Mordanklage Gezielte Schüsse auf den flüchtenden Schwarzen

Im US-Bundesstaat South Carolina wird ein weißer Polizist wegen Mordes angeklagt, weil er einen unbewaffneten, flüchtenden Schwarzen erschossen hat. Dokumentiert wird die Bluttat in einem Handyvideo eines Passanten.

Washington - Das Video dokumentiert einen kaltblütigen Mord. Leicht verwackelt, aufgenommen von der Handykamera eines Passanten, zeigt es, wie der 50 Jahre alte Afroamerikaner Walter L. Scott vor einem weißen Polizisten namens Michael Slager flieht – und Sekunden danach, getroffen von fünf Kugeln, am Boden liegt.

Schauplatz ist ein kleiner Park in North Charleston, einer Hunderttausend-Einwohner-Stadt in South Carolina. Der Mitschnitt beginnt in dem Moment, als sich Scott, allem Anschein nach unbewaffnet, nach einer kurzen Rauferei von Slager losreißt. Etwas fällt zu Boden, offenbar der Taser, die Elektroschockpistole des Polizisten. Scott läuft davon, eher im Joggertempo, worauf Slager seine Dienstpistole zieht und auf seinen Rücken zielt. Siebenmal feuert er schnell hintereinander, dann, nach einer Pause, ein achtes Mal. Mindestens ein Schuss, wird man bei der Obduktion feststellen, trifft Scotts Herz. Der Fliehende strauchelt, stürzt kopfüber ins Gras, wo Slager ihn anherrscht, die Hände auf den Rücken zu nehmen.

Dann legt der Polizist dem Opfer Handschellen an, läuft zurück zu der Stelle, an der es zum Handgemenge kam, hebt etwas auf und legt es neben den Körper.  Wahrscheinlich handelt es sich um den Taser, das ist nicht eindeutig zu identifizieren. Statt Erste Hilfe zu leisten, begnügt sich der Polizist damit, Scott den Puls zu fühlen. Auch ein herbeigeeilter Kollege, ein Afroamerikaner, macht keine Anstalten, dem Sterbenden zu helfen. Später wird Slager zu Protokoll geben, Scott habe versucht, ihm seine Elektroschockpistole zu entreißen. Er habe Angst um sein Leben gehabt. „Schüsse abgegeben, Person liegt am Boden. Hat meinen Taser genommen“, hatte er nach der Tat, mit erregter Stimme, über Sprechfunk an seine Zentrale gemeldet.

Im Extremfall droht die Todesstrafe

Erst als Tage später das Video auftauchte, zuerst ins Netz gestellt von der Lokalzeitung „Post and Courier“, war Slagers Geschichte als Lügenmärchen entlarvt. In einer Wendung, die sich anfangs kaum einer vorstellen konnte, wird er wegen Mordverdachts vor Gericht gestellt. Im Extremfall droht ihm die Todesstrafe. „Wenn du eine falsche Entscheidung triffst, interessiert mich nicht, ob du hinter dem (Polizei-)Schild stehst. Du wirst mit deiner Entscheidung leben müssen“, äußert Keith Summey, Bürgermeister in North Charleston. Und Walter Scotts Bruder Anthony sagt, dass zwar nichts seinen Bruder zurückbringe, aber nun der Gerechtigkeit Genüge getan werde – dank des Videos. „Als ich es zum ersten Mal sah, hat mich zutiefst verletzt, dass jemand ein menschliches Wesen auf diese Weise niederknallen kann. Ich konnte es einfach nicht glauben.“       




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