Model-Karriere ganz ohne Heidi Klum Wie eine Stuttgarterin zur Muse von Armani wurde

Von Uwe Bogen 

Vom Thekendienst in der Schankstelle in Stuttgart bis zur Muse von Armani in Paris – das Leben von Felize Kolibius ist der Stoff, aus dem Träume sind. Uns hat die 21-Jährige erzählt,wie der Zufall sie zum Liebling der Designer gemacht hat.

Felize Kolibius , die neue Muse von Giorgio Armani, bei ihrer Ankunft mit dem ICE im Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: Joris Haas 6 Bilder
Felize Kolibius , die neue Muse von Giorgio Armani, bei ihrer Ankunft mit dem ICE im Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: Joris Haas

Stuttgart - Es kann sein, dass sich die 21-jährige Felize Kolibius, die der Liebe wegen nach Stuttgart gezogen ist, zwischendurch mal zwicken muss. Hat sie das alles nur geträumt? Nicht nur, dass sie mit dem US- Supermodel Bella Hadid und der Hollywood-Schauspielerin Kaia Gerber, der Tochter von Cindy Crawford, in Paris auf demselben Laufsteg vor dem Jetset gelaufen ist, bei einem Defilée der großen Namen – nein, der italienische Stardesigner Giorgio Armani höchstpersönlich war es, der die junge Stuttgarterin ausgewählt hat und sie unbedingt für seine Modepräsentation wollte.

Wovon viele Mädchen in ihrem Alter träumen und weshalb sie bereit sind, sich von Heidi Klum in „Germany’s Next Topmodel“ quälen zu lassen, ist bei der Tochter einer Deutschen und eines Italieners durch eine Verkettung von Zufällen wahr geworden. „Niemals“, sagt die 21-Jährige nach ihrer Rückkehr mit dem ICE aus Paris, „hätte ich bei bei einer TV-Castingshow mitgemacht.“

Als Kind lebte Felize Kolibius mit ihrer Mutter in Indien

Bis zu ihrem 17. Geburtstag hat Felize Kolibius in Indien gelebt. Mit ihrer Mutter war sie als Baby in das große Land in Südasien gezogen, weil deren zweiter Mann ein Inder ist. Die Patchwork-Familie zog dann aber, beruflich bedingt, nach Deutschland zurück. Die Tochter musste hier den Schulabschluss nachholen, weil ihr Abschluss auf einer internationalen Schule in Indien nicht anerkannt worden ist. Um neben dem Lernen Geld zu verdienen, jobbte sie in der Gastronomie, etwa in der Schankstelle in Stuttgart, wo ihr Freund, ein Modefotograf, lebt.

Auf einem Fest lernte sie Véronique Kern kennen, von der sie zunächst gar nicht wusste, was ihr Beruf ist. Véronique Kern, einst selbst Model, arbeitet als PR-Agentin ihres 1989 geborenen Sohnes Alexander David Kern. Der Junior mit Agentur in Berlin ist ein erfolgreicher Model-Scout – Karl Lagerfeld nannte ihn „das Auge“. Seine Mutter zeigte ihm Fotos der jungen Stuttgarterin. Der war hin und weg, so sehr, dass er sie unbedingt in seine Modelkartei aufnehmen wollte.

„Gaultier will Models, die nicht perfekt aussehen“

„Ich dachte zuerst, das kann nicht sein“, erinnert sich Felize Kolibius, „ich dachte, ich sehe doch gar nicht gut genug aus für ein Model.“ Dann ließ sie sich doch überreden. Kern nahm sie 2018 mit nach Paris, wo sie von Modestar Jean Paul Gaultier von der Stelle weg engagiert worden ist.

„Gaultier will Models, die nicht perfekt aussehen, Models mit asymmetrischen Gesichtern“. weiß Felize Kolibius, „er will Mädels, die so normal sind, als würden sie direkt von der Straße kommen.“ Diesen Wunsch konnte sie erfüllen. Der Stardesigner schickte sie gar nicht erst auf eine Model-Schule, um das Laufen zu lernen. Die Stuttgarterin lief so, wie sie eben läuft – und wurde, da dies bei den Haute-Couture-Heros von Paris angekommen ist, immer selbstbewusster.

Auch für Alessandro Michele, den Kreativdirektor von Gucci, stieg sie auf den Laufsteg und ist darüber hinaus für Shootings von Modemagazinen gebucht worden. Zuletzt hat man sie für die Portugal-Ausgabe von „Vogue“ fotografiert.

„Armani sagte, dass ich ein starkes und elegantes Gesicht habe“

Den bisherigen Höhepunkt in ihrer jungen Model-Karriere erlebte Felize Kolibius jetzt in Paris. Alexander David Kern brachte sie mit Giorgio Armani zusammen, der als einer der größten Modemacher unserer Zeit gilt. „Es hat ihm gefallen, dass ich italienische Wurzeln habe“, sagt sie. Aufgeregt sei sie bei dem 85-Jährigen gewesen, bei einem Mann, der Modegeschichte geschrieben hat. „Er legte dann seine Hand auf meine Schulter und sagte, alles gut, bleib’ ruhig“, erzählt die Stuttgarterin. Zum Casting musste sie bei ihm gar nicht. Armani nahm sie gleich mit zum Fitting, der höchsten Auswahlstufe. „Er meinte, dass ich ein sehr starkes und elegantes Gesicht habe“, berichtet Felize. Kurzum: Armani ernannte sie zu seiner neuen Muse!

Die 180 Zentimeter große Muse durfte an der Seite der Hollywood-Stars Bella Hadid und Kaiia Gerber laufen. Sie trafen sich auch privat. „Man glaubt nicht, wie normal alle sind“, sagt die Stuttgarterin. Zwar ist Felize bei Instagram aktiv – ohne das Portal läuft in der Modebranche wenig –, doch hat sie keine Selfies von sich und den Stars gepostet. Das würden diese nicht gut finden. Eine Muse schaut nicht auf andere hoch. Bald wird sie Armani wieder treffen und neue Aufgaben für ihn übernehmen.

„Echtpelz ist ein absolutes No-Go“

Im ICE ist die Gefeierte nun aus Paris angekommen. Was für einen Mantel trug sie bei ihrer Ankunft, etwa Pelz? „Aber nein, Echtpelz ist ein absolutes No-Go“, bekräftigt sie. Für einige Tagen kann sich Felize daheim in Stuttgart ausruhen, sich mit Freunden treffen und Kraft tanken. Am 5. Februar geht es dann wieder los. Ziel ist New York, wo sie bei der Fashion Week gebucht ist und Anna Wintour, die legendäre Vogue-Chefredakteurin, treffen wird.

Ohne Heidi Klum, so scheint es, kommen die Mädchen viel weiter. „Frau Klum macht einen guten Job“, sagt Véronique Kern, die Entdeckerin der Stuttgarterin, „aber ihre Sendung ist nur eine Show, danach haben es die Kandidatinnen nicht gerade leicht.“

Was also sollte man tun, um wirklich Germany’s Next Topmodel zu werden? Am Beispiel von Felize Kolibius lässt sich diese Frage ganz einfach beantworten: Man sollte möglichst normal sein, nicht zu perfekt aussehen wollen – und dem Zufall eine Chance geben!




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