Naturkundemuseum weitet Vermittlungsangebote aus Kennenlernen erwünscht

Auch mit Basteln will Museumschefin Stefanie Grzybek für „Natur begeistern“. Foto: Rudel
Auch mit Basteln will Museumschefin Stefanie Grzybek für „Natur begeistern“. Foto: Rudel

Im städtischen Naturkundemuseum in Jebenhausen weht ein frischer Wind. Die neue Leiterin Stefanie Grzybek hat auch das pädagogische Angebot erweitert.

Region: Andreas Pflüger (eas)
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Göppingen - Anna ist fertig. Ein letzter Falz und schon wird das kleine Papierkästchen mit Buntstiften verziert. „Meine Schätze – meine Steine“, schreibt die Zehnjährige auf den Deckel und malt ein paar Blümchen und Tiere daneben. Der acht Jahre alte Samuel ist noch nicht ganz so weit, was wohl daran liegt, dass er einen Kristallklumpen nicht aus den Händen legen will. „Wir haben Steine geklopft, und das hab ich gefunden“, erzählt er stolz.

Die „Steine“ waren aus Ton – und Stefanie Grzybek, die Leiterin des städtischen Naturkundemuseums in Göppingen-Jebenhausen, hat dafür gesorgt, dass in jedem ein „Schatz“ steckt. Auch sonst ist das runde Dutzend Kinder mit dem Nachmittag in der Alten Badherberge zufrieden. „Die Experimente waren super“, sagt Anna, und die anderen „Forscher im Museum“, die sich für das Thema „Steine und Mineralien“ interessiert haben, nicken heftig.

Museum für alle Generationen attraktiv machen

Im vergangenen Herbst hat Grzybek die Nachfolge von Anton Hegele angetreten, der mit dem Haus mehr als ein halbes Jahrhundert lang verwachsen war. Und die gebürtige Leipzigerin konnte gleich richtig loslegen, galt es doch einerseits die Dauerausstellung ein wenig zeitgemäßer und für alle Generationen attraktiv zu gestalten und andererseits die museumspädagogischen Ansätze auszubauen. „Als ich die Stellenanzeige sah, war klar, dass die Kombination aus Geologie, Naturkunde und Museumspädagogik meinem Traumjob sehr nahe kommt“, sagt die 28-Jährige.

Ihr Volontariat im Freilichtmuseum Vogtland hatte einen ganz ähnlichen Zuschnitt, und so scheute Grzybek auch den Weg in das ihr bis dahin weitgehend unbekannte Göppingen nicht, von dem sie lediglich wusste, dass es dort „eine erfolgreiche Handballmannschaft gibt“. Inzwischen habe sie sich eingelebt und komme mit den Schwaben gut zurecht. „Wenn ich sie denn verstehe“, fügt sie grinsend hinzu.

Ehrenamtliche Unterstützung ist unerlässlich

Dass ihr das Eingewöhnen leichtgefallen ist, dafür haben nicht zuletzt die bewährten ehrenamtlichen Helfer gesorgt. Ganz gleich, ob der Steinzeitexperte Winfried Poldrack, der Vogelspezialist Dieter Rockenbauch oder eben der frühere Museumschef Anton Hegele: ihr Engagement und ihre Unterstützung könne man nicht genug herausstellen, betont Grzybek. Ein besonderes Lob hat sie für ihren Vorgänger parat: „Er lässt mich machen und meinen Weg gehen, hat aber immer ein offenes Ohr und steht mit Rat und Tat zur Seite.“

Auch sonst hat die junge Geologin weitgehend freie Hand – solange es nicht allzu viel Geld kostet. Sie hat die Räume ein wenig umgestaltet, hat Exponate aus dem Archiv geholt und andere eingemottet. Auch die Kurse für Kinder, das Angebot für Schulklassen oder das Ausrichten von Geburtstagsfeiern darf die neue Museumsleiterin so angehen, wie ihr das zusagt. „Wir wollen das Programm etablieren und die Ausstellung in den nächsten Monaten um interaktive Elemente ergänzen“, erklärt Grzybek, wohl wissend, dass diesem Vorhaben finanzielle, weil räumliche und bauliche Grenzen gesetzt sind. „Das Museum lebt, ist begehrt und bietet eine gute Dauerausstellung. Die Besucher wollen und sollen uns kennenlernen“, sagt sie. Was die pädagogischen Angebote angehe, stoße man aber an Grenzen. Und die Sanierung des Gebäudes sei dringlich. Neu ist diese Erkenntnis nicht. Die Aussage könnte auch von Anton Hegele stammen.




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