SG Weilimdorf Stadt rettet Sportgemeinde vor der Insolvenz

Von Torsten Ströbele 

Der Verein verkauft sein Gebäude an der Solitudestraße.

Das Vereinsheim mit Restaurant ist der SG Weilimdorf zu groß geworden. Zum 1. Januar  übernimmt die Stadt da Foto: Torsten Ströbele
Das Vereinsheim mit Restaurant ist der SG Weilimdorf zu groß geworden. Zum 1. Januar übernimmt die Stadt da Foto: Torsten Ströbele

Weilimdorf – „
Wir werden uns vom Vereinsheim Blick Solitude trennen“, sagt der Vorsitzende der Sportgemeinde (SG) Weilimdorf, Jürgen Diercks. Einen Käufer hat er schon gefunden: Die Stadt Stuttgart. „Es stimmt. Wir übernehmen ab dem 1. Januar kommenden Jahres das Vereinsheim“, bestätigt Erster Bürgermeister Michael Föll. „Darüber bin ich auch sehr froh, es ging nämlich um die Existenz des Vereins. Bis zum Jahresende mussten wir den Kauf in trockenen Tüchern haben, sonst hätte die SGW Insolvenz anmelden müssen.“ Föll selbst hat bis zuletzt Gespräche mit zwei Banken geführt, bei denen der Verein noch Schulden aus vergangenen Tagen hat. „Die Kreditinstitute werden auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.“

Dann sei der Verein schuldenfrei und verfüge sogar noch über Eigenmittel, um weitere dringend notwendige Sanierungen durchführen zu können – wie zum Beispiel an der Tennishalle. „Für die Eigenmittel nach Abzug des städtischen Zuschusses übernehmen wir eine Bürgschaft in Höhe von rund 90 000 Euro“, sagt Föll.

Pech mit Pächtern gehabt

Am 19. Dezember wird nun noch der Verwaltungsausschuss des Stuttgarter Gemeinderates in nicht öffentlicher Sitzung über den Kauf und die Bürgschaft sprechen. „Ich gehe aber davon aus, dass die Stadträte zustimmen. Es gab entsprechende Signale“, sagt Michael Föll.

Und in der Tat: Auf Nachfrage ist bei allen sechs Gemeinderatsfraktionen zu erfahren, dass sie der Rettung der SG Weilimdorf grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Der Fraktionsvorsitzende der FDP, Bernd Klingler, ist froh, dass der Verein nun saniert ist: „Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass das Gebäude einfach zu groß ist und dem Verein wie ein Klotz am Bein hängt.“ Auch Jürgen Zeeb (Freie Wähler) ist über die Initiative der Stadt glücklich: „Wir können nicht zuschauen, wie ein mehr als 1600 Mitglieder starker Verein in Konkurs geht.“ Vor allem, nachdem er zum größten Teil auch ohne eigenes Verschulden in diese Situation geraten sei. „1991 hat man an das Vereinsheim das Restaurant gebaut. Leider hatte der Verein mit seinen Pächtern sehr viel Pech. Es gab eine Pleite nach der anderen“, sagt Zeeb.

Auch Fred-Jürgen Stradinger (CDU) liegt die SG Weilimdorf am Herzen: „Wir unterstützen alles, das dem Wohle des Vereins dient.“ Den Kauf des Gebäudes unterstützt auch Manfred Kanzleiter (SPD) – genauso wie Maria-Lina Kotelmann (SÖS und Linke), die vor allem die Jugendarbeit des Vereins lobt.

Über die Nachnutzung wird noch gesprochen

Grundsätzlich sind zwar auch Bündnis 90/Die Grünen für eine Rettung des Vereins, allerdings nicht bedingungslos und zu jedem Preis. „Wir haben noch nicht alle Fakten und Informationen auf dem Tisch, die wir brauchen“, sagt Fraktionsvorsitzende Silvia Fischer. Man würde die Zustimmung auch von der Nachnutzung abhängig machen. Und da haben die Grünen klare Vorstellungen: „Am dringlichsten – neben einem Bürgerhaus für alle Generationen – sind Maßnahmen, um in Weilimdorf den akuten Betreuungsnotstand abzumildern“, heißt es in einem Antrag. Das Vereinsheim der SG sei ein geeigneter Interimsstandort, um dort schnell eine Kindertagesstätte unterkommen zu lassen – vor allem, nachdem der Bezirk bei der Betreuung der unter Dreijährigen stark unterversorgt sei.

Allerdings könnten sich die Weilimdorfer auch andere Nutzungen für das Vereinsheim der SGW vorstellen. Dass rund 700 Quadratmeter für den Gemeinbedarf im Bezirk fehlen, ist kein Geheimnis. Groß ist der Wunsch nach einem Bürgerhaus. Aber auch die Vereine und Institutionen, die das Gebäude jetzt schon regelmäßig nutzen, haben Interesse daran, sich auch künftig an der Solitudestraße treffen zu können. „Zunächst werden die Räume weiterhin vermietet. Über konkretere Nachnutzungen muss dann im kommenden Jahr gesprochen werden“, sagt Michael Föll. Vieles sei denkbar. Bezirksvorsteherin Ulrike Zich ist es vor allem wichtig, dass eine gute Lösung gefunden wird, die den Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung trägt.

Sonderthemen

Unsere Empfehlung für Sie