Schorndorf Hoher Besuch im SOS-Kinderdorf

Von lui 

Zum 60-jährigen Bestehen des Vereins SOS-Kinderdorf hat die Sozialministerin Katrin Altpeter dessen Einrichtung in Schorndorf-Oberberken besichtigt. Dabei kam auch die Problematik von allein nach Deutschland geflüchteten Kindern zur Sprache.

Zwei Jungen schaukeln auf dem Spielplatz des SOS-Kinderdorfs Foto: Frank Eppler
Zwei Jungen schaukeln auf dem Spielplatz des SOS-Kinderdorfs Foto: Frank Eppler

Schorndorf - Des isch echt schee hier“, sagt Katrin Altpeter, während sie einen ersten Blick über das Gelände des SOS- Kinderdorfs in Oberberken schweifen lässt. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Vereins SOS-Kinderdorf ist die Sozialministerin angereist.

In der Tat wirkt die Anlage am Ortsrand des Schorndorfer Teilorts wie ein Idyll. Inmitten von viel Grün stehen die Häuser, in denen zehn Kinderdorf-Familien mit bis zu jeweils sechs Schützlingen leben. Auch zwei Wohngruppen für Jugendliche, die zwar keine enge Bezugsperson mehr brauchen, wohl aber pädagogische Betreuung, sind dort untergebracht. Zudem gibt es einen Kindergarten. In ihn geht auch Nachwuchs der Oberberkener. Das finde sie gut, dass „bei allem Bedürfnis der Kinder nach Sicherheit keine Insel geschaffen wird“, meint Katrin Altpeter.

An einem der Häuser macht der von Zeitungsreportern und einem Fernsehteam begleitete Tross Halt. Neben dem Eingang stehen Kinderräder in verschiedenen Größen, eine Blumenampel mit einer Fuchsie hängt vom Dachvorsprung herab. Die Kinderdorf-Mutter Caroline Fritz ist auf den hohen Besuch vorbereitet, hat einen ihrer fünf Schützlinge extra nicht in den Kindergarten geschickt. Dazu hat die Leiterin von SOS-Kinderdorf Württemberg, Hanne Mörtl, weitere Vier- bis Sechsjährige organisiert. Schließlich soll die Ministerin auch ein paar Kinder zu Gesicht bekommen. Denn sonst seien jetzt am Vormittag alle in der Schule oder im Kindergarten, sagt sie.

Eine Kinderdorf-Mutter spricht über ihre Arbeit

Aufgeweckt und forsch übernehmen die Steppkes das Ruder, löchern das Fernsehteam mit Fragen und inspizieren dessen Ausrüstung – Kinderdorf-Alltag sieht sicher anders aus. Dafür berichtet Caroline Fritz Katrin Altpeter davon. Seit zwölfeinhalb Jahren ist die 39-Jährige Kinderdorf-Mutter. Dabei gesteht sie offen, dass der tägliche Spagat zwischen familiärer Nähe und Professionalität „unheimlich schwer ist“. Schließlich gelte es, nicht nur den Kindern ein Zuhause zu bieten, sondern auch einen pädagogischen Auftrag zu erfüllen. Zumal die Kinder, die aus verschiedenen Gründen von ihren leiblichen Eltern nicht versorgt werden können, oftmals schon viel durchgemacht hätten.

Ein wichtiger Ort ist daher im Dorf die Kreativwerkstatt – die nächste Station auf dem Rundgang. Sie werde auch therapeutisch genutzt, erklärt Mörtl: „Viele Kinder haben einen schweren Einstieg in die Schule gehabt.“ Beim Sägen, Töpfern und Basteln könnten sie außerhalb von schulischen Anforderungen ihre Fähigkeiten erleben.

Der Verein kümmert sich auch um Flüchtlingskinder

Doch in Zeiten, da viele Kinder und Jugendliche aus Krisengebieten allein ohne Eltern nach Deutschland flüchten, ist das rege Interesse der Sozialministerin an SOS-Kinderdorf wohl nicht allein dem runden Geburtstag geschuldet. Weil diese Kinder nicht in Asylunterkünften untergebracht werden können, ist das Land auf die Unterstützung von Jugendhilfeeinrichtungen angewiesen. Auch bei SOS-Kinderdorf sind welche in Obhut. Die Finanzierung laufe über die Jugendämter, sagt Altpeter auf Nachfrage. Die Mittel dafür stelle das Land. Alles was über den täglichen Bedarf hinausgehe, um den Kindern etwas für das Leben mitzugeben, finanziere man über Spenden, ergänzt die SOS-Kinderdorf-Geschäftsführerin Birgit Lambertz und nützt die Anwesenheit der Presse für einen Appell: „Nachhaltige und verlässliche Ergänzungsangebote sind nur bei nachhaltiger und verlässlicher Unterstützung möglich.“