Rettungshunde Training in Schutt und Asche

Von Christiane Rauscher 

Für Menschen sind sie unansehnlich, für Rettungshunde und ihre Halter ein idealer Trainingsplatz – Stuttgarts Großbaustellen wie die auf dem Hospitalhof.

Schon die Trittsicherheit in Trümmern müssen die Hunde üben. Foto: Horst Rudel
Schon die Trittsicherheit in Trümmern müssen die Hunde üben. Foto: Horst Rudel

S-Mitte - Der Hospitalhof in der Innenstadt gleicht einem Trümmerfeld. Es gibt schönere Orte für einen Sonntagsausflug bei Sonnenschein. Für die Mitglieder der SAR-Germany, einer Rettungshundestaffel mit Sitz in Schorndorf, herrschen gerade hier optimale Trainingsbedingungen. Schuttberge, Stahlschrott und die Bauruine bestimmen das Bild. „Nach einem Erdbeben hat auch niemand die Kehrwoche gemacht“, sagt Klaus Röper, der die Übung leitet. Sie brauchen Trümmer, unter denen sich Menschen verstecken können und verbautes Gelände, auf dem die Hunde ihre Trittsicherheit trainieren können.

Jeder Hund ist geeignet, der nicht zu schwer ist

15 Hunde mit ihren Besitzern sind auf dem Hospitalhof-Gelände unterwegs. Aufgeteilt in Gruppen, je nach Leistungsstand der Hunde, üben die Teams. Paradedisziplin: eine Person versteckt sich im Gelände, und der Hund muss sie frei und ohne Anleitung suchen. Hat er sie mit seiner feinen Nase geortet, bellt er laut. Alexander Hahn ist verantwortlich für die Pressearbeit bei SAR und mit seiner Hündin Amy bei der Übung. Entlang des Bauzauns sitzen die Hunde angeleint: ein Labrador, ein Australien Shepherd, zwei Malis. Hahn sagt: „Für die Ausbildung sind grundsätzlich alle Hunderassen geeignet. Nur zu schwer dürfen sie nicht sein, sonst könnten Hohlräume unter ihnen einstürzen.“ Alles andere lernen die Tiere in der Ausbildung.

Drei Bereiche gehören zum Einsatzgebiet der Staffeln. Bei der Flächensuche müssen die Mensch-Hund-Teams einzelne Personen in einem großen Gebiet aufspüren. Sie unterstützen damit die Polizei, etwa wenn ein Kind verschwunden ist oder eine Person aus einem Altenheim.

Eine Stufe schwieriger ist die Disziplin „Mantrailing“: Die Hunde müssen die Spur eines Menschen verfolgen, die Fährte können sie selbst nach mehreren Tagen über viele Kilometer verfolgen.

Jeder Hund bekommt seinen Lieblingssnack

Dazu kommt noch das am Sonntag trainierte Spezialgebiet Trümmersuche. Dazu brauchen die Hundeführer Baustellen. „Befreundete Abbruchunternehmen geben uns Bescheid, wenn etwas geeignet ist“, erzählt Hahn. Bei diesen Übungen bekommen die Hunde spezielles Leckerli – ob Saitenwurst oder Katzenfutter, jeder hat seinen Lieblingssnack, den es nur in den Trümmern gibt. Damit klappt das spielerische Üben am Besten.

Aus dem Training kann aber schnell der Ernstfall werden. Der Alarm kommt meist mit einer kurzen SMS, wie zuletzt nach dem Erdbeben in der Türkei im Jahr 2011. Innerhalb kurzer Zeit lief die Organisation an, denn bereits nach drei Tagen sind die Chancen, Überlebende zu finden, denkbar gering. Die Türkei ließ damals keine Helfer ins Land, die SAR-Leute blieben in Deutschland. Anders 2006 in Indonesien oder 2003 in Algerien. Die Belastung für Mensch und Tier im Einsatz ist enorm. „Eingeklemmte Menschen, abgetrennte Gliedmaßen oder Tote, damit muss man erstmal fertig werden,“ berichtet Hahn, er selbst war bisher noch nicht im Einsatz. Bereit dazu sind die aktiven Hundeführer aber jederzeit.

Der Verein mit 70 Mitgliedern finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Alle Hunde gehören den Mitgliedern selbst und leben in den Familien. Neben den wöchentlichen Trainings fahren die Teams zu Aufführungen. Zum nächsten Mal sind sie beim Neckarwiesenfest in Esslingen am 15. April in Aktion zu sehen.




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