Nachfolge für Ulrich Kromer Sechs Vorschläge für Chefsessel bei der Messe Stuttgart

Von Josef Schunder 

Mitte Juli soll entschieden werden, wer sich in der Geschäftsführung zu Roland Bleinroth gesellen wird, wenn Ulrich Kromer die Messe Stuttgart verlässt. Drei Frauen und drei Männer sind im Gespräch.

Großer Andrang bei der CMT 2019. Wenn die CMT 2020 endet, geht auch Messechef Ulrich Kromer in den Ruhestand. Doch wer wird sein Nachfolger? Kromer Kromer Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski 3 Bilder
Großer Andrang bei der CMT 2019. Wenn die CMT 2020 endet, geht auch Messechef Ulrich Kromer in den Ruhestand. Doch wer wird sein Nachfolger? Kromer Kromer Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski

Stuttgart - Das Land und die Landeshauptstadt haben wieder einen Topjob bei einem ihrer Beteiligungsunternehmen zu besetzen: Sie suchen den Nachfolger oder die Nachfolgerin für den Stuttgarter Messe-Geschäftsführer Ulrich Kromer, der Ende Januar 2020 in den Ruhestand gehen wird. Das Personalkarussell kommt in Schwung. Drei Frauen und drei Männer dürfen nun darauf Platz nehmen. Anfang Juli will der Personalausschuss des Aufsichtsrats dem Sextett erstmals auf den Zahn fühlen und es dann auf zwei bis drei Personen reduzieren. Mitte Juli möchte der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) eine Person unter Vertrag nehmen.

In dieser Schlussphase wird sich dann nicht nur entscheiden, ob Kromers Mitgeschäftsführer Roland Bleinroth die Funktion des Sprechers der Geschäftsführung übernehmen darf. Bei der Endauswahl könnte sich auch plötzlich die Frage auftun, ob Land und Stadt tiefer in ihre Kassen greifen müssen, um den Kromer-Posten angemessen besetzen zu können.

Anderswo verdienen die Messechefs zum Teil deutlich mehr

Noch ist es die Absicht, das bisherige Gehaltsgefüge zu erhalten, obwohl Geschäftsführer von anderen deutschen Messegesellschaften teilweise deutlich mehr verdienen, verlautet aus eingeweihten Kreisen. Ulrich Kromer bekam im Jahr 2017, wie aus dem Beteiligungsbericht der Stadt hervorgeht, rund 280 000 Euro. Damit lag er ebenso wie Roland Bleinroth (258 000 Euro) beispielsweise deutlich unter dem Gehalt der Flughafenchefin Arina Freitag (348 000 Euro), ganz zu schweigen vom Chef der Landesbank Baden-Württemberg, Rainer Neske, der es auf mehr als zwei Millionen Euro brachte. Aber auch, wenn man sich strikt innerhalb der Branche umschaut, gehören die Stuttgarter Messe-Manager nicht zu den Bestbezahlten.

Das Salär des Kölner Messe-Vorstandschefs wurde, wie der Bonner Generalanzeiger schon 2017 meldete, bei der Vertragsverlängerung auf 800 000 Euro erhöht. Der oberste Messe-Chef in Düsseldorf lag, wie die Rheinische Post berichtete, bereits 2010 bei 507 000 Euro, die Vorstandsmitglieder unter ihm sollen bis zu 367 000 Euro erhalten haben. Und in Berlin meldete die Zeitung BZ, der dortige Messe-Chef verdiene 590 000 Euro.

Ein Frankfurter Unternehmen suchte Kandidaten

Allerdings muss das nicht unbedingt Anlass sein, nachzuziehen. Derartige Gehaltsniveaus für Messe-Manager halten auch manche Branchenmitglieder für überzogen. Messe-Chef könne man mit mancherlei Berufserfahrungen und Ausbildungen werden, sagt ein Stuttgarter Kenner der Verhältnisse, der ungenannt bleiben will. Ein Flughafenchef müsse demgegenüber mehr fachliche Voraussetzungen mitbringen, ganz zu schweigen von Managern in der Energiebranche. Deshalb war nach der Neugründung der Stadtwerke deren erster technischer Geschäftsführer Michael Maxelon mit seinem Gehalt auch gleich in die Spitzengruppe der Geschäftsführer bei den städtischen Beteiligungsunternehmen eingerückt.

Damals war das Frankfurter Beratungsunternehmen Spencer Stuart mit der Suche beauftragt – wie jetzt mit der Suche nach möglichen Kromer-Nachfolgern. Dabei musste es sich zwar nach den bisherigen Gehaltsverhältnissen bei der Messe richten, und in diesem Rahmen hat es sechs Vorschläge gemacht. Aber das letzte Wort über das Gehalt muss noch nicht gesprochen sein. Die Vertragsdetails werden frühestens dann genauer besprochen, wenn der Personalausschuss des Aufsichtsrats die Kandidatenliste reduziert hat. Wer mehr Erfahrungen und Kontakte und mehr einschlägige Kenntnisse mitbringen könnte, wird unter Umständen auch mehr verlangen.

Ob Roland Bleinroth Sprecher wird, ist noch offen

Unterschiede bei den Profilen sind nicht zu übersehen. So gehörte einer der sechs Kandidaten früher dem Vorstand einer wichtigen deutschen Messegesellschaft an. Andere sind nach Informationen unserer Zeitung bisher eher auf Bereichsleiterebene bei Messen tätig. Zwei der sechs Aspiranten kommen aus der zweiten Führungsebene der Messe Stuttgart, die anderen aus Deutschlands Norden und Nordosten.

Unerwähnt war in der Stellenausschreibung geblieben, ob mit der Kromer-Nachfolge auch die Funktion des Sprechers der Geschäftsführung verbunden sein soll, die Kromer innehat. Das könnte sein Kollege Bleinroth unter Umständen als Signal werten, dass er in dieser Funktion nachrückt, zumal Gesellschafter hier oftmals jenen berücksichtigen, der länger im Haus tätig ist.

So hatten Land und Landeshauptstadt in der nur einen Steinwurf weit von der Messe entfernten Zentrale der Flughafengesellschaft Anfang 2017 den langjährigen Geschäftsführer Walter Schoefer aufgewertet, ehe Arina Freitag die Nachfolge des pensionierten Geschäftsführers Georg Fundel antrat. Bei der Messe könnte es aber auch anders kommen. Die Gesellschafter, sagt ein Insider, hätten die Sprecherrolle bewusst offen gelassen. Möglicherweise könne sie neben der Höhe des Gehalts das Auswahlverfahren beeinflussen.

Der Stellenausschreibung war nur zu entnehmen, der zu ersetzende Geschäftsführer verantworte das Messegeschäft, besonders die Technologie- und Industriemessen, die als Aushängeschilder der Messe Stuttgart gelten. Außerdem nehme dieser Geschäftsführer „interdisziplinäre Aufgaben wahr“.

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