Sprengungen am Wagenburgtunnel Dumpfer Knall und wenig Rauch

Die erste Tunnelsprengung im Stadtgebiet für die Stuttgart-21-Bauarbeiten ist zwar hörbar – der Boden im Kernerviertel vibriert aber nicht. 90 Kubikmeter Fels wurden am Mittwoch gelockert.

Rauch dringt aus der Rettungszufahrt,  der nahe Wagenburgtunnel  ist während der Sprengung gesperrt. Weitere Eindrücke zeigt die folgende Fotostrecke. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 4 Bilder
Rauch dringt aus der Rettungszufahrt, der nahe Wagenburgtunnel ist während der Sprengung gesperrt. Weitere Eindrücke zeigt die folgende Fotostrecke. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Um 12.56 ertönt ein Warnsignal, wenige Augenblicke später ist am Portal des Wagenburgtunnels ein dumpfer Knall deutlich vernehmbar. Kein Verkehrslärm dämpft das Geräusch der ersten Sprengung in einem Tunnelbauwerk für Stuttgart 21. Der Wagenburgtunnel ist zu diesem Zeitpunkt bereits eine halbe Stunde gesperrt. In der Verkehrsröhre stehen Messgeräte, die die von der Explosion ausgelösten Vibrationen messen sollen. Da vorbeifahrende Autos die sensiblen Sensoren stören würden, muss in der Zeit der Verkehr ruhen.

Buchstäblich auf einen Schlag ist damit die so genannte Rettungszufahrt Süd um 1,6 Meter gewachsen. Diese Röhre dient als Zugang zur Baustelle für die Tunnel nach Obertürkheim und auf die Fildern. Später soll sie bei einer Havarie von den Rettungskräften benutzt werden. In den vergangenen Monaten hatten sich die Mineure vom Portal gemessen bis zur Endmarke bei rund 230 Metern vorgearbeitet. Allerdings fehlt auf den letzten 80 Metern noch die untere Hälfte des Tunnels. Dort sei man erwartungsgemäß auf härteres Gestein gestoßen, sagt Bauleiter Hannes Hagenhofer.

Der Österreicher blieb gestern vor der Sprengung gelassen. Das gehöre zu den üblichen Tunnelbaumethoden – auch im städtischen Bereich. Tatsächlich hatten die Stuttgarter Straßenbahnen auch Teile ihrer Stadtbahntunnel vorangetrieben. Die Stelle, an der sich die Sprengexperten nun zu schaffen machen, liegt gut 100 Meter vom Wagenburgtunnel entfernt und etwa 50 Meter unter der Erdoberfläche des Kernerviertels. 52 kleine Bohrlöcher wurden ins Gestein getrieben, jedes mit rund 900 Gramm Sprengstoff geladen. Die werden per elektrischen Impuls zur Detonation gebracht. Zu sehen ist von außen erst etwas, als die Tunnelbelüftung eingeschaltet wird und den aufgewirbelten Staub nach außen trägt.

Nicht nur die Sachverständigen im Wagenburgtunnel haben genau hingehört. Auch Frank Schweizer war auf Horchposten. Der Sprecher der im „Netzwerk Kernerviertel“ zusammen geschlossenen S-21-Gegner, bestätigt „einen dumpfen Knall“ gehört zu haben. Von Vibrationen oder Erschütterungen habe er aber nichts mitbekommen, sagt er. Den Knall beschreibt er „als nicht viel lauter als der Baggerlärm vom Neubau der John-Cranko-Schule“, von dem er auch betroffen ist.

Schweizer fürchtet auch viel mehr den Abtransport des gesprengten Gesteins. „Wenn die Brocken in die Lastwagen rumpeln ist es richtig laut“. Ein Sprecher des Kommunikationsbüros sagt allerdings, dass der Abraum auch am Mittwoch schon mit dem aufgestellten Förderband in den Mittleren Schlossgarten gebracht werden soll. Zu transportieren gibt es eine Menge. Allein bei der Sprengung wurden 90 Kubikmeter Erdreich gelockert, das rund 180 Tonnen auf die Waage bringt. Die Sprengungen sollen in loser Folge fortgesetzt werden, bis die Rettungszufahrt Süd zur Gänze ausgebrochen ist.

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