Peter Glaser blickt in die Kristallkugel Angezogen von Planeten

Von Peter Glaser 

„Immer vorwärts – das ist Luxus“, sagt Karl Lagerfeld. Wann kommt endlich die Mode zum Downloaden? Peter Glaser fordert in seiner Kolumne den Mode-iPod - passend zur Modemessen-Saison.

Sich in Sekundenschnelle umziehen ist schon keine Zukunftsvision mehr, wie die Messe für Konsumelektronik CES gezeigt hat. Aber Peter Glaser denkt noch weiter. Foto: AP
Sich in Sekundenschnelle umziehen ist schon keine Zukunftsvision mehr, wie die Messe für Konsumelektronik CES gezeigt hat. Aber Peter Glaser denkt noch weiter. Foto: AP

Stuttgart - Hier geht es in Zukunft um die Zukunft. Das StZ-Hausorakel Peter Glaser befragt einmal die Woche die Kristallkugel nach dem, was morgen oder übermorgen sein wird – und manchmal auch nach der Zukunft von gestern. Dazu als Bonus: der Tweet der Woche!

Es ist wieder die Zeit der Fashion Weeks. Berlin war gerade, jetzt kommen New York, London, Mailand, Paris. Eine Vorausschau auf das Kommende. Aber es gibt einen Widerspruch zwischen Mode und technologisch inspirierten Zukunftsvorstellungen. Beide verstehen sich als Avantgarde. Zugleich bleibt das ganze Modegewerbe immer sonderbar konservativ. Beschämend spät hat man Modedesignern erklärt, dass es vielleicht ganz gut wäre, auch eine hübsche Website zu haben. Wo es nun welche gibt, ist es oft in Schniqueschnaque versinkendes Onlinedesign. Erst spät hat man Modebloggern gestattet, sich auf den Fashion Weeks zu akkreditieren. Und mehr als jene Ingenieure, die gern winzige Bedienungselemente bauen würden, die von niemandem mehr bedient werden können, leiden Modemacher unter der unveränderlichen Begrenztheit des menschlichen Körpers - Haare oben, zwei Beine unten, fertig.

Was sagt die Science Fiction über die Mode der Zukunft? „Wir werden von einem fremden Planeten angezogen", ruft Leutnant Uhura auf der Enterprise einmal – in Wirklichkeit war Bill Theis für die Kostüme verantwortlich. Sie waren als Weiterentwicklung von langer Unterwäsche konzipiert, mit farbigen Stoffen kaschiert und mit verborgenen Verschlüssen versehen. Bereits in dem Pilotfilm „Where No Man Has Gone Before" von 1966 fand sich der gerippte Kragen, der eineinhalb Jahrzehnte später in den Kinofilmen als weißer Wollkragen zum standardisierten Starfleet-Dress gehörte. Zeitlos, quasi das Kleine Schwarze der Science Fiction-Mode, sind kotflügelhaft abstehende Schulterteile. Da sie rüstungsartig wirken, werden sie gern den Bösen zugeschneidert.

Die Selbstkontrolle der US-Sender verbot in der Frühzeit blanke Bauchnabel und Brustansichten in futuristischer Mode. Also verlagerten sich die erotisierenden Einblicke auf Rücken und Seiten - hochgeschlitzte Ärmel, Saris und Schürzen. Die Kostüme weiblicher Wesenheiten wiesen, neben einer Neigung zur Goldborte, eine geradezu tollkühne Tendenz zum Verrutschen auf. „Die Episoden aus den Sechzigern erinnern mich daran, dass die zukünftige Kleidung von damals heute etwas seltsam aussieht. Die Aliens tragen Gogo-Stiefel und Hippieklamotten", so Captain Kirk alias William Shatner.

Heute leben wir in einer Zeit, in der man kaum noch Science Fiction schreiben kann - es gibt schon alles. An vormals phantastischen Dingen wie Gedankenlesen oder Antischwerkraft wird bereits gearbeitet. Auch die Mode wird sich dem Fortschritt nicht entziehen können. Das Problem der modischen Frequenzwechsel wird sich in dem Augenblick erübrigen, in dem man sich mit Lichtgeschwindigkeit umziehen kann. Das werden farblich und strukturell umschaltbare Gewebe ermöglichen. In Design-Datenbänken wird die gesamte Entwurfspalette menschlichen Modeschaffens jederzeit abrufbar zur Verfügung stehen. Wir warten auf den Mode-iPod.

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Und hier noch wie immer der Tweet der Woche:

 

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