Rutesheim: Perouse und Perosa Ein loser Faden ist wieder verknotet

Viel Beifall gibt es, als die Freundschaft zwischen Perosa und Perouse nun offiziell in eine Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden mündet. Foto: Andreas Gorr
Viel Beifall gibt es, als die Freundschaft zwischen Perosa und Perouse nun offiziell in eine Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden mündet. Foto: Andreas Gorr

Die Bürgermeister Dieter Hofmann und Andrea Garavello unterzeichnen eine Urkunde über die Städtepartnerschaft zwischen dem italienischen Perosa und Perouse.

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Rutesheim - Sie kamen aus dem italienischen Perosa und gründeten das schwäbische Perouse. Mehr als 300 Jahre ist das her. Jetzt wurde das Band zwischen den Nachkommen der 1699 vertriebenen Waldenser und ihrer alten Heimat feierlich erneuert. Ein lang gehegter Wunsch des Partnerschaftskomitees und seines Vorsitzenden Henry Schort geht damit in Erfüllung. Aus dem 2008 geschlossenen Freundschaftsbekenntnis zwischen den beiden Orten ist eine kommunale Partnerschaft geworden – und eine echte Freundschaft.

Am Wochenende haben die beiden Bürgermeister Dieter Hofmann und Andrea Garavello den Partnerschaftsvertrag offiziell unterzeichnet. Und der Tag stand unter einem besonders guten Stern. Obwohl Regen angesagt war, schien die Sonne über Rutesheim. „Kein Wunder“, so Hofmann, „in Rutesheim ist der Bürgermeister fürs Wetter verantwortlich“. Die italienischen Gäste freuten sich über die guten Bedingungen für das Wochenende. Froh war auch Hofmann, dass der Partnerschaftsvertrag noch in seiner Amtszeit unterzeichnet werden konnte.

Der Bürgermeister erinnert an die Geschichte

Das rund 700 Kilometer entfernte Dorf Perosa Argentina liegt im italienischen Piemont, gehört zur Großstadt Turin und hat rund 3500 Einwohner. Es ist die ursprüngliche Heimat der Gründer der Waldenserkolonie Perouse. Die Waldenser gehörten einer im zwölften Jahrhundert von dem Kaufmann Petrus Waldes in Südfrankreich gegründeten Glaubensrichtung an, die aufgrund ihrer drei Grundpfeiler Evangelium, apostolische Armut und Laienpredigt von der katholischen Kirche unerbittlich verfolgt wurden.

Der Bürgermeister von Perosa erinnerte an die Geschichte. 1698 wurden im Zuge der Zwangs-Katholisierung alle Waldenser aus dem Tal verbannt. Zunächst gingen sie ins Schweizer Exil, im Frühjahr 1699 kamen sie in Württemberg an. Zur Erinnerung an ihren Heimatort Perosa nannten sie ihren neuen Ort Perouse. „Nach mehr als drei Jahrhunderten wird jetzt der lose Faden zwischen den beiden Gemeinden wieder verknotet“, freute sich Garavello.

Gäste beeindrucken mit musikalischer Einlage

Zur Bekräftigung dienen die Unterschrift der beiden Bürgermeister unter dem Partnerschaftsvertrag, aber auch reichlich Geschenke. Darunter ein großer Weidenkorb mit den kulinarischen Spezialitäten der Region und ein ganz besonderes Musikinstrument. Eine Art Akkordeon, dessen Klänge zusammen mit einer Mandoline die Heimat der rund 40-köpfigen Abordnung aus Perosa im Rutesheimer Ratssaal lebendig werden lässt. Rutesheim bedankt sich mit heimischem Wein und den Spielkünsten des eigenen Musikvereins.

Bereits Ende der 1990er Jahre wurden die Kontakte zwischen den beiden Gemeinden verstärkt. 2006 gab es dann das erste offizielle Treffen. Der Gemeinderat machte sich auf nach Perosa unter dem Motto „Auf den Spuren der Waldenser“. In den Folgejahren gab es zahlreiche weitere Besuche von Vereinen, Kirchengemeinden, Schulklassen, den Gemeinden und Privatleuten. Ziel der jetzt unterzeichneten Städtepartnerschaft ist es, die Kontakte und die Beziehungen weiter zu intensivieren, insbesondere in den Bereichen Sport, Kultur und Soziales. Soweit der offizielle Urkundentext. Und Bürgermeister Hofmann fügt hinzu: „Möge diese Partnerschaft ein Baustein für ein geeintes Europa sein“.




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