Solidarische Landwirtschaft Regionalvermarkter ihres Vertrauens

Von Klaus Nonnenmacher 

Am Kreuthof bei Heiningen sollen die Kunden solidarische Landwirtschaft ermöglichen. Jeder gibt den Biolandbauern so viel er kann. Am Ende sollen alle davon profitieren.

Annemieke Lauber (links) und Johanna Wolfhard   wollen eine Solawi gründen Foto: Ines Rudel
Annemieke Lauber (links) und Johanna Wolfhard wollen eine Solawi gründen Foto: Ines Rudel

Heiningen - Glückliches Gemüse aus sinnmaximierter Bodenhaltung“ – mit diesem Slogan wirbt die „Solawi“ vom Reyerhof bei Stuttgart-Möhringen um Mitstreiter. Mehr als 100 solcher Solidarischer Landwirtschaften findet man in Deutschland. Nun soll es das „glückliche Gemüse“ bald in Heiningen auf dem Bioland-Kreuthof geben. Rund 60 Interessenten kamen zu einem entsprechenden Informationsabend ins Heininger Gemeindehaus.

Glückliche Bauern und glückliche Kunden

Glücklich sollen dabei natürlich nicht die Gurken oder Radieschen, sondern die Bauern und ihre Kunden werden. Wie, das hat Anke Heller vom Solawi-Projekt Reyerhof in Heiningen bei einem Infoabend erklärt. Das Ziel ist einleuchtend. Die Kunden sollen dem Bauern das zahlen, was er benötigt, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Normalerweise funktioniert das über den Preis, den der Landwirt für seine Ernte verlangt. Dieser ist allerdings nur bedingt erzielbar, denn sobald anderswo die Ernte besser ausfällt oder mehr und billiger produziert wird, ist der einzelne Landwirt in die Enge getrieben. Bei einer Solawi ist das Prinzip der Preisbildung daher ein anderes.

Das Risiko ruht auf vielen Schultern

Da errechnet der Erzeuger die Gesamtsumme seiner Betriebsausgaben für ein Jahr. Steht die Summe fest, können Mitstreiter sich einkaufen. Sie erwerben in einer oder mehreren Bieterrunden mit ihrer Investition dann einen entsprechenden Anteil an der Gesamternte. Der Vorteil für den Landwirt liegt auf der Hand. Sein Geschäft wird kalkulierbarer. Das Risiko im Falle einer Missernte verteilt sich durch den monatlich fälligen Beitrag der Mitglieder auf viele Schultern – ein Gewinn allerdings auch. Zudem ist die Vermarktung der Produkte auf kurzem Wege gesichert.

Für die Kunden besteht der Vorteil in jedem Fall darin, dass sie dem Regionalvermarkter ihres Vertrauens unabhängig von Weltmarktpreisen den Rücken stärken. Sie haben neben einem Ernteanteil, der wöchentlich in Naturalien ausgeschüttet wird, sogar die Möglichkeit, bei der Anbauplanung mitzuentscheiden.

Im Januar folgt die nächste Runde

So sind es in Heiningen auch nicht die Eigentümer des Kreuthofes gewesen, die die Initiative zur Gründung einer Solawi gestartet haben, sondern zwei Kundinnen: Annemieke Lauber und Johanna Wolfhard. „Ich hatte davon vor einiger Zeit gehört und mich gefragt, warum es bei uns im Voralbgebiet keine Solawi gibt“, erklärt Johanna Wolfhard. Gemeinsam mit Annemieke Lauber, die als Gartenbauerin auch schon auf dem Hof ausgeholfen hatte, überzeugten sie die Landwirte, sich auf das Experiment einzulassen.

Nun sind sie auf der Suche nach weiteren Teilnehmern. „Rund 40 Beteiligte wären für einen sinnvollen Start auf einer Fläche von einem Hektar nötig“, sagt Wolfhard. Während sie sich als Organisatorin sieht, soll Annemieke Lauber den gärtnerischen Teil der Gemeinschaft übernehmen. Und sie ist nun auch am Zug.

„Als nächstes müssen wir die voraussichtlichen Kosten errechnen. Dabei hilft uns ein Fachmann des Bundesverbands für Solawis. Mitte Januar werden wir dann in die Bieterrunde einsteigen. Dann wird sich zeigen, in welchem Umfang wir starten können“, sagt Johanna Wolfhard. Nach dem überraschend großen Interesse am Infoabend ist sie sicher, dass die Solawi zustande kommen wird.




Unsere Empfehlung für Sie