Stuttgarter Autorin Heike Ellwanger Was das Jahr der Zweier bedeutet

Von Uwe Bogen 

Egal, wie tief man fällt, in jedem, sagt die Stuttgarter Filmproduzentin und Autorin Heike Ellwanger, steckt Potenzial, sein Leben zu verändern. Auf 2020 freut sie sich sehr – aufs Jahr der Zweier. Eine Begegnung mit einer vielseitig engagierten Frau.

Über ihr Engagement in Südafrika hat die Stuttgarterin Heike Ellwanger ein Buch geschrieben. Es soll allen Mut machen, deren  Leben im Umbruch ist. Foto: Andreas Engelhard
Über ihr Engagement in Südafrika hat die Stuttgarterin Heike Ellwanger ein Buch geschrieben. Es soll allen Mut machen, deren Leben im Umbruch ist. Foto: Andreas Engelhard

Stuttgart - Die doppelte Zwei kommt auf uns zu. Heike Ellwanger findet diese Fügung sehr schön. „2020 ist eine magische Zahl, die Zweisamkeit potenziert“, sagt die Stuttgarter Autorin, Filmproduzentin und Talentförderin. Wenn zwei Hälften einer Zahl synchron verbunden sind, ist Harmonie zu spüren.

Sollte das neue Jahr so werden wie seine Zahl, haben Einsamkeit und Durcheinander keine Chance. Zweimal die zwei – das ist das Gegenteil von: jeder kämpft gegen jeden. Voller Vorfreude blickt Heike Ellwanger, eine quirlige Frau, die gern lacht und jugendliche Lebensfreude ausstrahlt, nach vorn. „Es kommt wieder ein Jahr, das uns beschenkt und glücklich macht“, sagt sie voraus, als seien Schwingungen der Zukunft bei ihr bereits angekommen. Beschenkt werden Menschen um so mehr, wenn sie sich nicht um sich selbst drehen, sondern anderen helfen, immer nachschauen, was zu tun ist.

Der Titel ihres Buches lautet: „Charity statt Boyfriend“

Heike Ellwanger ist ein Beispiel dafür. Das Leben hat ihr Schläge verpasst. Ins Straucheln geriet die langjährige Hochzeitsfotografien wie eine Boxerin, die ausgezählt wird. Nachdem ihre eigene Ehe gescheitert war, konnte sie es nicht mehr ertragen, Hochzeitspaare zu fotografieren – das scheinbare Glück, von dem keiner weiß, wie lange es hält, wollte sie nicht mehr sehen. Die Stuttgarterin musste sich was Neues suchen und flog aus ihrem goldenen Käfig. Der Traum vom Mann, von Kindern und einem festen Zuhause war geplatzt. Über ihre Achterbahnfahrt der Gefühle hat sie ein Buch geschrieben, dessen Botschaft sie so zusammenfasst: „Egal wie tief du fällst – in dir steckt immer noch genug Potenzial, dein Leben zu verändern.“

Mit ihrem Ziehsohn Phil, der mit 17 Jahren beide Elternteile durch Krebs verloren hat, zog sie nach Südafrika, um Suppenküchen aufzubauen. Phil ist der Sohn ihrer besten Freundin, die gestorben war. „Charity statt Boyfriend“ heißt ihr sehr persönliches und schonungslos ehrliches Buch. Mit dem Titel will sie sagen: Es gibt Zeiten, da ist es wichtiger, sich in sozialen Projekten zu engagieren, als sich mit einem schönen Mann zu schmücken.

An Ideen für neue Projekte mangelt es ihr nicht

„Wer etwas wagt, der verändert etwas“, sagt die Autorin. In Südafrika war sie zu dieser Zeit eine der wenigen Frauen, die sich in der Township engagiert hat. Sehr gefährlich war das damals. „Ich war auf mich allein gestellt“, berichtet sie, „kam mir aber irgendwie vor wie ein Engel, weil ich ja so viel Dankbarkeit gespürt habe.

Hilfsaktionen in Schulen, Kindergärten, mit Sportteams, bei Musik- und Tierschutzprojekten füllten sie aus und sorgten ganz nebenbei dafür, dass sie sich „wieder als begehrte Frau“ entdeckt hat. Ihr Ziehsohn Phil, darüber freut sie sich besonders, habe durch den Aufenthalt in der Ferne Boden unter den Füßen gespürt.

Zurück in Stuttgart kann Heike Ellwanger – inzwischen hat sie ihre eigene Stiftung gegründet und ist als Filmproduzentin unter anderem für den Film „Der weiße Massai-Krieger“ tätig – nun weitergeben, was sie in Südafrika für sich selbst herausgefunden hat. „Die erste Erdung findet statt, wenn man sich mit Menschen umgibt, die viel stärker im Leben zu kämpfen haben als man selbst“, sagt sie. Auf lange Sicht bringe Egoismus nichts. Die Stuttgarterin plädiert für ein Zusammenstehen – gerade mit Blick auf das 2020 mit seinen Zweisamkeiten. An Ideen für neue Projekte mangelt es ihr nicht. Und deshalb sagt sie zum Ende unseres Gesprächs: „Wir sollten einen Aufruf für das neue Jahr starten, dass Menschen wieder mehr für einander da sind.“

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