Prostitution in Stuttgart Kein Platz für Bordellbetreiber am Runden Tisch

Noch sind mehrere Verfahren offen, in denen es um die Betriebserlaubnis von Prostitutionsstätten geht. Foto: dpa/Andreas Arnold
Noch sind mehrere Verfahren offen, in denen es um die Betriebserlaubnis von Prostitutionsstätten geht. Foto: dpa/Andreas Arnold

Der Runde Tisch Prostitution bleibt für Stuttgarter Bordellbetreiber tabu. Nach lautem Protest aus der Verwaltung will Oberbürgermeister Frank Nopper mit John Heer in einem anderen Rahmen das Gespräch suchen.

Lokales: Barbara Czimmer (czi)
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Stuttgart - Anfang September war John Heer noch siegessicher: Er habe die Teilnahme an einem Unterausschuss des Runden Tischs Prostitution erkämpft, sagte der Bordellbetreiber damals am Rande der 1. Stuttgarter Sexarbeitskonferenz in der Liederhalle. Jetzt ist er wieder ausgeladen.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilt Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) mit: „Der Runde Tisch Prostitution ist nicht das geeignete Forum für den Austausch mit Herrn Heer. Das Gespräch mit ihm soll in einem anderen Rahmen fortgeführt werden.“ In welchem, ließ Nopper offen.

Krach im Ratssaal

John Heer ist Stuttgarter Bordellbetreiber sowie Gründer und Vorstand des im Juni 2021 eingetragenen Vereins Verband deutscher Laufhäuser. Als die Gleichstellungsbeauftragte Ursula Matschke in einem Beirat des Gemeinderats ankündigte, dass er und die Stuttgarter Domina Daria Oniér in einen Ausschuss des Runden Tischs Prostitution eingeladen worden seien, löste das Empörung aus – mehrheitlich bei den Teilnehmerinnen des Beirats und vor allem bei Bürgermeisterin Isabel Fezer, die den Vorgang in der Sitzung offen kommentierte. Sie persönlich habe „erhebliche Bedenken“, wenn Bordellbesitzer und Dominas über Frauen mitreden wollten, die gezwungen seien, ihren Körper zu verkaufen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Eine Bürgermeisterin wehrt das Sexgewerbe ab

Kritik gab es auch hinter vorgehaltener Hand daran, dass die Einladung an John Heer als Geschenk für dessen Wahlkampfunterstützung missverstanden werden könnte. John Heer war im November zur Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart angetreten, hat 0,8 Prozent der abgegebenen Stimmen ergattert und dann seine Kandidatur zurückgezogen. Auf seinem Facebook-Auftritt postete er: „In den nächsten drei Wochen gilt es, Herrn Dr. Frank Nopper mit aller Kraft zu unterstützen, da dieser nicht aus der Mitte des Gemeinderates kommt . . .“ Am 24. November war die Wahlempfehlung noch deutlicher: „Bitte gehen Sie am 29.11.2020 wählen, und geben Sie dem Kandidaten mit Oberbürgermeister-Erfahrung, Dr. Frank Nopper, Ihre Stimme“, lautete der Eintrag auf Facebook.

Rechtsstreit schwelt

Heer befindet sich zurzeit im Rechtsstreit mit der Stadt Stuttgart. Seit Jahren fordert er eine Betriebserlaubnis für eine Prostitutionsstätte nach dem (neuen) Prostitutionsschutzgesetz. „Die Beteiligten streiten in zwei Verfahren darüber, ob die Mindestanforderungen schon erfüllt sein müssen, während noch nicht über den Erlaubnisantrag entschieden wurde“, teilt die Pressesprecherin des Stuttgarter Verwaltungsgerichts mit. Zwei weitere Verfahren drehten sich um die Frage, ob es sich bei einer Gaststätte des Klägers um eine Prostitutionsstätte handele.

Das Gericht hat noch keine Akten

Heer wird zwar nicht an kommunalpolitischen Prozessen beteiligt, der Gesprächsfaden soll aber nicht abreißen. „Die Tatsache, dass die Stadt mit jemandem im Rechtsstreit steht, schließt das Gespräch mit einer Person nicht aus“, teilt der OB mit. Wann das Gericht entscheidet, ist offen: „Uns liegen derzeit weder die Akten noch die Antragserwiderung vor“, so die Presserichterin. John Heer hat die Gelegenheit zu einer Stellungnahme nicht genutzt.




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