Projekt für Jungen in Weinstadt Beim Kistenstapeln wächst das Selbstvertrauen

Von Luitgard Schaber 

Mutproben und Abenteuer – ein neues Projekt am Weinstädter Bildungszentrum ist nur für Jung en konzipiert und soll sie mutiger machen.

Auch Kanufahren war Bestandteil des Projekts „Jungsding“. Foto:  
Auch Kanufahren war Bestandteil des Projekts „Jungsding“. Foto:  

Weinstadt - Gemeinsam Mutproben bestehen und Abenteuer erleben – das durften in den vergangenen Wochen die ersten Teilnehmer eines neuen Projekts in Weinstadt. Jungsding heißt es und sein Name ist zugleich Programm. Denn das Angebot richtet sich ausschließlich an Buben. Was dahinter steckt und wie es angekommen ist, davon berichtete der Schulsozialarbeiter Hendrik Plath zum Abschluss der ersten Auflage.

Mehr Mut und Vertrauen, vor allem in sich selbst, sollten die Jungen erlangen, indem sie bei erlebnispädagogischen Aktionen – wie etwa Kanufahren, Kistenstapeln, Geocaching und Abseilen – sich selbst und ihre Fähigkeiten in einem Kontext außerhalb der Schule erleben können, erläutert Hendrik Plath, der am Weinstädter Bildungszentrum arbeitet.

Für Mädchen gibt es ein ähnliches Projekt

Weshalb? Haben Jungen das mehr nötig als Mädchen? Nein, sagt Plath. Vielmehr sei es so, dass es für Schülerinnen ein derartiges Angebot bereits seit mehreren Jahren gebe. M³ heiße es und werde von Kolleginnen geleitet. Um das Pendant Jungsding kümmert sich dementsprechend ein männliches Team. Neben Plath sind das dessen Kollege Julian Bach und Benjamin Orner, der Leiter des örtlichen Hauses der Jugendarbeit. Orner und Plath haben das Konzept für das Kooperationsprojekt gemeinsam entwickelt. Denn es gebe bei Jungs ebenfalls Bedarf für ein derartiges Angebot, wie sie von den Schulleitungen erfahren hätten. Auch seitens des städtischen Jugendreferats habe der Wunsch bestanden, ein solches Projekt ins Leben zu rufen.

Denn der Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule sei für angehende Fünftklässler ein großer Schritt. Nach den ersten vier recht behüteten Schuljahren an den vergleichsweise kleinen Grundschulen in den Teilorten müssten sich die Kinder plötzlich an den deutlich größeren weiterführenden Schulen zurechtfinden. Auf das Remstal-Gymnasium beispielsweise gingen knapp 1000 Schüler. Dabei sei mehr Selbstständigkeit gefordert.

Zudem müssten die Kinder sich in neue Klassenverbände einfügen, sagt Plath: „Da müssen sich die Fünftklässler neu positionieren.“ Dazu kämen hohe Erwartungen, auch der Schüler an sich selbst, wie etwa gut auszusehen und später einen Beruf ergreifen zu können, in dem man viel verdiene. Manch einer entwickle dabei eine regelrechte Schulangst.

Positive Rückmeldungen

Damit es erst gar nicht so weit kommt, gibt es nun Jungsding. Das freiwillige und für die Teilnehmer kostenlose Angebot richtet sich indes nicht nur an Fünftklässler an Gymnasium, Real-, Gemeinschafts- und Förderschule im Weinstädter Bildungszentrum, sondern auch an Schüler der Stufen sechs und sieben. Acht vorwiegend jüngere Schüler, meldeten sich für die Erstauflage, vier nahmen teil.

Eigentlich hätte diese im März starten sollen, doch wegen der coronabedingten Schulschließung ging es erst im Mai los. „Trotz der erschwerten Bedingungen war das Projekt erfolgreich“, zieht Plath Bilanz. Obwohl dieses deswegen deutlich verkürzt war, hätten sich die Teilnehmer zu einer Gruppe zusammengefunden, seien merklich offener und mutiger geworden. Zudem hätten Orner und er von ihnen durchweg positive Rückmeldungen erhalten, auch von deren Eltern. Und alle wollten zu den Nachholterminen für die wegen Corona ausgefallenen Treffen kommen. Auch eine Fortführung des Projekts im nächsten Schuljahr sei geplant, wiederum für das zweite Halbjahr. Bis zu zwölf Jungs können mitmachen.




Unsere Empfehlung für Sie