OB-Abschied in Leonberg Der Meister der Oberbürgermeister

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24 Jahre OB: Zum Abschied gibt es für Bernhard Schuler freundliche Worte, Respekt und Anerkennung.

Ein dankbarer Abschiedsgruß des Oberbürgermeisters an den Dirigenten Alexander Adiarte (rechts) und die Mitglieder des Leonberger Sinfonieorchesters. Foto: factum/Simon Granville
Ein dankbarer Abschiedsgruß des Oberbürgermeisters an den Dirigenten Alexander Adiarte (rechts) und die Mitglieder des Leonberger Sinfonieorchesters. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Als sich ganz am Ende der Vorhang hebt, zeigt die Hauptperson des Abends einen erkennbaren Anflug von Rührung. Das Sinfonieorchester spielt zu Ehren Bernhard Schulers ein Louis-Armstrong-Medley. Zuvor hatte sich der scheidende Oberbürgermeister als Jazzfreund zu erkennen gegeben, „weil dieser Stil eine Mischung aus Struktur und Improvisation ist“. Wie im richtigen Leben.

600 Menschen füllen die Stadthalle

An die 600 Leute füllen am Montagabend die Stadthalle nahezu bis auf den letzten Platz. Nicht nur Kommunal – und Landespolitiker oder die Vertreter der Institutionen, Vereine, Verbände und Unternehmen. Auch viele, wie man so sagt, normale Bürger sind erschienen.

Sie wollen jenem Mann ein letztes Mal die Reverenz erweisen, der die Stadt nahezu ein Vierteljahrhundert geführt hat. Unter dem Strich gut geführt. Die Wortbeiträge lassen kein anderes Urteil zu. Sie sind mehr als die üblichen Höflichkeiten, die bei Verabschiedungen ausgetauscht werden.

Engagement fürs Krankenhaus

So etwa in der Rede von Axel Röckle. Als dienstältester Fraktionschef spricht er für den gesamten Gemeinderat. Röckle würdigt den Einsatz des Oberbürgermeisters für das Krankenhaus. Und er lobt Schulers „souveräne Sitzungsleitung“, mit der er oft „heterogene Anträge zu einem möglichst sinnvollen Abstimmungsergebnis geführt hat“. Dabei verhehlt Röckle nicht, dass nicht alle Themen zwischen den Fraktionen und dem OB als Vorsitzenden des Rates unstrittig waren.

Nicht immer einig war sich auch der Personalrat mit dem Verwaltungschef. Dennoch bescheinigt die Vorsitzende Ines Schäfer dem Oberbürgermeister, dass er in den Diskussionen stets „sachlich, respektvoll, pragmatisch und zielführend war.“

Damit die Zuschauer angesichts des Ansprachenmarathons nicht zu schnell ermatten, kündigt die Kulturamtsleiterin Christina Ossowski zwischendurch Aktive der Jugendmusikschule an. Karin Reitz überzeugt am Flügel, Marius Schwartz am Marimbaphon. Besonders eindrücklich ist die Interpretation der Sängerin Sarah Abdallah und des Pianisten Benedikt Moser von Frank Sinatras „My Way“.

Herzerfrischend: Ivo Gönner

Doch nicht nur die Musikbeiträge begeistern das Publikum. Mehr als nur unterhaltende Züge hat die Rede von Ivo Gönner. Den früheren Oberbürgermeister von Ulm verbindet ein langjähriges gemeinsames Engagement beim Städtetag mit Bernhard Schuler: der Ulmer als Präsident, der Leonberger als sein Stellvertreter.

Herzerfrischend schildert Gönner, was es braucht, um ein guter OB zu sein. „Es hilft nicht, seitenweise Programme zu schreiben, sondern mit Gespür gute Lösungen zu finden.“ Gefordert sind in seinen Augen der Gemeinderat und die Verwaltung gleichermaßen: „Es ist wichtig, dass in einer Stadt eine gute Atmosphäre ist. Diese Botschaft sendet das Rathaus aus.“

In Anlehnung an die Bibelstelle von Jeremia 29,7 stellt Gönner fest: „Du hast nicht nur der Stadt Bestes gesucht, sondern auch gefunden.“ Fazit des Laudators: „Du hast die Aufgaben gemeistert, bist also ein Meister der Oberbürgermeister-Zunft.“

Eine Aufgabe, die Sinn macht

Mit einem Zitat aus seiner Antrittsrede als Oberbürgermeister bedankt sich der viel Geehrte: „Wer in der Gegenwart verharrt und von der Vergangenheit träumt, verschläft die Zukunft.“ Und gibt ein wenig von der Motivation preis, die ihn vor einem Vierteljahrhundert bewog, als Oberbürgermeister der Stadt Leonberg zu kandidieren.

Die Erkenntnis des Vaters, „der Staat sind wir“, das Vertrauen der Mutter, dass aus dem Sohn was wird, nicht zuletzt der Wunsch, eine Aufgabe zu übernehmen, die Sinn macht, all das hat dazu beigetragen, dass sich Bernhard Schuler fürs Allgemeinwohl engagiert hat. Geholfen haben ihm dabei sein Bruder und seine Kinder als „kritische und inspirierende Gesprächspartner“ und nicht zuletzt seine Partnerin.