Studie zu Wohnnebenkosten Die „zweite Miete“ ist im Land vergleichsweise günstig

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Mögen die Mieten auch hoch sein, zumindest die Nebenkosten sind für Mieter in Baden-Württemberg gar nicht mal so hoch. Besonders gut haben es die Ludwigsburger. Das eine Studie ergeben. Doch es gibt im Land eine Ausnahme.

Die Wohnnebenkosten, zu denen auch das Heizen gehört, machen einen erklecklichen Teil der Miete aus. Foto: dp 15 Bilder
Die Wohnnebenkosten, zu denen auch das Heizen gehört, machen einen erklecklichen Teil der Miete aus. Foto: dp

Stuttgart - Wenn in den nächsten Wochen die Nebenkostenabrechnungen verschickt werden, dürften auch viele Mieter in Baden-Württemberg stöhnen. Dabei sind die Kosten im Land offenbar noch vergleichsweise moderat. Das legt eine Studie nahe, die das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln im Auftrag des Hausbesitzerverbands Haus & Grund erarbeitet hat. Dabei wurden die Gebühren für Müllabfuhr und Abwasser sowie die Grundsteuer betrachtet – in der Höhe, wie sie für eine vierköpfige Durchschnittsfamilie anfallen. Alle drei Posten können auf die Mieter umgelegt werden. Das Ergebnis: Unter den 20 bestplatzierten Städten befinden sich allein sieben aus Baden-Württemberg­.

Untersucht wurden deutschlandweit die 100 größten Städte, 14 davon aus Baden-Württemberg. Fast alle konnten sich in der oberen Tabellenhälfte platzieren. Einziger Ausreißer ist Pforzheim auf Platz 73. Dabei scheint vor allem die Abwasserbehandlung eine baden-württembergische Spezialität zu sein. Hier liegen Ludwigsburg, Heidelberg und Freiburg deutschlandweit auf den ersten drei Plätzen. Bis Rang 20 ist der Südwesten insgesamt neunmal vertreten. Durchwachsener fällt dagegen die Bilanz bei der Müllabfuhr aus. Hier ist Esslingen bundesweit mit Platz 13 noch am besten platziert. Stuttgart folgt auf Platz 21. Alle anderen Städte liegen unter ferner liefen. Karlsruhe schafft es gar nur auf den drittletzten Platz.

Regensburg top, Leverkusten ganz hinten

In der Summe aller drei betrachteten Nebenkostenarten – Wärme und Strom blieben unberücksichtigt, weil die Preise nicht von den Städten festgelegt werden – ergibt sich ein klares Süd-Nord-Gefälle. Auch etliche Städte aus Rheinland-Pfalz und Bayern sind vorne dabei. Auf den hinteren Rängen finden sich auffallend viele Industriestädte aus Nordrhein-Westfalen – ein Hinweis, dass die Voraussetzungen­ zum Teil recht unterschiedlich sind. „Wir hätten dennoch nicht gedacht, dass es solch große Abweichungen gibt“, sagte Alexander Wiech, Mitglied der Geschäftsführung von Haus & Grund in Berlin. So summieren sich bei Spitzenreiter Regensburg die Kosten der drei untersuchten Posten auf 857 Euro. In Leverkusen, der teuersten Stadt auf der Liste, fallen 1981 Euro im Jahr an.

In Baden-Württemberg sind die Unterschiede nicht ganz so ausgeprägt, aber doch deutlich. So muss eine Ludwigsburger Durchschnittsfamilie nach den Berechnungen der Forscher 920 Euro im Jahr für Abfall, Abwasser und Grundsteuer zahlen. In Pforzheim sind es fast 500 Euro mehr. Woher die Unterschiede rühren, untersuchten die Wissenschaftler nicht. Formal frei bei der Festlegung der Höhe sind die Städte lediglich bei der Grundsteuer. Bei Abwasser und Müllabfuhr handelt es sich hingegen um Gebührenhaushalte. Hier dürfen die Kosten umgelegt, aber keine Gewinne erzielt werden. „Es liegt die Vermutung nahe, dass es Quersubventionierungen anderer Bereiche gibt“, sagte Wiech. Das wäre unzulässig.

Ein Grund, um von anderen zu lernen?

Sein Verband hoffe, dass schlechter platzierte Städte die Studie zum Anlass nähmen, um von anderen zu lernen, so Wiech. Doch das könnte ein frommer Wunsch bleiben. Wegen der angespannten Finanzlage sei die Grundsteuer in seiner Stadt bekanntlich hoch, räumte der Sprecher der Stadt Pforzheim, Michael Strohmayer, ein. Ansonsten seien die Städte kaum zu vergleichen. So liege beim Abwasser der leicht erhöhte Preis vor allem an der Topografie. Im hügeligen Pforzheim müsse das Abwasser teilweise hochgepumpt werden. „Diese Kosten haben andere nicht.“