Eine ARD-Recherche soll Missstände bei Sponsorengeldern im Behindertensport aufgedeckt haben. Special-Olympics-Verbände in Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg sind betroffen, die beschuldigte Firma sitzt in Stuttgart.

Stuttgart - Seit Montag herrscht in der Firma Metatop, mitten in Degerloch, Ausnahmezustand. Am Telefon will man sich nicht äußern, die geforderte Stellungnahme kommt spät, schriftlich und klingt schwammig: „Wir erhalten einen prozentualen Anteil an den vermittelten Sponsoring-Beträgen. Wir werden nur im Erfolgsfall vergütet und übernehmen für unsere Partner das gesamte Risiko.“ Die ausweichende Erklärung soll den Sturm der Fragen besänftigen, den eine ARD-Recherche am Montag vom Zaun gebrochen hat.

Pünktlich zum Beginn der nationalen Winterspiele der Special Olympics im hessischen Willingen, bei denen rund 700 Teilnehmer mit geistiger Behinderung teilnehmen, haben die veröffentlichten Recherche-Ergebnisse die kleine Vermittlungsfirma in den Fokus innerhalb der Special-Olympics-Bewegung gerückt. Laut ARD soll die Stuttgarter Firma Metatop seit Jahren nur einen kleinen Teil von Sponsorengeldern bei ihren Geschäftspartnern, den Special Olympics Landesverbänden aus Baden-Württemberg, Hamburg und Hessen abliefern. Auf ihrer Webseite beschreibt sich die Firma als „Schnittstelle“ zwischen Verein und Sponsor und bietet Vermittlung als Dienstleistung an. Als Partner sind dort neben den Landesverbänden der Special Olympics unter anderem auch der VfB Stuttgart und der Handball-Bundesligist TVB Stuttgart aufgelistet. Laut ARD-Recherche sollen die betroffenen Landesverbände jahrelang nur ein Drittel statt der üblichen 75 Prozent der Beträge erhalten haben. Den Rest soll Metatop als Provision für sich behalten haben.

Auch der VfB und TVB Stuttgart arbeiten mit Metatop zusammen

Beim betroffenen Special- Olympics-Landesverband Baden-Württemberg reagiert man auf aufgedeckten Missstände eher nüchtern. „Wir sind auf die Gelder von Metatop angewiesen. 4000 Menschen mit Behinderung Sport anzubieten gibt es eben nicht zum Nulltarif“, erklärt Harald Denecker. Der Präsident des Landesverbandes selbst räumt ein, dass er die bestehenden Verträge bei Amtsübernahme nicht überprüft habe, die Verteilung der Gelder sei aber von Beginn an bekannt gewesen. „Wir haben die erhaltene Summe immer dankend akzeptiert, da wir keine staatliche Förderung erhalten“, rechtfertigt Harald Denecker die Vereinbarung, die bereits 2010 abgeschlossen wurde. Erst die ARD-Recherche aber soll die Aufmerksamkeit auf die fragwürdige Verteilung gelenkt haben. Denecker hat daraus erste Konsequenzen gezogen: „Wir haben den Vertrag fristgerecht gekündigt. Wir werden neue Gespräche mit Metatop führen und einen neuen Vertrag aufsetzen, der die Ethik und Bedingungen des Verbandes ­widerspiegelt.“ (Anmerkung der Redaktion: Entgegen einer früheren Version dieses Textes haben wir nach Rücksprache mit Herrn Denecker dessen Aussage zum Vertragsverhältnis mit Metatop präzisiert.)

Weitere Partner der Firma, wie etwa der VfB Stuttgart, distanzierten sich auf Anfrage von Metatop, die bestehende Zusammenarbeit beschränke sich lediglich auf die Vermittlung von Anzeigenkunden der Stadionzeitung und des Mitgliedermagazin und laufe zum Ende der aktuellen Spielzeit aus. Auch der Stuttgarter Handball-Bundesligist hat bereits die Dienste von Metatop in Anspruch genommen. „Das macht aber nur einen Bruchteil unseres Sponsorings aus, wir machen sonst alles selbst“, erklärt Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Bisher habe man aber keine Probleme gehabt. Der deutsche Dachverband Special Olympics will nun die Zusammenarbeit der Landesverbände mit der Firma untersuchen. In Österreich ermittelt laut ARD-Informationen die Staatsanwaltschaft gegen Metatop.

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