Prozess um blutigen Streit am Josef-Hirn-Platz Angeklagter bestreitet Messerattacke

Von George Stavrakis 

Blutiges Ende einer Geburtstagsfeier: Plötzlich liegt ein junger Mann in der Stuttgarter City seinem Blut. Jetzt hat der Prozess begonnen.

Die Polizei sichert Spuren nach der Messerattacke am Josef-Hirn-Platz. Foto: 7aktuell
Die Polizei sichert Spuren nach der Messerattacke am Josef-Hirn-Platz. Foto: 7aktuell

Stuttgart - Immer wieder Josef-Hirn-Platz. In fast regelmäßigen Abständen kommt es dort in der Stuttgarter Innenstadt zu Auseinandersetzungen, die oft blutig enden. Es wurde sogar schon scharf geschossen. Jetzt steht ein 22-jähriger Mann vor dem Landgericht Stuttgart, weil er am Josef-Hirn-Platz einen heute 24-Jährigen niedergestochen haben soll. Der Angeklagte hat die Tat bei der Polizei bestritten.

Verteidiger Andreas Baier teilt vor der 19. Strafkammer des Landgerichts mit, sein Mandant werde vorerst keine Angaben machen. Und er sagt: „Die Anklage entspricht nicht der Wahrheit.“

Just diese Anklage von Staatsanwältin Isabelle Schmid fällt kurz aus. In der Nacht auf den 12. Januar dieses Jahres habe es gegen 4.30 Uhr am Josef-Hirn-Platz Streit zwischen zwei Gruppen gegeben. Zuerst seien Fäuste geflogen, dann habe der Angeklagte einem heute 24-Jährigen ein Messer in den rechten Unterbauch gerammt. Die Staatsanwältin wirft dem jungen Mann auf der Anklagebank versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.

Feier mit lebensgefährlichem Ende

Da der Angeklagte keine Angaben macht, kommt als erster Zeuge das Opfer, ein 24-jähriger arbeitsloser Schweißer aus Schwäbisch Gmünd, zu Wort. Er sei in besagter Nacht mit fünf Freunden nach Stuttgart gefahren, um seinen Geburtstag zu begehen. Man habe in einem Club am Josef-Hirn-Platz gefeiert. Als sie aus dem Club gegangen seien, um etwas zu essen, habe er wahrgenommen, wie er von einem Mann angestarrt werde. „Ich habe ihn gefragt, ob er Probleme habe, da hat er ,Fotzkopf’ zu mir gesagt“, berichtet der Zeuge. Daraufhin sei er auf den Mann zugegangen und sei sofort von mehreren Männern umringt worden.

Zuerst habe er eine Faust ins Gesicht bekommen, dann einer seiner Freunde, sagt der Zeuge. Dann habe er selbst zugeschlagen, bis er einen Schlag in den Bauch gespürt habe. „Dann wurde ich schwach und habe das Blut gesehen“, sagt der 24-Jährige. Sein Bauch sei offen gewesen, mehrere Zentimeter Darm seien herausgedrungen. Als er auf dem Boden lag, habe eine junge Frau versucht, die Wunde zuzuhalten. Mehr wisse er nicht, er sei erst wieder im Katharinenhospital aufgewacht. Er könne sich aber daran erinnern, dass der Messerstecher nach dem Stich noch zu ihm gesagt habe: „Das hast du verdient.“

Opfer kann Angeklagten nicht identifizieren

Der Mann, der das Messer geführt hat, soll rechts neben dem Zeugen auf der Anklagebank sitzen. Das Opfer kann den Täter von damals zwar beschreiben: ungefähr 1,85 Meter groß, kräftig bis dicklich, kurze Haare, Dreitagebart, grüne Jacke, schwarze Hose. „Türke, Kurde oder Araber“, sagt das Opfer, das selbst Türke ist. Vorsitzender Richter Norbert Winkelmann bittet den Zeugen, den Mann auf der Anklagebank zu betrachten. Doch der 24-Jährige kann ihn nicht zweifelsfrei als den Messerstecher identifizieren.

Wie genau die Beweismittel der Staatsanwaltschaft gegen den türkischstämmigen Angeklagten aussehen, ist noch nicht ausgebreitet worden. Es gibt offenbar Videomaterial. Auch wurde ein an­thropologisches Gutachten erstellt, um zu prüfen, ob der 22-Jährige auf den Filmbändern zu sehen ist. Der Prozess wird am 3. Juli fortgesetzt.




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