Plochingen Der Neckar taugt nicht für das Training

Von Philipp Braitinger 

Das marode Stadtbad von Plochingen ist geschlossen und ob es je wieder aufmacht, steht in den Sternen. Weil Trockenschwimmen keinen Spaß macht, laufen der Schwimm-Abteilung des örtlichen Turnvereins die Mitglieder weg. Mit einer Unterschriftenaktion machen die Sportler auf die missliche Situation aufmerksam.

Das  Bad strahlt den  architektonischen Charme der 50er Jahre aus. Ob sich eine Sanierung lohnt, soll ein Gutachten entscheiden. Foto: Horst Rudel
Das Bad strahlt den architektonischen Charme der 50er Jahre aus. Ob sich eine Sanierung lohnt, soll ein Gutachten entscheiden. Foto: Horst Rudel

Plochingen - Sie kämpfen für den Erhalt der Badeanstalt. Die Schwimmabteilung des TV Plochingen ist Teil des Aktionsbündnisses Stadtbad Plochingen, dem auch der Förderverein Stadtbad Plochingen und der DLRG Reichenbach angehören. Die Vereine wollen verhindern, dass das Bad endgültig geschlossen wird. Aktuell läuft eine Unterschriftenaktion, mit der die Schwimmer auf die missliche Situation aufmerksam machen und den Erhalt des Bades fordern. Um die Pfingstferien herum sollen die Unterschriften an die Stadtverwaltung übergeben werden.

Bad bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen

Den Mitgliedern der Schwimmabteilung des TV Plochingen stehen bange Wochen und Monate bevor. Eine Zukunft der Schwimmabteilung ohne das Stadtbad, das sei nur schwer vorstellbar, erklärt der Vorsitzende der Schwimmabteilung, Götz Merkle. Man habe verzweifelt nach Ausweichmöglichkeiten gesucht, nachdem die Schließung des Bades auf unbestimmte Zeit angeordnet worden war. Derzeit trainieren die Vereinsmitglieder sonntagnachmittags in Altbach und dienstagabends in Wernau. „Das reicht aber nicht“, betont Merkle. Sowohl der Breiten- als auch der Leistungssport litten trotz Ausweichmöglichkeit unter dem geschlossenen Plochinger Stadtbad. Für Kinder sei der Dienstagabend zu spät und der Sonntag sei für viele Menschen ein Familientag, an dem sie nur ungern im Sportverein trainierten.

Das unfreiwillige Trockenschwimmen wirkt sich inzwischen auch auf die Mitgliederentwicklung aus. Die Schwimmabteilung hat Merkles Worten zufolge seit der Schließung des Hallenbades im Sommer bereits rund zehn Prozent ihrer Mitglieder verloren. Die Austritte betreffen alle Altersgruppen. „Viele, die die noch zur Verfügung stehenden Übungszeiten nicht mehr nutzen können, haben die Abteilung bereits verlassen“, sagt Merkle. Durch die Nutzung der Bäder in Altbach und Wernau entstünden zudem höhere Kosten für den Übungsbetrieb. Diese müssten nun durch die Mitglieder und den Verein zusätzlich getragen werden. „Wir möchten uns bei den Gemeinden Altbach und Wernau bedanken, dass wir die schon genannten Zeiten für den Trainingsbetrieb zur Verfügung gestellt bekommen“, sagt Merkle.

Das Vereinsleben leidet jetzt schon

Trotz der Nachbarschaftshilfe sieht der Abteilungsleiter schwarz für die Zukunft des Schwimmsports in der Stadt. „Wird das Bad endgültig geschlossen, dann ist es schwierig, unter den jetzigen Trainingsbedingungen ein intaktes Vereinsleben zu erhalten“, sagt Merkle.

Mit der Unterschriftenaktion möchte der Schwimmverein mit den beiden anderen Initiatoren des Fördervereins und dem DLRG aus dem benachbarten Reichenbach verdeutlichen, dass das Stadtbad vielen Menschen am Herzen liegt. „Es ist eine Möglichkeit für die Verantwortlichen, ein Meinungsbild zu bekommen“, findet Merkle. Immerhin werde das Bad nicht allein für den Vereinssport genutzt. Es sei auch für den Schul- und den Freizeitsport eine wichtige Einrichtung.

Bei Revisionsarbeiten an der Wasserversorgung im Plochinger Stadtbad wurde im vergangenen Jahr festgestellt, dass unter den abgehängten Decken der Duschräume Spritzasbest angebracht worden war. Das Bad wurde deshalb nach den Sommerferien geschlossen.

Um die Schwimmhalle wieder nutzen zu können, sind umfangreiche Arbeiten notwendig. Vor allem muss das gesundheitsschädliche Spritzasbest heraus. Doch das ist nur einer der vielen Bereiche, in denen das im Jahr 1959 errichtete Plochinger Stadtbad dringend erneuert werden muss. Hinzu kommt eine marode Elektronik und die nicht vorhandene Barrierefreiheit. Auch ist der Brandschutz nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Die Stadt will ein Gesamtpaket schnüren

Kurzum: Das Stadtbad müsste, sollte es weiterbetrieben werden, von Grund auf saniert werden. Was das kosten würde, wird derzeit untersucht. Ein entsprechendes Gutachten soll am 20. Juni vorgestellt werden, wie der für die Plochinger Sportstätten zuständige stellvertretende Hauptamtsleiter, Martin Gebauer, sagt.

Im Plochinger Rathaus wird die Zukunft des in die Jahre gekommenen Bades ohnehin nicht isoliert betrachtet. Mit hinein in die Abwägung für oder gegen eine Sanierung des Stadtbades fließen die Entscheidungen zur anstehenden Sanierung des Gymnasiums und der Stadthalle. Für das Gymnasium werde derzeit untersucht, wie die Nachbarkommunen, deren Schüler in Plochingen unterrichtet werden, an den Kosten beteiligt werden könnten. Die Entscheidung, wie es mit dem Stadtbad weitergehe, werde zeitnah nach der Veröffentlichung des Gutachtens gefällt, erklärt der Hauptamtsleiter.