NS-Vergangenheit Insel Mainau Nazis versorgten die Insel mit Gästen

Von Wolfgang Messner 

Unter den Nazis kam das Geschäft mit dem Fremdenverkehr voran - auch weil die nationalsozialistische Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" (KdF) den Grafen tatkräftig unterstützte, wie der Konstanzer Historiker Arnulf Moser herausgefunden hat. 1935 verzeichnete die Gästestatistik demnach bereits 50.000 Besucher.

Der frühere Gymnasiallehrer Moser hatte schon früh darauf verwiesen, dass der nach Kriegsausbruch in sein Geburtsland Schweden zurückgekehrte Graf Lennart von den Nazis vielfach profitierte. Die Organisation Todt zahlte Bernadotte 5000 Reichsmark Pacht. Für ihn ein gutes Geschäft, da im Krieg kaum noch Gäste kamen. In seinem Buch "Die Mainau. Chronik eines Paradieses" gab der Mainaugraf an, er sei gezwungen gewesen, die Insel an die Nazis zu verpachten. Dazu aber hat der Historiker Moser in dem Schriftwechsel zwischen Bernadotte, dem damaligen Konstanzer Oberbürgermeister und dem Rüstungsminister Speer keinerlei Hinweise gefunden. Ebenso wenig für die ebenfalls vom Grafen verbreitete Geschichte, Speer habe die Mainau nach dem Endsieg als Trophäe für sich reserviert und ihn unter Druck gesetzt. Nach seiner Haft von Moser befragt, behauptete Speer, eine Nötigung habe es nicht gegeben, das erklärte auch der frühere Verwalter der Insel.

Nazizeit auf Website ausgespart

Moser hat auch schon früh auf die auf der Mainau gestorbenen KZ-Opfer hingewiesen und eine würdige Gedenkstätte angemahnt - so in seinem 1995 erschienen Werk "Die andere Mainau 1945". Geschehen ist nichts. "Wir wurden sehr kühl zurückgewiesen", erinnert sich Moser an die abweisende Haltung des Grafenpaares. Das Desinteresse erstaunt wenig, denn in der offiziellen Inselchronik auf der Website, die seit der Besiedlung "um 3000 v. Chr." geführt wird, wird die Nazizeit von 1933 bis 1945 ausgespart.

Doch nun ist Bewegung in die Sache gekommen. Denn seit Kurzem sehen sich die fünf Kinder des 2004 im Alter von 95 Jahren gestorbenen Graf Lennart und der 2008 ihrer Krebserkrankung erlegenen Gräfin Sonja Bernadotte auch in der größeren Öffentlichkeit der Forderung ausgesetzt, endlich würdig an die 33 KZ-Opfer zu erinnern. Es existiert mittlerweile sogar eine Unterschriftenliste mit mehr als hundert Namen, auf der sich auch die Unterschriften honoriger Bürger der Stadt Konstanz finden sollen.

"Würdige Form des Gedenkens"

Ausgelöst hat das neuerliche Interesse an der unterbelichteten Vergangenheit der adeligen Familie die Deutsch-Französische Vereinigung, die sich im März 2011 in einem offenen Brief an die Nachfahren Graf Lennart Bernadottes wandten. Sie beklagten darin, dass man auf der Insel keine Hinweistafel oder sonst irgendeine Erinnerung an die französischen KZ-Opfer vorfinde. Viele Monate lang ließen die Bernadottes nichts von sich hören, doch als immer mehr Medien berichteten, hatten es die Verantwortlichen mit einem Mal ganz eilig. "Selbstverständlich werden wir uns auch diesem Kapitel der Inselgeschichte stellen", schrieben die neuen Inselchefs, die Geschwister Gräfin Bettina und Graf Björn Bernadotte zurück. Zunächst aber haben sie eine dreiköpfige Expertenkommission eingesetzt, die die im Dunkeln gehaltene NS-Geschichte aufarbeiten soll. Lothar Burchardt, emeritierter Historiker der Universität Konstanz, Tobias Engelsing, Direktor der Städtischen Museen, und der Leiter des Stadtarchivs, Jürgen Klöckler, sollen zunächst ein Gesamtkonzept vorlegen. Man werde "auch eine würdige Form des Gedenkens an diese Menschen" - gemeint sind die KZ-Opfer - vorsehen, heißt es.

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