Navigation 6 Alternativen zu Google Maps im Kurztest

Von Lukas Böhl  

Diese sechs Kartendienste können Sie anstelle von Google Maps zur Routenplanung verwenden.

Auch andere Navigationsdienste bringen Sie ans Ziel. Foto: CC7 / shutterstock
Auch andere Navigationsdienste bringen Sie ans Ziel. Foto: CC7 / shutterstock

Wer in den Urlaub fährt oder die Adresse des nächsten S-Bahnhofs benötigt, wird höchstwahrscheinlich Google Maps zur Routenplanung verwenden. Es ist aktuell, präzise und vor allen Dingen kostenlos.

Aber wer sind die Mitbewerber? Welche Alternativen gibt es zu Google Maps? Das erfahren Sie in diesem Beitrag.

Für den Kurztest haben wir die Strecke vom Schlossplatz in Stuttgart zum Marienplatz in München als Vergleichspunkt genommen. Bei der Auswahl von Alternativen haben wir möglichst darauf geachtet, solche Anbieter zu wählen, die in etwa denselben Service bieten. Das umfasst neben der einfachen Routenplanung auch die Vor-Ort-Orientierung, Übersichtlichkeit sowie andere Zusatzfunktionen. Schließlich ist Google Maps nicht ohne Grund so beliebt.


1. Bing Maps

Bing wäre kein ernstzunehmender Konkurrent zu Google, wenn es nicht über ein eigenes Kartensystem verfügen würde.

Routenplanung

Bing Maps berechnete für die Strecke Stuttgart–München eine Wegzeit von 2:56 bei 232 km, während Google 2:29 für 233 km voraussagte (Eingabezeit: Montagfrüh um 8:51 Uhr). Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln stimmte die Fahrzeit mit 2:34 bzw. 2:38 nahezu überein. Neben diesen beiden Optionen bietet Bing nur noch die Fußstrecke, also weniger Auswahlmöglichkeiten als Google. Zudem ist die Satellitenansicht lediglich in 2D verfügbar.

Orientierung

Was die Aktualität und Fülle von Sehenswürdigkeiten, Landmarken und Einkaufsmöglichkeiten anbelangt, so scheint Bing Google in nichts nachzustehen. Die Vor-Ort-Planung funktioniert gut, es werden aktuelle Verbindungen mit verschiedenen Verkehrsmitteln angezeigt. Allerdings sind die Satellitenbilder mitunter etwas veraltet. Hier könnte es zu Verwirrungen kommen, da zum Beispiel abgeschlossene Baustellen immer noch angezeigt werden.

Übersicht

Die Bing-Karten lassen sich einfach und unkompliziert navigieren. Auffällig ist, dass Bing schneller mehr Ortsnamen anzeigt als Google. Zoomt man zum Beispiel auf die Königsstraße in Stuttgart, zeigt Bing in umfangreicherer Form lokale Einkaufsmöglichkeiten. Auch muss man nicht ganz so weit reinzoomen wie bei Google, um die Geschäfte zu sehen. Wer allerdings die mittlerweile recht scharfen Satellitenbilder von Google gewohnt ist, muss sich auf schwammigere Konturen einstellen, je näher er ranzoomt.

Fazit:

Zwar ist der Kartendienst von Microsoft bei genauerer Betrachtung etwas hinter dem Google-Produkt hinterher, im Großen und Ganzen bietet Bing Maps aber eine passable Alternative. Die nötigen Grundfunktionen, die mittlerweile von einem guten Kartensystem zu erwarten sind, sind in ausreichender Form vorhanden.


2. Here WeGo

Der Kartendienst Here WeGo basiert ursprünglich auf Nokias eigenem Web-Mapping-Service „Nokia Maps“, wurde Ende 2012 dann aber mit dem heutigen Namen rebranded.

Routenplanung

Für die Strecke Stuttgart–München errechnete Here WeGo eine Wegzeit von 2:54 um 15:45 am Freitagnachmittag. Also 8 Minuten schneller als die von Google vorgeschlagene Strecke mit 3:02 Fahrzeit. Der Unterschied basierte auf unterschiedlichen Wegführungen in München. Wie bei Google Maps kann man sich auch hier durch die verschiedenen Wegabschnitte klicken, um sie sich aus der Nähe anzusehen. Negativ ist allerdings aufgefallen, dass für eine derartige Routenplanung keine öffentlichen Verkehrsmittel angezeigt werden konnten. Diese erschienen erst, wenn statt Schlossplatz einfach nur Stuttgart eingetippt wurde. Ansonsten stehen noch weitere Optionen wie Carsharing oder Taxi als Option zur Verfügung.

