Möbelhersteller aus der Region Stuttgart Der Holzexperte

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Wilde + Spieth
„Made in Germany“ sei das Verkaufsargument überhaupt, sagt der Geschäftsführer Thomas Gerber.

Wer kann schon die Berliner Philharmoniker seine Markenbotschafter nennen? Wilde + Spieth, der Hersteller von Stühlen, Notenpulten und Orchesterzubehör, hat das Glück, dass die angesehenen Musiker weltweit gastieren. So erfahren auch deren Kollegen in Tokio oder Rotterdam, wie gut es sich auf den von Egon Eiermann entworfenen Orchesterstühlen musiziert. Das Unternehmen profitiert zudem davon, dass vor allem in Asien neue Konzertsäle gebaut werden und entsprechendes Mobiliar benötigt wird, erläutert der Geschäftsführer Thomas Gerber.

Dabei ist die Orchesterausstattung nur eine kleine Nische, die Wilde + Spieth besetzt. Viel bekannter sind die anderen Eiermann-Stühle, die die Firma seit fast 70 Jahren produziert. „Kinderchen, könnt ihr auch Stühle bauen?“ Mit dieser Frage soll 1948 die Zusammenarbeit zwischen dem Esslinger Rolladenbauer und dem berühmten Designer und Architekten der Nachkriegsmoderne begonnen haben. Und ob man konnte! Eiermann präsentierte seine Entwürfe – und der Schreinerbetrieb testete, wie sich dessen Vorstellungen von organisch geformten Sitzflächen umsetzen ließen, ohne dass das Holz riss. Die Serienmöbel gelten heute als Designklassiker. „Das Praktische an den Eiermann-Stühlen ist, dass sie in jede Architektur passten“, sagt Thomas Gerber. Wilde + Spieth bietet aktuell etwa 25 Stuhlmodelle in zahlreichen Varianten an und bringt immer neue auf den Markt, zum Beispiel in Originalfarben von Le Corbusier. Gerber, seit 1983 in der Branche, weiß, wie wichtig solche optischen Auffrischungen sind. Das Unternehmen kooperiert auch mit zeitgenössischen Designern wie dem Stararchitekten Daniel Libeskind, dessen Stuhl demnächst präsentiert werden soll.

Produziert wird in Stendal

Thomas Gerber hat auch schon weniger glanzvolle Zeiten bei Wilde + Spieth erlebt. 2004 musste die Esslinger Firma, die damals auch Turngeräte herstellte, Insolvenz beantragen. Behörden, früher wichtige Kunden, bestellen nur noch billig statt hochpreisig und -wertig und Schulen deutlich weniger Sportgeräte. Gerber, damals Mitgeschäftsführer, wagte den Neuanfang. Die Produktion wurde aus Kostengründen verlagert, allerdings nicht nach Polen, sondern in die Hansestadt Stendal (Sachsen-Anhalt). „Ohne das Label Made in Germany hätten wir keine Chance, das ist das Verkaufsargument überhaupt“, sagt Gerber, der mit einer Handvoll Mitarbeiter in Esslingen geblieben ist. Buchen- und Eichenholz stammen aus nachhaltigem Anbau in Deutschland, nur der kanadische Ahorn wird importiert. „In der Preislage wollen die Leute Zertifikate sehen“, sagt Gerber. 10 000 Stühle verkaufe man im Jahr, der Exportanteil, 2005 bei 15 Prozent, liege nun bei 50 Prozent. Jetzt will die Firma auch in China Fuß fassen. Die internationale Schau „Handmade in Germany“ könnte dabei helfen. Die wirbt mit „Meisterwerken von 150 deutschen Manufakturen, Kunsthandwerkern und Designern“ (darunter Wilde + Spieth), Shanhgai, Zhengzhou und Shenyang sind drei Stationen auf der Weltreise. „Das Echo ist riesengroß, obwohl unsere Möbel so schlicht sind“, sagt Thomas Gerber erfreut.

 

 




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