Krimikolumne

Nachruf: Tom Clancy Ein Hoch auf das Militär

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Der ehemalige Versicherungsvertreter Tom Clancy wusste, was Amerikaner lesen wollten: Romane, in denen überlegene Militärtechnik und mutige Helden alle Feinde der USA besiegten.

Tom Clancy hat sich um literarische Feinheiten wenig geschert: große Kassenerfolge prall voll mit Helden und Militärtechnik waren sein Metier. Foto: dpa
Tom Clancy hat sich um literarische Feinheiten wenig geschert: große Kassenerfolge prall voll mit Helden und Militärtechnik waren sein Metier. Foto: dpa

Stuttgart - Es gibt viele Motivationen des Schreibens. Der 1947 in Baltimore geborene US-Autor Tom Clancy hat es fraglos stets darauf angelegt, in die Bestsellerlisten zu kommen. Darüber hinaus aber wollte er die Zufriedenheit seiner Landsleute darüber befördern, dass Washington so viel Geld für Militär und Geheimdienste ausgibt. Atom-U-Boote, Jagdbomber, Schnellfeuergewehre und die Taktiken von Spezialeinheiten wurden in seinen Thrillern detaillierter und liebevoller als die Charaktere geschildert.Manchmal gerieten Clancys patriotische Bücher ihres Insiderwissens wegen sogar in die Grauzone des Geheimnisverrats.

Schon bei seinem Debüt „Jagd auf Roter Oktober“1984 zeigte der ehemalige Versicherungsagent den richtigen Riecher für die Wünsche seiner Leser, die ein wehrhaftes Amerika gezeigt bekommen wollten. Hollywood hat seine Bücher gerne verfilmt,und auch viele Computerspiele, die „Rainbow Six“-Reihe etwa,werben mit seinem Namen. Fast schon sympathisch pragmatisch schien Clancy,der Mitbegründer einer Spielerfirma,einzugestehen, dass es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Ballerorgien am Monitor und seinen Büchern gab.

Gut gegen Böse, aber das kompromisslos

Natürlich hat Clancy nicht nur über Waffensysteme geschrieben, auch wenn er deren Funktionieren stets als entscheidende Barriere zwischen Freiheit und Diktatur sah. Sein bekanntester Held war der später sogar zum Präsidenten gewählte CIA-Spezialist Jack Ryan. Harrison Ford verkörperte Ryan in den Verfilmungen von „Die Stunde der Patrioten“ und „Der Schattenkrieg“ alias „Das Kartell“.

Ryan war der perfekte Ausdruck von Clancys schlanker Weltsicht, ein anständiger, aber knallharter Amerikaner, der kompromisslos gegen das Böse in der Welt kämpfte und dem die Androhung von Vergeltung stets Diplomatie genug war. Dass Clancy am Dienstag im Alter von 66 Jahren gestorben ist, an einem Tag, an dem Amerika zahlungsunfähig wurde und rein rechnerisch sein Militär hätte stilllegen müssen, ist ein Treppenwitz des Schicksals. Dafür allerdings, für Sarkasmus und Ironie, fand sich in Clancys Büchern kein Platz.

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