Orientierung

Die Vor-Ort-Orientierung mit Here WeGo scheint ganz gut zu klappen. Es werden sowohl U-Bahn- als auch S-Bahn-Haltestellen angezeigt. Hier funktioniert auch die Kurzdistanz-Routenplanung innerhalb der Stadt. Über die Orte-Suche kann problemlos nach Restaurants, Kinos oder Hotels in der Nähe gesucht werden. Here WeGo muss sich an dieser Stelle nicht vor Google Maps verstecken. Selbst die Satellitenansicht ist verfügbar.

Übersicht

Here WeGo ist ähnlich intuitiv wie Google. Zwar ist das Design nicht ganz so ausgereift, aber man findet sich gut zurecht und die Karten sind optisch ansprechend gestaltet. Wer Google gewohnt ist, wird sich schnell in die Bedienung von Here WeGo einfinden können. Alle Funktionen sind nur ein paar Klicks entfernt.

Fazit:

Insgesamt bietet Here WeGo eine echte Alternative zu Google Maps, ob in der Desktop- oder der App-Version. Die Hauptfunktionen, die Google so beliebt machen, sind hier, wenn auch in abgespeckter Form, ebenfalls vorhanden.


3. Apple Maps (für Apple-Nutzer)

Bislang nur Apple-Kunden vorbehalten, doch wer im Besitz eines Gerätes des Tech-Konzerns ist, kann Apple Maps als Alternative zu Google Maps nutzen.

Routenplanung

Die Teststrecke von Stuttgart nach München sollte laut Apple Maps am Montagmorgen um 9:47 Uhr 2:34 bei 220 km dauern, Googles Berechnungen waren mit 2:28 auf 233 km immerhin um 8 Minuten kürzer. Auch hier stammten die Abweichungen von unterschiedlichen Routenplanungen innerhalb Münchens. Was negativ auffällt, ist, dass für ÖPNV-Infos oder Fahrdienste extra Apps heruntergeladen werden müssen.

Orientierung

Genau wie bei Google gibt es auch bei Apple gut aufgelöste Satellitenbilder in 2D oder 3D-Optik. Das erleichtert die Orientierung vor Ort ungemein. Das Auffinden nahegelegener Restaurants oder Hotels ist über die Anwendung problemlos möglich. Dazu werden Daten aus Yelp oder TripAdvisor verwendet. Die Routenplanung zu Fuß ist ebenfalls recht simpel.

Übersicht

In Sachen Design lässt sich Apple nicht lumpen. Die Karten sind übersichtlich, aufgeräumt und laden schnell. Die Umgebungsinfos sind aktuell und vielseitig.

Fazit:

Apple Maps ist ein solider Karten-Service, der nach einer schwierigen Startphase immer weiter aufholt. Zwar hat Google die Nase noch vorn, doch Apples Kartendienst ist ihm auf den Fersen. Für Apple-Kunden, die frei von Google-Produkten leben wollen, ist der Kartenservice eine echte Alternative. Die Entscheidung allerdings, das Produkt nicht für jedermann zugänglich zu machen, bringt in dieser Hinsicht einige Einschränkungen mit sich.

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4. Sygic

Sygic ist vor allen Dingen für seine Offline-Navigationssoftwares für Smartphones bekannt. Mit Sygic Maps gibt es allerdings auch eine Alternative zu Google Maps für den Desktop.

Routenplanung

Die Routenplanung ist ähnlich wie bei Google aufgebaut. Für die Strecke Stuttgart–München kalkulierte Sygic eine Wegstrecke von 2:50 bei 220 km, Google dagegen 2:37 bei 233 km. Zwar gibt es bei Sygic eine Reihe an verschiedenen Auswahlmöglichkeiten zur Fortbewegungsart, diese waren aber zumindest in der kostenfreien Version nicht verfügbar. Dafür ist es möglich, Reisen im Voraus zu planen oder die Routen an ein GPS-Gerät zu senden.

Orientierung

Zwar sind die Outdoor- und Satellitenkarten nur für Premium-Mitglieder verfügbar, dennoch ist die Orientierung gut möglich. Es werden Parkmöglichkeiten, Geschäfte, Restaurants und Hotels gezeigt. Besondere Sehenswürdigkeiten werden darüber hinaus mit einem auffälligen Bild dargestellt. Deren Einbindung erfolgt über Yelp, sodass Bewertungen und genaue Adressdaten eingesehen werden können. Leider ist auch hier die Funktion für die Kurzdistanzplanung via ÖPNV nicht verfügbar. Dafür aber die Fußstrecken. Interessant sind auch die Menüpunkte Reiseführer, Hotels und Touren, über die vor Ort Touren, Tickets und Übernachtungsmöglichkeiten gebucht werden können.

Übersicht

Das Design ist schlicht und übersichtlich. Je höher der Zoom, desto mehr Details erscheinen. Die Handhabung ist flüssig, auch wenn einzelne Zonen nachgeladen werden. Was in der kostenlosen Version fehlt, ist die Satellitenansicht. Diese ist bei Anbietern wie Google oder Here WeGo kostenlos.

