MHP Riesen Ludwigsburg Khadeen Carrington ist der erfolgreichste Punktesammler der Liga

Im Kampf um den Ball gibt Khadeen Carrington nicht einfach klein bei. Foto: Baumann
Im Kampf um den Ball gibt Khadeen Carrington nicht einfach klein bei. Foto: Baumann

In der Basketball Bundesliga stehen die MHP Riesen Ludwigsburg derzeit auf Platz zwei. Auf Platz eins der besten Punktesammler liegt ihr neuer Spielmacher Khadeen Carrington.

Sport: Joachim Klumpp (ump)
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Ludwigsburg - So ein frühes Pokal-Aus hat dann doch auch etwas Gutes. Für die Basketballer der MHP Riesen Ludwigsburg bedeutete es in der vergangenen Woche Urlaub, weil der Trainer John Patrick der Mannschaft vor dem zweiten Pokal-Wochenende frei gab. Während einige Spieler die Zeit für einen Städtetrip in Europa nutzten, flog Khadeen Carrington umgehend in seine Heimat, wo seine Freundin in Orlando ihren Uni-Abschluss feierte. „Das war eine gute Pause und bringt nochmals frische Kräfte“, verspricht der Spielmacher.

Der 24-Jährige war schon beim Pokal-Aus zu Saisonbeginn Ende September gegen die Löwen Braunschweig mit 26 Punkten bester Spieler der Partie. Und das sollte keine Ausnahme bleiben. Der US-Amerikaner führt mit 203 Punkten in elf Spielen die Bundesliga-Rangliste an (vor dem Ex-Ludwigsburger Lamont Jones/190, der jetzt in Frankfurt spielt). 18,5 Punkte sind das im Schnitt. Und das als klassischer Spielmacher.

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Auf dieser wichtigen Position im Basketball hatten die Riesen schon letzte Saison einen Rekordmann, allerdings in anderer Hinsicht. Jordon Crawford maß – wohlwollend – nur 1,68 Meter und war somit der kleinste Spieler. Was auf dem Feld gewisse Nachteile hatte, wobei es unfair wäre, ihn zum Sündenbock dafür zu stempeln, dass es nicht für die Play-offs gereicht hat. Doch für die Verantwortlichen bestand Handlungsbedarf. Und Patricks Netzwerk führte ihn zu Carrington, der 2018 zunächst in Montenegro beim Eurocup-Teilnehmer KK Mornar Bar spielte, dort aber nicht so richtig glücklich wurde. Zum einen gab es natürliche Integrationsprobleme, „weil kaum jemand Englisch sprach“, wie er sich erinnert, zum anderen suchte der Trainer wohl einen erfahrenen Spielmacher – und das war Carrington eben noch nicht.

Also ging es weiter nach Belgien, wo er mit Limburg United in der Meisterschaft Dritter wurde. Das reichte, um auf sich aufmerksam zu machen. Er hatte Angebote aus der Türkei, Frankreich, Italien – und eben von den Riesen. „Das Ganze ist auch ein Lernprozess, deshalb denke ich, die Bundesliga ist ideal, um den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen“, sagt Carrington. Dass es auf Anhieb so perfekt läuft, hat den Spieler nicht unbedingt überrascht. „Ich wusste schon, dass ich auch auf einem höheren Niveau spielen kann“, sagt er durchaus selbstbewusst. „Und Werfen war schon immer mein Ding.“ Doch es ist auch ein gutes Auge, mit dem er seine Mitspieler einsetzt, und eine geschickte Ballbehandlung mit der er Sicherheit ins Spiel der Riesen bringt. Das ist schon nach drei Monaten auch anderen Clubs nicht verborgen geblieben.

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Zuletzt soll Carrington ein lukratives Angebot aus Spanien erhalten haben (wir berichteten), wobei der Spieler dazu lediglich sagt: „Ich habe davon gehört, kann aber nicht sagen, ob was Wahres daran ist.“ Wobei er ja nicht nur einen US-Pass besitzt, sondern auch die Staatsbürgerschaft von Trinidad und Tobago, wo er geboren wurde. Was ihm ein Hintertürchen öffnet: Denn dadurch könnte er in der starken spanischen Liga die strenge Ausländerregelung (nur zwei US-Amerikaner pro Team) elegant umgehen.

Zunächst einmal möchte er aber seinen Einjahresvertrag in Ludwigsburg erfüllen. Und dann? „Es ist zu früh zu sagen, was danach kommt“, sagt Carrington, der mit den Riesen noch einiges vorhat. Am besten die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb, auch wenn er zugibt: „Aktuell ist es vielleicht ein Vorteil, dass wir uns ganz auf die Liga konzentrieren können.“ Da stehen nun drei Spiele in zehn Tagen auf dem Programm: Am Samstag (20.30 Uhr) gegen Medi Bayreuth, in Bamberg und am 30. Dezember gegen die Frankfurter. Kein Problem, sagt Carrington: „Ich spiele lieber, dann ist schon weniger Training.“ Denn das ist unter Coach Patrick sehr intensiv, genau wie das Spiel selbst. „Er weiß, wovon er spricht und was er will“, hat Carrington schnell erkannt. Das hilft vielleicht auf dem Weg zum großen Ziel: NBA, die US-Profiliga, wen wundert’s. „Jeder amerikanische Basketballer hat diesen Traum“, sagt er, „aber die Konkurrenz dort ist groß.“ Bevor er nach Ludwigsburg kam, hat er im Juni und Juli in der NBA Summerleague für Oklahoma City Thunder gespielt – und einen guten Eindruck hinterlassen.

Carrington stammt aus einer sportlichen Familie. Sein Vater war Fußballer und ist jetzt Trainer. Unter anderem: „Er macht so viele Dinge, da verliere sogar ich manchmal den Überblick.“ Über Weihnachten kommt zumindest mal sein Bruder zu Besuch. Und irgendwann später auch seine Freundin. „Dann werde ich noch besser spielen.“ Noch besser – geht das? „Ja, das ist möglich“, sagt Carrington. Es klingt wie eine Drohung an die Gegner.

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