein unbeschriebenes Blatt, daher waren uns seine Kontakte dort aus den Akten bekannt“, erläutert Waldenmaier. So habe man ganz gezielt Leute aus seinem Familien- und Bekanntenkreis befragt, man habe alle Kontaktadressen überprüft und alle Orte kontrolliert, an denen er sich möglicherweise verstecken würde. Dabei hätten sich Hinweise verdichtet, dass sich der Mann in Heilbronn aufhalten musste, und man habe dort massiv nach ihm gefahndet.

Schließlich hat er am Sonntagabend kurz von 19 Uhr von einer Telefonzelle aus den Notruf betätigt und mitgeteilt, er werde sich stellen. Die Besatzung eines Streifenwagens hat ihn dann festgenommen.




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