Krimikolumne

Martin Walker: „Femme fatale“ Leckere Speisen und viel Intuition

Freude an gutem Wein hat Martin Walkers französischer Provinzpolizist Bruno natürlich auch. Vor allem aber beweist der friedfertige Serienheld ein leider schon langweiliges Näschen für Gut und Böse. Foto: dpa
Freude an gutem Wein hat Martin Walkers französischer Provinzpolizist Bruno natürlich auch. Vor allem aber beweist der friedfertige Serienheld ein leider schon langweiliges Näschen für Gut und Böse. Foto: dpa

Martin Walker lässt Polizeichef Bruno den fünften Fall lösen. „Femme fatale“ ist holprig, schlicht und steckt voller Wiederholungen. Aber der Rahmen der Ermittlung ist idyllisch.

Stuttgart - Es ist schon sehr selten, dass ein Autor, der Reihenkrimis schreibt, sein Handwerk so differenziert beherrscht, dass es dem Leser nicht langweilig wird. Man muss schon bis Nicolas Freeling zurückgehen, um einen zu finden, der genug Stilbewusstsein hat. Bei den meisten ist und bleibt so eine Reihe eine Einheitssauce, oder wird jedenfalls schnell zu einer. Natürlich hat das Gründe: der Markt, die Lesererwartungen, die Angst oder Unfähigkeit, sich denen zu verweigern.

Auch Martin Walker tendiert dazu. In seinem fünften Buch um Bruno, den Polizeichef eines kleinen Orts im Périgord, mischt er erneut die bekannten Zutaten, die manche Leser schätzen, andere als überzuckert abtun: Brunos Versuche, den Frieden zu bewahren und vor allem ausgleichend zu wirken („Problemlösungen, von denen alle profitieren, waren ihm die liebsten“, heißt es einmal), die kleinstädtische Idylle und den Einbruch des Unfriedens von außen, die Wiederherstellung des Status Quo.

Dazu kommen die persönlichen Eigenheiten seines Helden, dessen Sucht nach Frieden, dessen Schwanken zwischen zwei Frauen, der attraktiven Schottin Pamela und der ebenso attraktiven Polizistin Isabelle, die beide ab und zu mit ihm schlafen, dessen Hang zum Genuß von Essen und Trinken, das Zusammensein mit Freunden.

Satanistische Rituale und ein Möchtegern-Exorzist

Im fünften Fall geht es um ein scheinbar profitables Touristenprojekt, eine exklusive Ferienhaussiedlung, die am Rand des Orts hochgezogen werden soll, und um ein zum Luxushotel umgebautes Haus, von einer zwielichtigen Madame geleitet, deren Gäste sich auch weibliche Gesellschaft aufs Zimmer bestellen können. Es geht um satanistische Rituale in einer Höhle am Fluss, was manche im Ort gerne zu einer etwas schaurigen Attraktion ausbauen würden, um eine nackte Frauenleiche, die in einem Boot den Fluss hinuntertreibt, um einen Pfarrer, der sich vor Begeisterung, dass er exorzieren könnte, nicht an sich halten kann, um die hohe Politik und natürlich um unangenehme, wenn auch reiche und attraktive Fremde, die das kleine Paradies gerne vergiften würden. Des Profits wegen.

Dies alles ist kunstvoll miteinander verknüpft, der Erzählstrang mäandert sehr gekonnt um die Figuren herum. Die verschiedenen Motive der Menschen, den Fortschritt zu fördern oder Profite zu machen, ihre Ruhe zu haben oder den Einwohnern zu helfen, die Tochter eines Bauern zu retten oder eigenes Vergnügen auszuleben – darin ist Walker durchaus vielfältig und fantasiereich.

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