Ja, natürlich könnte man hier einwerfen, dass diese sonnendurchtränkten, entschleunigten Hochglanzbilder der Lebenswirklichkeit eines Autisten in all ihren Ausprägungen nicht gerecht werden. Und ja, den Andersartigen als Heilsbringer zu inszenieren, wäre ohne Gegengewicht zwar ein schönes Märchen, aber mehr eben auch nicht. Doch „Birnenkuchen mit Lavendel“ gibt sich nicht mit dem verzauberten „Im Grunde ist der Kranke glücklicher als der Gesunde“-Topos zufrieden.

Fort vom Abschreckenden

Der Regisseur Eric Besnard hält zwar durchweg den leichten, fast märchenhaften Ton der typischen Zuckerwatte-Sommerkomödie, verharmlost die Krankheit seines Protagonisten dabei jedoch nicht. Stattdessen verändert er nur dessen Kategorisierung: Was zu Beginn als krank und abschreckend gilt, wird im Laufe des Films weicher und liebevoller – bis Pierre schließlich zu einer Art alternativer Identifikationsfigur für Louise und den Zuschauer wird.

Besnard bricht so mit der Pathologisierung der Andersartigkeit und stellt den scheinbar Kranken als denjenigen dar, der eigentlich unverbraucht, gut und ehrlich ist. Als eine Alternative, vielleicht sogar eine Bereicherung zu dem, was für den Durchschnittszuschauer als normal gilt.

Birnenkuchen mit Lavendel. Frankreich 2015 Regie: Eric Besnard. Mit Virginie Efira, Benjamin Lavernhe. 97 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.

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