Oldtimer-Traktoren in Tamm Knatternde Liebeserklärung an analoge Technik

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Der 77-jährige Rentner Werner Danner aus Tamm denkt nicht an den Ruhestand. Eher ans Schrauben und Lackieren. In seiner Scheune am Ortsrand hat er eine bemerkenswerte Sammlung alter Traktoren und Motoren versammelt.

Ein Mann, ein Trecker: Werner Danner (77) zündelt an seinem Hanomag. Er liebt Antriebstechnik zum Anfassen. Foto: factum/Granville
Ein Mann, ein Trecker: Werner Danner (77) zündelt an seinem Hanomag. Er liebt Antriebstechnik zum Anfassen. Foto: factum/Granville

Tamm - Es ist ein sonniger Tag. Am Ortsrand von Tamm spaziert ein älterer Herr an einer großen Scheune vorbei. Drinnen hämmert und klopft es, später wird sich dieses Geräusch in ein immer lauteres Knattern und Knallen verwandeln. In Tamm lässt sich niemand mehr von diesen Geräuschen irritieren. Alle wissen längst: hier werkelt und bastelt Werner Danner.

77 Jahre alt ist der ehemalige Betriebsingenieur. Und trotzdem ist der enorm rüstige Rentner noch weit jünger als viele der Maschinen, Motoren und Traktoren, mit denen er täglich arbeitet. Was heißt überhaupt arbeitet? Er schraubt, bastelt, schrubbt, entrostet und lackiert. Werner Danner war 40 Jahre lang bei einer Ditzinger Firma beschäftigt. Aber jetzt, im Ruhestand, geht es bei ihm erst richtig los.

Eine bemerkenswerte Sammlung

In seiner Scheune hat er einige der ältesten und bemerkenswertesten Fahrzeuge und Maschinen weit und breit versammelt. Üblicherweise schreiben Journalisten über Männer wie ihn, sie hätten Benzin im Blut – Verbrennungsmotoren praktisch jedweder Machart, meist gebaut in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, tummeln sich in seiner Garage. Doch Danners ganzer Stolz wird keineswegs mit Benzin betrieben. Es ist ein Holzgaser der Firma Hanomag, gebaut im Jahr 1941.

Der extrem seltene Traktor war, darauf ist Werner Danner stolz, der erste seiner Machart in ganz Deutschland, der wieder restauriert und fahrtüchtig gemacht wurde. Für den Laien wirkt der Motor wie eine Art Holzkohlegrill auf Rädern. Gefüttert wird er von oben mit Holz. Nach einer gewissen Laufzeit produziert sich der Motor seine eigene Holzkohle, mit der wiederum der Motor angetrieben wird. „Im Krieg war Benzin extrem selten“, erklärt Danner. Als der Unruheständler den Motor anwirft, gibt es wieder mal den typischen Danner-Sound. Ein lautes Rumpeln, Quietschen, ein maschinelles Wiehern, unterbrochen von einem lauten Knall – und los geht’s. Maximal 22 Kilometer pro Stunde macht der rollende Holzkohlegrill.

Rollende Stars bei Trecker-Treffs

Besonders gerne präsentiert Danner seine Preziosen bei Oldtimer- und Traktor-Treffs. Ganz einfach ist das nicht bei dem Schneckentempo des Holzgaser-Traktors, der zudem noch Unmengen Holz schluckt. 25 Kilogramm Holz pro Stunde braucht der Hanomag – kein Wunder, dass Danner mit ihm nicht zu den Retro Classics, der größten Oldtimermesse Europas, fahren konnte. Das Stuttgarter Messegelände ist schlicht ein paar hundert Kilo Holz zu weit entfernt. Dafür wird er am 17. April sein Prachtstück in Unterriexingen bei den Freunden historischer Fahrzeuge, rund um die Kelter, präsentieren.

Was ihn an dieser Technik so fasziniert? Werner Danner blickt ernst: „Damals wurde noch alles mit der Hand am Arm gemacht. Das waren noch keine programmierten CNC-gefrästen Teile.“ Es ist die schlichte Liebe für Technik zum Anfassen, die Begeisterung fürs Analoge, für nachvollziehbare Antriebsprozesse, für Bolzen, Kolben, Kühlventilatoren, Schläuche und Kurbeln. „Ich habe noch das Drehen und Fräsen gelernt“, sagt Danner, „ich kann mir die Ersatzteile alle noch selbst nachbauen.“

Eine Rarität aus dem Hause Deutz

In Danners Schuppen dürfte sich eine der bemerkenswertesten Traktor-Sammlung in ganz Deutschland befinden. Eine stattliche Köpfli-Kollektion mit prachtvollen Traktoren aus der Schweiz befindet sich ebenso in seinem Besitz wie zahlreiche Lanz-Fahrzeuge, darunter ein enorm seltener Traktor aus dem Baujahr 1923 und ein stattlich restaurierter Deutz, von dem im Jahr 1925 nur 20 Exemplare gebaut wurden – das hat Werner Danner selbst im Deutz-Archiv recherchiert.

Stundenlang kann der Tammer philosophieren über Kolbenschmierung, Einspritzer oder Druckluftanlasser. Wie viel Geld und Arbeitsstunden er schon in seine Gefährte und Getriebe gesteckt hat? Werner Danner schüttelt lachend den Kopf: „Ich zähl’s nimmer.“




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