Serien-Tipp: „The Undoing“ Sehen so Killer aus? Nicole Kidman trifft Hugh Grant

Nicole Kidman und Hugh Grant stehen tatsächlich in der Serie „The Undoing“ das erste Mal gemeinsam vor der Kamera.Foto:HBO/Niko Tavernise Foto:   14 Bilder
Nicole Kidman und Hugh Grant stehen tatsächlich in der Serie „The Undoing“ das erste Mal gemeinsam vor der Kamera. Foto:HBO/Niko Tavernise

Eine der spannendsten TV-Serien des Jahres: Nicole Kidman und Hugh Grant sind in „The Undoing“ ein Ehepaar unter Mordverdacht. Jetzt startet der Psychothriller bei Sky.

Kultur: Gunther Reinhardt (gun)
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Stuttgart - Wie erzählt man am besten von einem Krimi, der einen mit falschen Fährten, versteckten Hinweisen, verblüffenden Wendungen, kuriosen Abzweigungen, schockierenden Enthüllungen und perfiden Verwirrspielen nie zur Ruhe kommen lässt? Wie stellt man sicher, dass man genug verrät, um Lust zu machen auf diesen sensationell spannenden sechsteiligen Psychothriller, den man am liebsten in einem Stück verschlingen würde? Und wie schützt man sich davor, dass man trotzdem auf gar ­keinen Fall zu viel von der Story verrät, die in New Yorks Upper East Side spielt – dort, wo die Reichen und Schlauen am liebsten unter sich bleiben, auch wenn sie einen Mörder unter sich haben?

Selbst die Romanautorin weiß nicht, wie die Serie ausgeht

Es hilft natürlich, dass der US-Sender HBO, der „The Undoing“ produziert hat, alle Rezensenten im Unklaren lässt und ihnen vorab nur fünf der sechs Episoden der Serie zur Verfügung gestellt hat. Selbst wenn wir es wollten, könnten wir hier den Namen des Mörders oder der Mörderin nicht preisgeben. Vielleicht war es der Onkologe Jonathan Fraser (Hugh Grant), vielleicht war es seine Frau, die Psychotherapeutin Grace Fraser (Nicole Kidman), vielleicht war es auch ganz jemand anders. Denn am Ende der fünften Episode – so viel kann man verraten, ohne ein Spielverderber zu sein – kippt der Krimiplot ein weiteres Mal in eine neue Richtung, und es bleibt uns ­allen nichts anderes übrig, als auf die Auflösung dieses Whodunit-Krimis am Ende der finale Episode zu warten. Und wer jetzt besonders clever sein will und herausgefunden hat, dass die Serie auf dem Roman „Du hättest es wissen können“ von Jean Hanff Korelitz beruht, und glaubt, man könne da das Ende bereits nachlesen, irrt sich. Die Serie erlaubt sich nämlich ­einige erzählerische Freiheiten, und Korelitz hat kürzlich in einem Interview behauptet, dass selbst sie nicht wisse, wie die TV-Adaption ihres Romans ausgeht.

Viele Gemeinsamkeiten mit „Big little Lies“

David E. Kelley, der hinter der Serie steckt, mag solche mörderischen Psychospiele. „The Undoing“ hat viel gemeinsam mit dem letzten Meisterwerk Kelleys, der grandios besetzten und mit zahllosen Preisen ausgezeichneten Serie „Big little Lies“. Und das liegt nicht nur daran, dass beide Serien hochdramatisch die Spannung von Episode zu Episode steigern, dass sie den Zuschauer die ganze Zeit an der Nase herumführen und dass die großartige Nicole Kidman sowohl in „Big little Lies“ als auch in „The Undoing“ eine der Hauptrollen spielt, sondern dass sich hier wie dort Risse in der Hochglanzfassade der liberalen Oberklassewelt auftun.

In „Big little Lies“ war eine Grundschule im kalifornischen Monterey Ausgangspunkt des Dramas, in „The Undoing“ ist es die Reardon School, eine elitäre Privatschule in Manhattan. Hier verwechseln Eltern – zu denen auch die Frasers gehören – gerne Selbstgefälligkeit mit Freigiebigkeit, sie haben dem Sohn der mittellosen Elena Alves (Mathilda de Angelis) darum ein Stipendium gegeben. Grace Fraser wird einige verstörend-bedrängende Begegnungen mit der Künstlerin haben. Wie schon in „Big little Lies“ endet eine ­schulische Benefizgala mit einem Mord: Elena Alves wird erschlagen in ihrem Studio gefunden. Und schnell gerät die Welt der Frasers aus den Fugen, nachdem einige Geheimnisse von Jonathan Fraser nicht mehr länger geheim sind.

Hugh Grant betört immer noch mit linkischem Charme

Der US-Autor David E. Kelley und die dänische Regisseurin Susanne Bier, deren Film „In einer besseren Welt“ 2011 als bester fremdsprachiger Film den Oscar gewann, erzählen diesen Krimi immer ein bisschen anders, als man es erwarten würde, lenken unsere Aufmerksamkeit ständig auf neue Details, verunsichern einen im eigenen Urteil, lassen einen mitfiebern in dieser Mördersuche – und einen beständig hoffen, dass es nicht Hugh Grant war. Denn der ist zwar inzwischen ergraut und hat ein paar Kilo zugelegt, versteht es aber immer noch, mit seinem linkischen Charme zu betören, der ihn einst zum Helden unzähliger romantischer Komödien gemacht hat.

Die Serien des David E. Kelley

Person
David E. Kelley (Jahrgang 1956) begann in den 1980ern, Drehbücher zu schreiben, und wurde Autor der Serie „L. A. Law“. 1989 erfand er die Serie „Doogie Houser“, die von einem genialen Teenager handelt, der als Chirurg arbeitet. Seit 1993 ist Kelley mit Michelle Pfeiffer verheiratet.

Anwaltsserien
Kelley hat in Princeton Jura studiert und hat zunächst in Boston als Anwalt gearbeitet. Der Produzent und Autor ist vor allem für seine Gerichtsdramen voller skurriler Rechtsanwälte bekannt. Von ihm stammen zum Beispiel die Serien „Ally McBeal“, „Boston Legal“ oder „Goliath“.

Auszeichnungen
Kelley wurde für seine Serien bereits elfmal mit einem Emmy ausgezeichnet. Zuletzt gewann er den TV-Preis für das Krimidrama „Big little Lies“.

Ausstrahlung
„The Undoing“ läuft von Montag, 30. November, an bei Sky wöchentlich um 20.15 Uhr in Doppelfolgen.




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