Sindelfingen/Kampala „Wir Deutschen lernen viel in Afrika“

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Die Partnerschaft zwischen Kliniken in Sindelfingen und Kampala ist keine Einbahnstraße, erklärt Wolfgang Fischer, der Vorsitzende des Vereins „Partnerschaft-Gesunde Welt“. Am Samstag wird das 25-Jahr-Jubiläum gefeiert.

Jedes Jahr schic Foto: factum/Archiv
Jedes Jahr schic Foto: factum/Archiv
Sindelfingen/Kampala - - Mitarbeiter des Lubaga-Hospitals in Kampala, der Hauptstadt von Uganda, und des Sindelfinger Krankenhauses reisen hin und her – seit 25 Jahren pflegen die beiden Kliniken eine Partnerschaft. Die deutsch-ugandische Beziehung wird am Samstag, 24. Oktober, abends groß im Sindelfinger Stiftshof, Stiftstraße, gefeiert. Wolfgang Fischer, der Vorsitzende des Fördervereins Partnerschaft Gesunde Welt, erzählt wie.
Herr Fischer, Städtepartnerschaften sind ja gang und gäbe. Wie aber kommt ein deutsches Krankenhaus dazu, eine Partnerschaft mit einer Klinik in Afrika zu schließen?
Das war eine Idee des damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth. Der CDU-Landtagsabgeordnete des Kreises, Rudolf Decker, trug diese Idee an den Sindelfinger Krankenhausdirektor Eberhard Werz heran. Sie flogen mit einer Delegation, zu der auch der damalige Sindelfinger Oberbürgermeister Dieter Burger gehörte, nach Uganda. Als sie zurückkamen, überzeugten sie zunächst die Ärzte und Schwestern der Klinik, dann den Gemeinderat, der die Partnerschaft einstimmig beschloss. Bereits zuvor war der Oberbürgermeister Burger mit Politikern, darunter die Sozialministerin Barbara Schäfer, in Uganda gewesen.
Was war das Ziel?
Damals – kurz nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Diktatoren Idi Amin und anschließend Obote – herrschten furchtbare Zustände im Land. Es gab kaum Krankenhäuser. In unserem Partnerkrankenhaus in Kampala standen die Patienten Schlange. Viele Ärzte, insbesondere der damalige Chefchirurg Ulrich Knapp, Schwestern und der Apotheker Heiner Stepper, der noch heute dabei ist, flogen nach Uganda, opferten ihren Urlaub, um dort zu operieren und vieles aufzubauen.
Wie hält man über einen so langen Zeitraum eine Partnerschaft aufrecht?
Das liegt immer an Personen. Als Krankenhausdirektor Werz in Rente ging, schlief das Ganze fast ein. 2006 wurde der Klinikverbund gegründet, und die Sindelfinger Klinik wurde integriert. Der Klinikverbund fuhr einen harten Sparkurs. 2011 meinte der damalige Geschäftsführer, Gunther Weiß, wir könnten nicht Leute entlassen und gleichzeitig Geld an afrikanische Kliniken schicken. Deshalb gründete ich nach einem Gespräch mit ihm und dem Landrat Roland Bernhard einen Förderverein.
Dieser Förderverein Partnerschaft Gesunde Welt ist sehr rührig.
Ja, wir starteten 2011 mit 17 Mitgliedern – alles Mitarbeiter des Klinikverbunds Südwest. Heute haben wir 277 Mitglieder aus ganz Deutschland, nur 30 Prozent sind beim Klinikverbund. Wir schicken jedes Jahr ein bis zwei Container mit Betten, Rollstühlen, medizinischem Gerät und Verbandsmaterial nach Uganda. Aktuell ist ein Container mit Waren im Wert von 45 000 Euro unterwegs. Wir haben auf dem Lubaga-Hospital eine kleine Solaranlage installiert, um für die Entbindungsstation heißes Wasser zu haben. Unser nächstes Ziel ist die Installation einer Fotovoltaik-Anlage, um die Klinik von der öffentlichen Stromversorgung unabhängig zu machen. Denn täglich bricht das örtliche Stromnetz zusammen.
Sie schicken immer auch noch Mitarbeiter nach Uganda.
Ja, viele Ärzte, Schwestern, Techniker waren schon dort. Wir arbeiten mittlerweile mit mehreren Kliniken zusammen. Wir brauchen auch Physiotherapeuten und Handwerker. Das Schöne ist, dass das Ganze ein Austausch ist. Auch unsere Mitarbeiter profitieren davon.
Inwiefern?
Wenn wir eine Hebamme nach Uganda schicken, lachen unsere Partner bei 7000 Geburten im Jahr höflich. Und die Hebamme kommt nach zwei Monaten zurück und sagt, sie habe so viel Neues gelernt. Ich denke, dass wir in unseren Kliniken doch sehr technisiert sind. Manches können wir nicht mehr, aber die Afrikaner schon.
Es kommen aber immer wieder auch Leute aus Uganda nach Sindelfingen.
Ja, wir haben vor zwei Jahren drei erfahrene Schwestern weitergebildet. Die haben im Lubaga-Hospital nun alle führende Positionen. Demnächst kommen vielleicht zwei Ärzte zu uns, ein Frauenarzt und eine junge Ärztin, die Opfer von Verkehrsunfällen operiert. Sie hospitieren bei uns nur. Sie dürfen nicht mit Patienten arbeiten.
Sind Ugander beim Jubiläumsfest dabei?
Wir wollen kein Spendengeld für Feiern ausgeben. Deshalb feiert jedes Krankenhaus für sich. In Uganda sind momentan zwei Schwestern von uns im Einsatz, die können uns vertreten. Wir treffen uns am Samstag zu einem Fest. Es gibt Musik, und es bleibt Zeit für Anekdoten.




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