Pilotprojekt am Waiblinger Bahnhof Ticketkauf mit Videoberatung

Von Harald Beck 

Das neue Video-Reisezentrum der Deutschen Bahn am Waiblinger Bahnhof läuft schon seit ein paar Tagen. Oberbürgermeister Andreas Hesky hat es jetzt offiziell samt Test-Ticketkauf eingeweiht.

Für gut 380 Euro hätte Andreas Hesky sein Ratsgruppenticket bekommen Foto: /Gottfried Stoppel
Für gut 380 Euro hätte Andreas Hesky sein Ratsgruppenticket bekommen Foto: /Gottfried Stoppel

Bahn - Mein Name ist Andreas Hesky, ich brauche eine Fahrkarte von Frankfurt nach Waiblingen – ich will unbedingt nach Waiblingen“, spricht der Waiblinger OB. Einige Sekunden zuvor war per Ruftaste auf einem Bildschirm in der nagelneuen Video-Ticketbox am Waiblinger Bahnhof das Gesicht eines Beraters aufgetaucht. Aus dem Lautsprecher ertönte zunächst die Frage nach des Kunden Wunsch. „Einfache Fahrt und ja nicht zurück“, beantwortet der Stadtchef gut gelaunt die weiteren Fragen des Videoberaters, der – auch das will Hesky wissen – in Ludwigsburg sitzt, in einer von zwei Videozentralen der Bahn im Lande. Nächster Schritt: „Ich darf nur zweite Klasse fahren – und ja keine Rückfahrt!“

Ein Gemeinderatsgruppenticket zum Supersparpreis

Am Ende hat sich der Waiblinger OB in seiner ganz persönlichen Videokonferenz doch gleich ein ganzes Gruppenticket für den Gemeinderat definieren lassen, das die Ankunft in Waiblingen rechtzeitig zum Ratssitzungsbeginn am 19. März um 18 Uhr garantiert hätte. „Machen wir alles“, spricht geduldig der Videoberater. Kostenpunkt: 382,40 Euro im Supersparpreis. Am Ende kommt das Demonstrationsgeschäft zur Video-Ticketing-Einweihung in Waiblingen doch nicht zustande: „Oh“, sagt das Stadtoberhaupt und grinst in die Videokamera, „ich habe den Geldbeutel vergessen.“

Das im Eingangsbereich des zunächst einmal weiterhin bestehenden und werktags von 8 bis 18 Uhr analog-persönlich beratenden Reisezentrums am Bahnhof in Waiblingen ist eines von sechs, die im Rahmen eines Pilotprojektes derzeit in der Region an den Start gehen. Neben Waiblingen sind auch Leonberg, Böblingen, Marbach und Ludwigsburg am Start. Die Videozentren seien keine Sparmaßnahme, betont der regionale Verkaufsleiter der Deutschen Bahn, Reinhold Pohl. Es werde kein Personal wegfallen, versichert er. Im Gegenteil, man versuche die Servicequalität zu verbessern. Denn in den Video-Reisezentren sei auch ein 24-Stunden-Betrieb möglich.

Das Video-Beraterzentrum sitzt in Ludwigsburg

Diejenigen, die den Kunden am Waiblinger Videoschalter gegenübersitzen, haben ihren Arbeitsplatz alle in Ludwigsburg. Sechs DB-Mitarbeiter sind es momentan, die im Schichtbetrieb für 13 Videostationen in einem ihnen jeweils zugewiesen Teil des Landes zuständig sind. Kleine Wartezeiten könne es geben, räumt Pohl ein, aber man wolle dafür sorgen, dass diese kurz bleiben und das Personal im Zweifel der Nachfrage anpassen.

In Waiblingen sei in den Tagen des bisherigen Betriebs die Akzeptanz des neuen Ticketservices gut, berichtet der Verkaufsleiter. „Wir hoffen, dass das weiterhin so sein wird.“ Deutschlandweit gibt es derzeit rund 90 der Video-Reisezentrum. Ein Schwerpunkt erster Pilotversuche in den vergangenen Jahren war die Schwarzwaldbahn. Und im Mai, so heißt es seitens der Deutschen Bahn, werde voraussichtlich die 100. Videostation für den zukunftsträchtigen Ticketverkauf eröffnet.

In Waiblingen ist die Station, in der die distanzierten Berater auch Reisedokumente oder Fahrpläne für den Kunden direkt ausdrucken oder die Kunden selbst Dokumente einscannen und weiterleiten können, zunächst werktags von sechs bis um 19.30 Uhr zugänglich, samstags, sonn- und feiertags von 8 bis 18 Uhr.

Akzeptieren die Kunden in der jetzigen Pilotphase in der Region das Angebot, dann folgen in der nächsten Ausbaustufe des Projektes im Rems-Murr-Kreis voraussichtlich Videostationen in Backnang, Schorndorf, Winnenden, Fellbach und in Rommelshausen.