Laut dem Präsidenten der Finanzaufsicht, Felix Hufeld, hat die Behörde im Wirecard-Skandal formal korrekt gehandelt. Sie müsse aber ihre „Instinkte schärfen“. Selbst Mitarbeiter der Abteilung für Marktüberwachung handelten mit Aktien des Konzerns.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)

Frankfurt - Die Finanzaufsicht Bafin hat im Wirecard-Skandal nach Einschätzung von Behördenleiter Felix Hufeld „vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen“. Seine Behörde habe zwar wegen des Verdachts auf Marktmanipulation gegen das Unternehmen ermittelt und auch Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt, aber eben lediglich „Einzelthemen abgearbeitet“, sagte der Bafin-Präsident am Mittwoch auf dem Banken-Gipfel des „Handelsblatts“ in Frankfurt. Einen Rücktritt schloss der 59-Jährige aus: Er wolle seine „Pflichten weiter erfüllen“.

Zuvor waren neue Details zu Geschäften bekannt geworden, die Bafin-Mitarbeiter mit Wirecard-Aktien getätigt haben. Das Bundesfinanzministerium teilte auf Anfrage des Grünen-Abgeordneten Danyal Bayaz mit, dass auch Mitarbeiter aus der Abteilung Marktüberwachung lebhaft mit Wirecard-Aktien gehandelt haben. Das Unternehmen räumte im Juni Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro ein und schlitterte kurz darauf in die Insolvenz.

Die Bafin steht in der Kritik, weil die Behörde nach kritischen Berichten der Wirtschaftszeitung „Financial Times“ Anfang 2019 Wetten auf Kursverluste der Wirecard-Aktie vorübergehend verboten hatte. Durch dieses Leerverkaufsverbot war der Eindruck entstanden, die Behörde nehme das kurz zuvor in den Deutschen Aktienindex (Dax) aufgestiegene Unternehmen gegen die Vorwürfe in Schutz. Dass die Finanzaufsicht schon damals dem Verdacht auf Marktmanipulation nicht nur durch Kritiker, sondern auch durch Wirecard selbst nachging, wurde erst vor Kurzem bekannt.

„Das hat ein Geschmäckle“

Im Lichte der nun enthüllten Aktiendeals von Bafin-Mitarbeitern stelle sich die Frage, „ob Entscheidungen der Behörden wie das 2019 verhängte Leerverkaufsverbot entsprechend neu bewertet werden müssen“, kommentierte der Grünen-Politiker Bayaz. Die Geschäfte hinterließen „auf gut Schwäbisch ein Geschmäckle“, erklärte der Abgeordnete für den Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen.

Die Bafin teilte mit, ihre Beschäftigten seien verpflichtet, private Finanzgeschäfte zu melden. Diese Meldungen würden dahingehend überprüft, „dass meldende Beschäftigte keine bestimmungsgemäße Kenntnis zu Insiderinformationen in Bezug auf ein von ihnen durchgeführtes privates Finanzgeschäft hatten“. Vorsorglich unterziehe man nun alle Mitarbeitergeschäfte von Bafin-Beschäftigten mit Wirecard-Bezug einer gesonderten Analyse. Diese sei noch nicht abgeschlossen, bislang seien aber keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Das Bundesfinanzministerium erwägt laut seiner Antwort an Bayaz für die Zukunft weitergehende „Beschränkungen des Handels von Finanzinstrumenten beaufsichtigter Unternehmen durch Bafin-Beschäftigte.“

Hufeld äußerte sich bei seinem Auftritt in Frankfurt nicht zu den Aktiendeals. Er betonte, für die Aufdeckung von Bilanzfälschungen sei sein Haus nicht zuständig: „Ich kenne kein Land dieser Erde, in dem Finanzaufsicht geleistet werden kann, ohne sich auf die Ergebnisse von Bilanzprüfungen verlassen zu können.“ Auch sei die Bafin nur für die Beaufsichtigung der Wirecard Bank, nicht aber des gesamten Konzerns, verantwortlich gewesen. Der Bafin-Präsident fügte aber hinzu: „Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Instinkte schärfen, wo im Gestrüpp komplexer Konzerne und Gruppen, die formal nur teilweise unserer Aufsicht unterliegen, möglicherweise Untiefen sind.“ Sein Haus habe sich „zu lange auf die formal korrekten Verfahren verlassen“.

Rückendeckung von Deutsche-Bank-Chef Sewing

Rückendeckung erhielt Hufeld indirekt vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Christian Sewing. Dieser erklärte kurz vor dem Auftritt des Bafin-Chefs auf der gleichen Konferenz, entscheidend sei, aus dem Wirecard-Skandal die richtigen Konsequenzen zu ziehen. „Es geht nicht darum, Einzelne an den Pranger zu stellen.“