Schnelles Internet in Filderstadt Glasfaser für fast alle

Bürger können sich bei den Filderstadtwerken informieren, wann sie dran sind. Foto: Jacqueline Fritsch
Bürger können sich bei den Filderstadtwerken informieren, wann sie dran sind. Foto: Jacqueline Fritsch

Filderstadt ist nun deutschlandweiter Vorreiter, in Kooperation mit der Telekom wollen die Filderstadtwerke bis zum Jahr 2030 insgesamt 90 Prozent aller Haushalte einen Glasfaseranschluss zur Verfügung stellen. Kann das gelingen?

Filderstadt - Thilo Höllen von der Deutschen Telekom bezeichnet es als „sehr ehrgeiziges Ziel“, Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub spricht von einer „extremen Herausforderung“. Bis 2030 wollen die Stadt und die Telekom gemeinsam 90 Prozent aller Haushalte in Filderstadt mit einem Glasfaseranschluss versorgen. Dafür müssen Leitungen in rund 25 000 Haushalte in mehr als 8000 Gebäuden gelegt werden. „Sie können sich vorstellen, was für Grabungsarbeiten dafür nötig sind“, sagt Christoph Traub, „wir müssen einmal durch alle Wohn- und Gewerbegebiete und auch die langen Strecken zwischen den Stadtteilen erschließen“.

Eine Stadt flächendeckend erschließen

Mit dieser Vorgehensweise ist Filderstadt nun deutschlandweiter Vorreiter. Zum ersten Mal schließen sich Stadtwerke mit der Deutschen Telekom zusammen, um eine Stadt gemeinsam flächendeckend zu erschließen. Der Bedarf ist da: „Aktuell haben wir noch ein paar weiße Flecken in der Stadt“, sagt Christoph Traub. Laut einer Karte zum Netzausbau der Telekom kommen in Harthausen viele Anschlüsse gerade mal auf bis zu 16 Megabit pro Sekunde. Auch in Plattenhardt gibt es größere Flächen, in denen man nicht auf den VDSL-Standard mit 50 Megabit pro Sekunde kommt. Mit einer Glasfaseranbindung sind in der Stadt künftig Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit möglich. „Wir wissen nicht erst seit Corona, dass die Internetverbindung ein maßgeblicher Standortfaktor ist“, sagt Traub. Deshalb habe die Stadt ein Jahr lang an dem Vertrag mit der Telekom gefeilt, um nun gemeinsam eine zeitgemäße Versorgung anzugehen.

Im Herbst haben die Filderstadtwerke angefangen, in Gewerbegebieten in Bernhausen und Bonlanden das Glasfasernetz auszubauen. Auch das Elisabeth-Selbert-Gymnasium steht ganz oben auf der Liste. Das sind stadtweit die ersten Gebiete, die einen Glasfaseranschluss bekommen. Dort sollen laut den Filderstadtwerken von April an die ersten Daten fließen können. Das bedeutet, dass sich die Stadt gerade von null auf die angesetzten 90 Prozent, die mit Glasfaser versorgt werden sollen, hocharbeitet.

Leerrohre in einzelnen Wohngebieten

Für die weitere Erschließung der Stadt wurden Cluster gebildet, die entsprechend des Bedarfs priorisiert werden. So ist geplant, in diesem Jahr noch Leerrohre in einzelnen Wohngebieten in Plattenhardt, Bonlanden sowie in Harthausen zu legen. Sielmingen und Bernhausen stehen im kommenden Jahr auf dem Programm. Insgesamt ist die Stadt bestrebt, laufende Bauarbeiten zu nutzen, um an möglichst vielen Stellen gleich Leerrohre mit zu verlegen. So muss die Straße dort nicht zweimal aufgegraben werden.

Bürger können sich bei den Filderstadtwerken informieren, wann genau der Ausbau in ihrem Wohngebiet geplant ist, also ab wann sie die neue Technologie nutzen können. In den Gewerbegebieten, in denen derzeit bereits die Rohre verlegt werden, stoße das Vorhaben auf reges Interesse, sagt Oberbürgermeister Christoph Traub: „Wir sehen eine große Offenheit bei den Bürgern.“

Die Kosten sollen gering gehalten werden

Gleichzeitig zum Ausbau wolle die Stadt dafür werben, das Angebot zu nutzen. Dabei sollen auch die Kosten für den Anschluss eine Motivation für die Kunden sein. Während ein einzelner Glasfaseranschluss bis in die eigene Wohnung recht teuer ist, sollen die Kosten in Filderstadt wegen der Menge an neuen Anschlüssen geringer gehalten werden. „Wir gestalten den Preis so vernünftig und günstig wie möglich für den Kunden“, sagt Thilo Höllen von der Telekom. Zudem dürfen die Kunden frei entscheiden, ob sie für den Glasfaseranschluss einen Tarif bei der Telekom oder bei einem anderen Anbieter buchen. „Die Telekom betreibt das Netz, verschließt es aber nicht für andere Telekommunikationsanbieter“, sagt Höllen.

Mit dem Ziel, bis 2030 insgesamt 90 Prozent aller Haushalte einen Glasfaseranschluss zur Verfügung zu stellen, orientieren sich Filderstadt und die Telekom an der Gigabit Region Stuttgart. Unter diesem Namen sind die Wirtschaftsförderung, die Stadt Stuttgart und fünf umliegende Landkreise zusammengeschlossen, um den Breitbandausbau in der Region zu fördern. Das Ziel ist es, bis 2025 alle Gewerbegebiete und Schulen mit Glasfaser auszustatten und bis 2030 dann 90 Prozent der Privathaushalte.




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