Samenspende Der Stoff, aus dem die Träume sind

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Der Frauenarzt Maarten van Santen betreibt eine von bundesweit 15 Samenbanken. Wie verläuft der Arbeitsalltag in seiner Karlsruher Praxis?

Die Proben lagern in Stahlkannen bei minus 190 Grad Celsius. Foto: Gottfried Stoppel
Die Proben lagern in Stahlkannen bei minus 190 Grad Celsius. Foto: Gottfried Stoppel

Karlsruhe - Kein Sessel im Leopardenmuster. Kein Herrenmagazin als Stimulans, nicht mal ein blanker Busen aus der „Coupé“. Und Jane Birkin befeuert das einsame Treiben auch nicht mit einem gehauchten „Je t’aime“. Nur eine weiße Kloschüssel in einem weiß gefliesten WC, über allem strahlt weißes Neonlicht. Wer fertig ist, stellt den gefüllten Plastikbecher in die Durchreiche. „Eine Samenspende ist kein Quickie für 80 Euro. Wer Sex will, soll in den Puff gehen“, sagt Maarten van Santen.

Durchschnittlich viereinhalb Milliliter bekommt der Karlsruher Gynäkologe pro Erguss ausgehändigt. Die werden in 15 Portionen aufgeteilt, dann – wie Stiersamen bei der Württembergischen Rinderunion – in Kunststoffröhrchen gefüllt und schonend auf minus 190 Grad runtergekühlt. „Eigentlich sind Spermien nicht fürs Eis gemacht“, sagt van Santen. Damals in Utrecht, fast 40 Jahre ist das schon her, hat er noch „frischen Samen in die warme Frau“ eingeführt. „Der Mann kam abends um halb sechs, die Frau zwei Stunden später.“ Inzwischen sind die Vorschriften strenger für die donogene Insemination, die künstliche Befruchtung mit Spendersamen.

Neben seiner Frauenarztpraxis betreibt der Holländer van Santen eine von 15 Samenbanken in Deutschland. Der 67-Jährige hat schon Hunderte Frauen zu Müttern gemacht. Der Stoff, aus dem die Träume sind, lagert in zwölf Stahlkannen. Flüssiger Stickstoff konserviert 60 000 Röhrchen für den großen Moment. Ein feuersicherer Aktenschrank hütet intime Geheimnisse: Wer mit wem? Wie oft? Wann? Warum?

Die Samenqualität wird immer schlechter

Van Santen öffnet das Vorhängeschloss an einem der Behälter und schraubt den Deckel ab. Stickstoffdampf strömt über den Bottichrand wie ein kleiner Wasserfall. Er zieht ein Röhrchen heraus, zeigt es kurz. Dann schnell zurück damit in die Kälte.

In seiner Samenbank kann van Santen auf Proben von 320 Spendern zurückgreifen. Nicht selten gehen täglich drei, vier Anfragen von Männern ein. Kaum einer eignet sich als Samengeber. „Wir suchen sozusagen die Bullen“, sagt van Santen. 45 aktive Spender hat er zurzeit unter Vertrag. Sie besitzen, woran es vielen Männern heute mangelt: leistungsfähige Spermien.

Vor allem bei Europäern ist die Qualität seit vielen Jahren rückläufig. Keiner weiß, warum. Oft liegt die Samenzellenrate bei weniger als 30 Millionen pro Milliliter – van Santens Bullen haben mehr als 100 Millionen. Aber nicht nur die Menge macht den Unterschied. Gute Samen sind wie gesunde Kaulquappen: quirlig, vital, formstabil. Und vor allem wissen sie, wo sie hinwollen. Nicht wie jene degenerierten Kameraden, die gar nicht erst auf die Idee kommen, irgendeine Eizelle zu suchen, und lieber faul in der eigenen Soße vor sich hindümpeln. Solche Exemplare braucht van Santen nicht. Wer zu seiner Elitegruppe gehört, erhält zwischen 75 und 100 Euro pro Spende – besondere Güte macht sich bezahlt. Zudem gibt es 25 Euro bei der Blutgruppe O, weitere 25 Euro als Dankeschön für den seltenen Rhesusfaktor negativ.