Streit zwischen WG Korb und Remstalkellerei Wengerter wollen sich wehren

Ein Blick über die Weinberge um Korb. Die Ernte wollte die WG Korb  von 2022 an nicht mehr an die Remstalkellerei abliefern. Foto: Gottfried Stoppel
Ein Blick über die Weinberge um Korb. Die Ernte wollte die WG Korb von 2022 an nicht mehr an die Remstalkellerei abliefern. Foto: Gottfried Stoppel

Frust bei der Weingärtnergenossenschaft Korb: Sie wollte ab 2022 nicht mehr mit der Remstalkellerei zusammenarbeiten. Nun könnte sich der Abschied um Jahre verzögern.

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Korb/Weinstadt - Es ist schon zwei Jahre her, dass die Mitglieder der damaligen Weingärtnergenossenschaft (WG) Korb und Steinreinach mit einer deutlichen Mehrheit ihren Austritt aus der Remstalkellerei beschlossen haben. Ab dem kommenden Jahr, nach Ablauf der zweijährigen Kündigungsfrist, wollten die Korber stattdessen mit der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen zusammenarbeiten. Das ist laut Markus Amberger von der WG Korb auch nach wie vor so.

Doch nun scheint das reichlich verzwickte Genossenschaftsrecht diese Zukunftspläne zu durchkreuzen: Es könnte nämlich sein, dass die Korber entgegen ihres ausdrücklichen Wunsches für weitere zwei Jahre in der Remstalkellerei bleiben müssen. Denn die WG Korb hat zwar ihre seit vielen Jahren bestehende Mitgliedschaft in der Remstalkellerei fristgerecht zum 31. Dezember 2021 aufgekündigt, sie hat aber versäumt, auch ihre Mitgliedschaft in den Ortsgenossenschaften Weingärtner Remstal sowie den Weingärtnergenossenschaften Schnait und Remshalden-Schorndorf zu kündigen. „Die Ortsgenossenschaften sind bei jeweils allen anderen Ortsgenossenschaften auch Mitglied“, erklärt Markus Amberger.

Die drei Ortsgenossenschaften Weingärtner Remstal, Weingärtnergenossenschaft Schnait und Remshalden-Schorndorf hatten im September die Fusion mit der Remstalkellerei beschlossen und den Weg für eine lange geplante Zentralkelter geebnet. Würde diese Fusion in diesem Jahr eingetragen, dann wäre alles kein Problem, sagt Markus Amberger – denn dann wären die Ortsgenossenschaften schon 2021 Teil der Remstalkellerei und die Kündigung der WG Korb unter Dach und Fach. Doch der Zusammenschluss soll erst im Jahr 2022 ins Genossenschaftsregister eingetragen werden. Durch diese Eintragung, so die Remstalkellerei, erwerbe die WG Korb bei der Remstalkellerei als Rechtsnachfolger der Ortsgenossenschaften eine neue Mitgliedschaft. Sprich: Die Korber wären wieder im Boot. Durch eine Kündigung noch in diesem Jahr bei den Ortsgenossenschaften könnten sie Ende 2023 aussteigen.

Fusion verkompliziert den Abschied

„Wir haben versucht, im gegenseitigen Einvernehmen aus den Ortsgenossenschaften auszutreten, dadurch würden wir nicht Mitglied werden in der Remstalkellerei, aber das hat nicht geklappt“, bedauert Markus Amberger. „Die Remstalkellerei ist der Meinung, dass wir durch die Hintertür wieder Mitglied sind“, sagt Markus Amberger, „wir sehen das nicht so und haben einen Anwalt eingeschaltet, der das auch nicht so sieht.“ Die WG Korb hege auch Zweifel, dass das laut Remstalkellerei „neutrale juristische Gutachten“ ein solches ist. „Aus unserer Sicht ist das kein rechtliches Gutachten, sondern nur eine Stellungnahme, mit der man versucht, uns unter Druck zu setzen“, sagt Amberger.

Vertrauen in Remstalkellerei ist „sehr beschädigt“

Peter Jung, der Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzende der Remstalkellerei, widerspricht: „Wir möchten eine Lösung hinbekommen, mit der alle leben können“, sagt er, es gehe nicht um „juristische Spitzfindigkeiten“ und von dem Sachverhalt habe man nichts gewusst: „Wir haben keinen Einblick in die Mitgliederlisten der Ortsgenossenschaften gehabt und wussten nicht, wie sich das Ganze darstellt.“ Die Remstalkellerei sei aber an die Satzung gebunden und verpflichtet, alle Mitglieder gleich zu behandeln. Die WG Korb würde man gerne halten, aber nicht zwangsweise, sondern weil man sie vom Zukunftskonzept überzeugt habe. „Aber natürlich hat sie das Recht über ihren Austritt zu entscheiden.“ Markus Amberger wiederum kündigt an: „Wir werden uns wehren und gehen derzeit davon aus, dass wir im kommenden Jahr nicht mehr Mitglied der Remstalkellerei sind.“ Das ohnehin nicht mehr große Vertrauen sei nun „sehr beschädigt“.

Abwanderung aus der Remstalkellerei

Korb
 Die Weingärtnergenossenschaft (WG) Korb und Steinreinach hat sich im November 2019 mit deutlicher Mehrheit für den Austritt aus der Remstalkellerei entschieden. Ab dem Jahr 2022 wollte die WG Korb und Steinreinach stattdessen mit der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen zusammenarbeiten. Im Jahr 2020 haben sich die WG Korb und Steinreinach mit der WG Winnenden zur Weingärtnergenossenschaft Korb zusammengetan.

Stetten
 Mit einer Mehrheit von knapp 94 Prozent waren die Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Stetten die ersten, die bereits im Jahr 2018 den langjährigen Vertrag ihrer Genossenschaft mit der Remstalkellerei zum Ende des Jahres 2020 gekündigt hatten. Sie beschlossen nach 80 Jahren Mitgliedschaft, ab 2021 mit der Privatkellerei Kern in Rommelshausen zu kooperieren. Der Remstalkellerei gingen damit rund 50 Hektar Rebfläche verloren.




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