Schienenausbau in Stuttgart Land will weitere Gleise zu S 21 vor 2025

Der neue Tiefbahnhof in Stuttgart gewinnt an Kontur. Im Dezember 2025 soll die gesamte Infrastruktur ans Netz gehen. Zuvor könnte sie aber bereits Ergänzungen erhalten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der neue Tiefbahnhof in Stuttgart gewinnt an Kontur. Im Dezember 2025 soll die gesamte Infrastruktur ans Netz gehen. Zuvor könnte sie aber bereits Ergänzungen erhalten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Megaprojekt Stuttgart 21 könnte bereits vor seiner Inbetriebnahme Ende 2025 ergänzt werden. Damit soll der Deutschlandtakt vorbereitet werden. Das Land hat Planungen in Auftrag gegeben.

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Stuttgart. - Für den Bahnknoten Stuttgart sollen noch vor der Inbetriebnahme der Stuttgart-21-Infrastruktur im Dezember 2025 Ergänzungen geplant und möglichst auch gebaut werden. Das Land hat dazu einen ersten Planungsauftrag erteilt und will ihn um zwei Leistungsphasen erweitern, sodass die Genehmigungsplanung erstellt werden kann. Das Land geht damit für den Bund in Vorleistung, die Finanzierungsvereinbarung dazu soll im Juni geschlossen werden.

Konkret geht es um die so genannte P- Option. Sie beschreibt einen neuen, zweigleisigen Tunnel, der den Bahnhof Feuerbach mit dem neuen S-21-Tunnel aus Richtung Cannstatt zum Tiefbahnhof verbinden soll. Damit würden Züge aus dem Norden auf vier statt bisher zwei Gleisen in den Tiefbahnhof fahren können.

Eine Zulaufstrecke gilt bereits als stark belastet

Der Nordzulauf zum Tiefbahnhof mit zwei Gleisen gilt bereits heute als stark belastet. Der Infrastrukturausbau war bereits in der S-21-Schlichtung 2010 von Schlichter Heiner Geißler festgehalten worden, nur stand dort nicht P-Option. Als Verbesserung sei auch „die Erweiterung des Tiefbahnhofs um ein 9. und 10. Gleis“ vorzusehen, schrieb Geißler. Diese Vorschläge „werden von beiden Seiten für notwendig gehalten“, also von Bahn und S-21-Gegnern, hatte Geißler im Schlichtungsprotokoll vermerkt.

Der Ausbau soll nun nicht zu S 21 gehören, sondern zum Deutschlandtakt. Bund und Bahn wollen mit ihm alle wichtigen Schienenknoten in der Republik in 30-Minuten-Schritten miteinander verbinden. Um die Strecke Mannheim-Stuttgart in dieser Zeit zu schaffen, sind der Bau eines neuen, etwa zehn Kilometer langen Tunnels von der bestehenden Schnellfahrstrecke bis zum S-21-Tunnel aus Feuerbach und mehr Tempo auf der Strecke (280 km/h) vorgesehen. Der neue Tunnel bringt mehr Kapazität, löst allein aber nicht den Engpass im Zulauf auf den Tiefbahnhof. Dazu braucht es die P-Option.

Stadt unterstützt den Ausbau

Der Ausbau sei vom Bundesgutachter „sehr positiv“ bewertet worden, sagte Peter Morhard vom Landes-Verkehrsministerium am Mittwoch den Teilnehmern einer Ausschusssitzung des Gemeinderates. Der Haken: Würde as die P-Option erst nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 gebaut, müsste der S-21-Tunnel aus Bad Cannstatt zum Tiefbahnhof für den Anschluss gesperrt werden. Beim Anschluss des neuen langen Tunnels der Schnellfahrstrecke an den S-21-Tunnel wäre jener dicht. Die P-Option verlauft am Äußeren Nordbahnhof unter einer S-21-Wohnbaufläche der Stadt

„Je früher wir die P-Option bauen, desto geringere Auswirkungen auf den Städtebau und desto weniger Betriebsbeschränkungen im Cannstatter Tunnel“, so Morhard. Realisiere man die Option und schaffe man den Anschluss an den Cannstatter Tunnel von 2023 an, könne man dazu einen Bautunnel von Stuttgart 21 nutzen. „Die Stadtverwaltung unterstützt diese Option“, sagt Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne).

CDU will von Zusatzhalt nichts wissen

Grüne, CDU, SPD, FDP und Freie Wähler begrüßten die Planung. „Es ist außerordentlich positiv, wenn der Bund investiert“, sagte SPD-Fraktionschef Martin Körner. „Das ist eine einmalige Chance, den Hauptbahnhof besser anzubinden“, so Armin Serwani (FDP). Es sei gut, dass das Land planen lasse, so Gabriele Munk (Grüne), „aber wie groß ist unser Zeitfenster?“, fragte sie. Man müsse „so schnell wie möglich vorankommen“, sagte Morhard. Scharfe Kritik kam von Hannes Rockenbauch (Linksbündnis). Der Bund nehme Milliarden in die Hand, um bei Stuttgart 21 nachzubessern, dabei sei „das Qualitätsproblem im Tiefbahnhof nicht lösbar“. Der Durchgangsbahnhof sei überlastet, wenn er, wie es Bahn und Bund mit dem Deutschlandtakt planten, hundert Prozent mehr Verkehr aufnehmen solle.

Doch auch für den Tiefbahnhof gibt es Überlegungen. Ein unterirdischer Zusatzhalt für den Regionalverkehr wird untersucht, Ergebnisse sollen vor der Sommerpause vorliegen. „Wir werden ihn brauchen“, sagte Munk. „Für uns ist das kein Thema, das zerschlägt sich vielleicht“, sagte CDU-Fraktionschef Alexander Kotz.

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