Fazit:

Sygic verfügt über ein umfassendes Kartensystem, das viele Funktion besitzt, die Google Maps so beliebt machen. Einziges Manko sind die Einschränkungen für Free-User, allerdings fallen diese bei der normalen Routenplanung kaum ins Gewicht.


5. ADAC Maps

ADAC Maps ist das Kartensystem des deutschen Automobilclubs, das auch für Nicht-Mitglieder nutzbar ist.

Routenplanung

Auch dieses Mal wurde die Strecke vom Schlossplatz in Stuttgart zum Marienplatz in München als Referenzpunkt verwendet. Wieder gab es leichte Abweichungen in der Routenplanung (Freitagnachmittag, 14:49 Uhr). Der ADAC berechnete eine Dauer von 2:59 für die Strecke, wohingegen Google 3:11 voraussagte. Beide Apps bezogen aktuelle Verkehrsinformationen mit ein. Im Gegensatz zu Google bot ADAC Maps jedoch zusätzlich die Möglichkeit, die Route mit anderen Fahrzeugtypen zu planen, darunter Wohnmobile oder Motorräder. Selbst die geschätzten Spritkosten wurden angezeigt.

Orientierung

In Sachen Vor-Ort-Orientierung muss der Nutzer bei ADAC einige Abstriche machen. So lassen sich lediglich Sehenswürdigkeiten oder Tankstellen in der Nähe finden, aber keine Restaurants oder Hotels. Des Weiteren funktioniert die Routenplanung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur auf großen Distanzen.

Übersicht

Rein optisch erfüllt ADAC Maps seinen Zweck, obwohl es weniger intuitiv ist als Google Maps. Beim Heraus- und Hereinzoomen müssen teils Zonen nachgeladen werden und die Navigation mit der Maus ist etwas hölzern, wenn man die Karte bewegt.

Fazit:

In puncto Routenplanung bietet ADAC Maps einige Features mehr als Google Maps. Praktisch sind besonders die angezeigten Spritkosten oder die Auswahl verschiedener Fahrzeugtypen. Alles was darüber hinausgeht fehlt der Anwendung jedoch, gerade die Vor-Ort-Orientierung ist nur sehr eingeschränkt möglich.


6. OpenStreetMap

OpenStreetMap ist ein Gemeinschaftsprojekt wie Wikipedia. Durch Luftbilder, GPS-Geräte und Feldkarten von Nutzern wird der Index gefüttert, sodass am Ende eine umfassende, aktuelle Weltkarte entsteht.

Routenplanung

Für die Strecke von Stuttgart nach München wurde zum Zeitpunkt der Recherche (Freitagnachmittag, 14:13) eine Wegstrecke von 2:33 bei 221 km angegeben. In Google Maps wurde dieselbe Strecke mit 3:05 und 233 km berechnet. Der Unterschied lag zum einen an einer minimalen Abweichung in der Streckenauswahl, zum anderen an den fehlenden Verkehrsinformationen auf OpenStreetMap.

Orientierung

Am Zielort angekommen, nutzen wir Google Maps meist um uns zu orientieren. Wo sind Restaurants in der Nähe, welche Hotels gibt es und wie komme ich am besten zur Hauptsehenswürdigkeit der Stadt? Was bei Google Standard ist, funktioniert bei OpenStreetMap mit Ausnahme von lokalen Sehenswürdigkeiten eher schlecht. Je weniger gepflegt die Karte, desto weniger Umgebungsinfos gibt sie her. Auch fehlen zum Beispiel die öffentlichen Nahverkehrsmittel als Auswahl in der Routenberechnung.

Übersicht

Die OpenStreetMap wirkt antiquiert, wie aus einem alten Reiseführer. Insbesondere wenn man die Satelliten-Ansicht von Google gewohnt ist, mutet die OpenStreetMap wie aus einem anderen Jahrhundert an. Der Vergleich ist jedoch unfair, da OpenStreetMap ein ehrenamtliches Gemeinschaftsprojekt ist, dem keine Milliarden zur Verfügung stehen. Positiv dagegen sind die unterschiedlichen Kartenvarianten, die zur Auswahl stehen. So gibt es zum Beispiel eine extra Verkehrs- oder Radfahrerkarte.

Fazit:

Die Idee hinter OpenStreetMap ist gut, reicht aber noch nicht an den Servicegehalt und Umfang von Wikipedia heran. Aus diesem Grund ist es zu diesem Zeitpunkt keine adäquate Alternative zu Google Maps, zumindest nicht in seiner Ganzheit. Wer nur eine Route planen will und dabei nicht auf aktuelle Verkehrsinfos angewiesen ist, kann das Kartensystem durchaus nutzen.

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