Rektoren schlagen Alarm Aktion für bessere Grundschulen

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Die Stimmung an den Grundschulen ist schlecht. Jetzt rufen Schulleiter zu einer landesweiten Unterschriftenaktion auf, um die Bedingungen an der Schulart zu verbessern. Die Kultusministerin reagiert verschnupft.

Die Anforderungen an die Grundschulen steigen, damit hält die Ausstattung nicht Schritt, kritisieren Schulleiter in Baden-Württemberg. Foto: dpa/Daniel Reinhardt
Die Anforderungen an die Grundschulen steigen, damit hält die Ausstattung nicht Schritt, kritisieren Schulleiter in Baden-Württemberg. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Stuttgart - „Grundschulen weg vom Abstellgleis“ ist das Motto der Kampagne von Grundschulrektoren zusammen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die am Montag gestartet wurde. In einem offenen Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), mit dem die Initiatoren zur Unterschriftensammlung aufrufen, heißt es: „Die Stimmung an den Schulen hat sich massiv verschlechtert.“ Die Schulleiter betrachten „mit größter Sorge die aktuelle Situation der Grundschulen und die Maßnahmen des Kultusministeriums und der Landesregierung“. Die Ausstattung der Grundschule stehe „in allen Bereichen in klarem Widerspruch zu ihren Aufgaben“.

Zu wenig Zeit nennt Stefan Neher, Schulleiter in Salem-Mimmenhausen und einer der Mitinitiatoren, als das Hauptproblem der Grundschulen. Dorothea Vollmer, Schulleiterin in Salem-Neufrach, beklagt den Lehrermangel und den Unterrichtsausfall. Ohne mehr Poolstunden zur individuellen Förderung, ohne mehr Lehrer, ohne flächendeckende Schulsozialarbeit könne die Grundschule ihrem Auftrag nicht gerecht werden, die Bildungschancen von der sozialen Herkunft zu entkoppeln. Die Schulleiter machen sich in dem offenen Brief „große Sorgen um die schulische Qualität und die Lehrergesundheit“.

Rektoren erwarten mehr Wertschätzung für die Schulen

Ziel der Unterschriftensammlung an den 2500 Grundschulen im Land sind bessere Lern- und Arbeitsbedingungen. Aber auch mehr Wertschätzung. „Die Grundschule, als die Schulart, die die Grundlagen für die gesamte schulische Laufbahn vermittelt, braucht dringend mehr Anerkennung, Rückendeckung und Unterstützung“, betonte Vollmer in Richtung Kultusministerin. Wären die Grundschulen ein Unternehmen, wären sie „im Nu vom Markt“, befürchtet Vollmer, weil sie die Qualität nicht liefern könnten, die der Kunde erwarte.

Doro Moritz, die Landesvorsitzende der GEW, sagte: „Ich appelliere an die Kultusministerin, an das Land und die Kommunen, sich endlich gute Bildung in der Grundschule zu leisten“. Die GEW hatte angeregt, als Mittel gegen den Lehrermangel die Altersermäßigung für Lehrer zu erhöhen, um Lehrer länger im Job zu halten. Das könnte sich Schulleiterin Vollmer als wirksame Maßnahme vorstellen. Den Vorschlag von Kultusministerin Eisenmann, dass Lehrer ihre Teilzeitdeputate aufstocken sollten, hält sie für wenig hilfreich: „Das würde nur den Krankenstand weiter erhöhen.“

Ministerin hebt Verbesserungen an Grundschulen hervor

Susanne Eisenmann weist den Vorwurf, das Land vernachlässige die Grundschulen, scharf zurück. „Der GEW geht es nur darum, schlechte Stimmung zu verbreiten“, konterte Eisenmann. „Die Zukunft der Grundschule liegt mir sehr am Herzen“, versicherte die Ministerin. Man habe in den vergangenen drei Jahren viel bewegt „auch um den jahrelangen Stillstand in der letzten Legislaturperiode wieder aufzuholen.“ Sie verweist auf zusätzliche Stunden in Deutsch und Mathematik, sowie auf vier Poolstunden, die ebenfalls vorrangig für Deutsch und Mathematik eingesetzt werden sollen – ebenso auf Änderungen im Rechtschreibunterricht und Verbesserungen für Schulleitungen vom kommenden Schuljahr an. Auch das neue Konzept zur rhythmisierten Ganztagsschule und zur flexiblen kommunalen Betreuung ziele darauf ab, die Grundschule zu stärken.