Nahversorgung Hohlgrabenäcker Hohlgrabenäcker: Neue Idee für Nahversorgung

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Eine Bürgerdrogerie könnte in die künftigen Ladenräume am Sauerkirschenweg einziehen. Das zumindest hofft die städtische Wirtschaftsförderung.

Kommt ein Laden in die Neubauten am Sauerkirschenweg, und wer betreibt ihn? Foto: Chris Lederer
Kommt ein Laden in die Neubauten am Sauerkirschenweg, und wer betreibt ihn? Foto: Chris Lederer

Zuffenhausen/Zazenhausen - Vom Supermarkt, mit dem die Makler ihren Kunden den Hauskauf im Neubaugebiet Hohlgrabenäcker einst schmackhaft gemacht haben, ist nicht mehr viel übrig. Nur noch auf einem alten Werbeplakat am Ortseingang zeugt ein aufgemalter grauer Riegel von den Versprechungen, die sich mittlerweile als leer erwiesen haben. Den großen Supermarkt wird es nicht geben. Von den 600 bis 800 Quadratmetern Verkaufsfläche sind nur noch 145 übrig (wir berichteten).

Wie diese deutlich kleinere Fläche sinnvoll genutzt werden kann, damit hat sich die städtische Wirtschaftsförderung befasst. Der Stadtteilmanager Torsten von Appen setzt Hoffnungen auf den Verein zur Förderung der Nahversorgung: „Wir haben dem Verein eine Liste mit möglichen Standorten zukommen lassen, wo so genannte Drehpunkte eingerichtet werden könnten. Dort stehen unter anderem der ehemalige Schlecker-Markt in Botnang an der Franz-Schubert- Straße und die Fläche am Sauerkirschenweg in Zazenhausen.“

Ehemalige Schlecker-Verkäuferinnen als Unternehmerinnen

Der Verein, dem die Verdi-Sekretärin Christina Frank vorsitzt, hat sich zum Ziel gesetzt, entlassene Schlecker-Mitarbeiterinnen wieder in Lohn und Brot zu bringen. Das soll geschehen, indem die Frauen ehemalige Schlecker-Filialen als Unternehmerinnen weiterführen. Unter dem Namen Drehpunkt haben schon einige Filialen geöffnet, die erste im vergangenen Jahr in Erdmannhausen.

Das Warenangebot der Drehpunkte entspreche dem eines Drogeriemarktes, erweitert um Parfümerie und Lebensmittel, erklärt von Appen. „Wir warten derzeit auf eine Einschätzung des Vereins, welche Standorte für ihn in Frage kommen.“ Sollte Zazenhausen dabei sein, müssten zahlreiche Fragen geklärt werden. Unter anderem müsste ein Gutachten für etwa 2500 Euro erstellt werden, ob sich das Umfeld für einen wirtschaftlichen Betrieb eignet und welches Sortiment gefragt ist. Von Appen: „Es ist nicht geklärt, woher dieses Geld kommt.“ Auch müsste geeignetes Personal gefunden und die Anschubfinanzierung des Marktes sichergestellt werden. Hierfür seien 80 000 Euro nötig. „Man bräuchte 30 000 Euro in bar, der Rest könnte über ein Darlehen bei der KFW-Bank finanziert werden.“ Geld könnte auch von den Zazenhäuser Bürgern kommen. Sie können durch den Erwerb von „Stützlis“ genannten Wertmünzen zu 50 beziehungsweise 100 Euro den Markt in der schwierigen Anlaufphase unterstützen. Es handelt sich um ein zinsloses Darlehen, mit dem nach drei Jahren in den Drehpunkt-Märkten eingekauft werden kann.

Christina Frank: „Die Stadt muss die Rahmenbedingungen schaffen“

Die Vereinsvorsitzende Christina Franke stellt klar, dass es ihr und dem Verein vor allem um die ehemaligen Mitarbeiterinnen von Schlecker geht und nicht darum, um jeden Preis einen Markt einzurichten. „Wir begleiten Frauen, die einen Markt führen wollen, und wir wollen, dass aus Verkäuferinnen Unternehmerinnen werden.“ Ein solches Projekt empfehle sich nur, wenn sich ein Laden am Ende auch trage und sich alle am Risiko beteiligten. In der Pflicht sieht sie auch die Stadt. Frank: „Sie muss die Rahmenbedingungen schaffen und unter anderem dabei helfen, wenn es darum geht, die Anschubfinanzierung zu sichern. Sie könnte zum Beispiel eine Internetseite einrichten, über die Stützlis verkauft oder Spenden gesammelt werden.“

Frank kennt den Zazenhäuser Standort. Das Bedürfnis der Bürger nach einem Laden in der Nähe sei groß. Ehemalige Verkäuferinnen hätten sich bei ihr aber noch nicht gemeldet. „Es könnte auch der Bürgerverein sein, der diesen Laden mit Ehrenamtlichen führt“, sagt die Verdi-Sekretärin. Sie stelle ihre Kontakte gern zur Verfügung. Als Startkapital reiche deutlich weniger Geld. „Bei einer solchen Ladenfläche kann man schon mit 60 000 Euro sehr viel machen.“

Der Bürgervereinsvorsitzende Reinhold Weible bedauert, dass die Suche nach einem Betreiber bislang „mehr oder weniger im Sande verlaufen“ ist. Die neue Idee sollte man als Chance verstehen und näher beleuchten. „Ein Gutachten, das den Bedarf und die Potenziale klärt, halte ich für wichtig und sinnvoll.“ Dass der Bürgerverein den Laden führt, sehe er eher skeptisch. „Hier sehe ich die Wirtschaftsförderung in der Pflicht. Allen Interessenten an einem Haus oder einer Wohnung hat man seinerzeit versprochen, dass es einen Supermarkt geben wird.“

SWSG-Sprecher: „Die Ideen passen in unser Konzept“

Eigentümer der Immobilie am Sauerkirschenweg, in dem sich der Laden befindet, ist die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). „Wir haben großes Interesse daran, die Gewerbefläche von rund 145 Quadratmetern in unserem Anwesen am Sauerkirschenweg an einen Lebensmittelhändler zu vermieten“, sagt der SWSG-Sprecher Peter Schwab. „Die vorgestellten Ideen passen sehr gut in unser Konzept als soziales Wohnungsunternehmen. Einerseits könnten wir die Infrastruktur in einem unserer Wohngebiete verbessern. Andererseits würden wir helfen, arbeitslosen Menschen eine Perspektive zu eröffnen.“ Die genauen Modalitäten seien allerdings noch nicht bekannt. Die SWSG stehe „zu diesem Thema mit Torsten von Appen in engem Kontakt und werde diesen nun vertiefen, um alsbald die notwendigen Informationen zu dieser Frage zu erhalten“. Danach entscheidet die SWSG auch, ob sie sich an einer Anschubfinanzierung oder möglichen Kosten für ein Gutachten zur Sortimentsprüfung beteiligen wird.




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