Stuttgarter Botschaft zum Tag des Tanzes Friedemann Vogel appelliert an mentale Stärke

Friedemann Vogel ist schon lange ein herausragender Botschafter Stuttgarts –  und nun auch des internationalen Theaterinstituts. Unsere Bildergalerie zeigt weitere Höhenflüge des Tänzers. Foto: Roman Novitzky 11 Bilder
Friedemann Vogel ist schon lange ein herausragender Botschafter Stuttgarts – und nun auch des internationalen Theaterinstituts. Unsere Bildergalerie zeigt weitere Höhenflüge des Tänzers. Foto: Roman Novitzky

Der Stuttgarter Solist Friedemann Vogel ist internationaler Botschafter des Tanzes 2021 In seinem Grußwort spricht er über das, was Künstlern hilft, die Coronakrise zu bewältigen. Unsere Bildergalerie zeigt zehn Höhepunkte seiner Karriere.

Kultur: Andrea Kachelrieß (ak)
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Stuttgart - 294 Jahre würde Jean-Georges Noverre am 29. April dieses Jahres alt. Der Franzose hatte von 1760 an sieben Jahre als Ballettmeister am württembergischen Hof gewirkt und in dieser Zeit seine „Lettres sur la danse“ veröffentlicht. Ziemlich lange her, aber weil Noverre sich in Theorie und Praxis für einen Bühnentanz stark machte, der auf dramatisches Geschehen statt auf ästhetisches Geplänkel setzt, bleibt Stuttgart bis heute dem Reformer eng verbunden.

Nun kommt am internationalen Tag des Tanzes, der weltweit an Noverres Geburtstag gefeiert wird, eine weitere Verbindung dazu: In diesem Jahr ist der Stuttgarter Starsolist Friedemann Vogel der Botschafter, der im Auftrag des internationalen Theaterinstituts ein Statement verfasst. Vor dem Hintergrund der durch die Coronapandemie leidenden Bühnenkünste verknüpft der Kammertänzer der Stuttgarter Staatstheater seine Botschaft nicht nur mit einer Verbeugung vor Noverre. Tanz, so Vogel, muss etwas zu sagen haben und sich stets neu erfinden. Nur wer in jeder Hinsicht beweglich ist, kann Krisen bewältigen. Hier Friedemann Vogels Grußworte in kompletter Länge:

Friedemann Vogel: Wie viel bedeutet der Tanz der Gesellschaft?

„Alles beginnt mit Bewegung – ein Instinkt, den wir alle haben – und Tanz ist Bewegung, die verfeinert wird, um zu kommunizieren. So wichtig und beeindruckend eine makellose Technik auch ist, letztlich ist es das, was der Tänzer in der Bewegung ausdrückt, was die Essenz ist.

Als Tänzer sind wir ständig in Bewegung und streben danach, diese unvergesslichen Momente zu schaffen. Unabhängig vom Tanzgenre ist es das, wonach jede Tänzerin, jeder Tänzer strebt. Wenn wir also plötzlich nicht mehr auftreten dürfen, wenn Theater geschlossen und Festivals abgesagt werden, kommt unsere Welt zum Stillstand. Kein Körperkontakt. Keine Shows. Kein Publikum.

Noch nie in der jüngeren Geschichte war die Tanzgemeinschaft so kollektiv gefordert motiviert zu bleiben und unsere Raison d’Être zu finden. Doch gerade dann, wenn uns etwas Wertvolles genommen wurde, wissen wir erst richtig zu schätzen, wie lebensnotwendig das ist, was wir tun, und wie viel der Tanz für die Gesellschaft im Allgemeinen bedeutet. Tänzerinnen und Tänzer werden oft für ihre körperlichen Fähigkeiten gefeiert, während wir in Wirklichkeit noch mehr von unserer mentalen Stärke getragen werden.

Ich glaube, es ist diese einzigartige Kombination von körperlicher und mentaler Beweglichkeit, die uns helfen wird, diese Krise zu bewältigen, uns immer wieder neu zu erfinden, um weiter zu tanzen und vor allem weiterhin Menschen zu inspirieren.“

60 Jahre Stuttgarter Ballettwunder

In einem besonderen Angebot für unsere Digital-Plus-Abonnenten machen wir die spannende Geschichte des Stuttgarter Balletts lebendig. Im Dialog mit Zeitzeugen und einer jungen Generation wird anschaulich, wie sich die Kompanie an die Weltspitze tanzte und dort hält. Mit diesen Artikelserien feiern wir das Jubiläum des Stuttgarter Balletts:

Als das Wunder wahr wurde Wir haben im Archiv nach Erinnerungen an seinen Erfinder John Cranko gesucht und eine 2007 veröffentlichte Interview-Serie mit Weggefährten des Choreografen entdeckt.

► John Neumeier Bereit für Rebellion und Experimente: Lesen Sie hier John Neumeiers Erinnerungen

► Gundel Kilian Wer einfach drauflos knipste, flog raus: Gundel Kilian erinnert sich

► Richard Cragun Lesen Sie hier, was der 2012 verstorbene Tänzer Richard Cragun über Crankos britischen Geschmack sagte.

► Birgit Keil Lesen Sie hier, wie Birgit Keil zu Crankos „Baby-Ballerina“ wurde.

► Friedrich Lehn Wie Cranko Stau zu Tanz machte: Friedrich Lehn erinnert sich

► Marcia Haydée Lesen Sie hier Marcia Haydées Bericht von ihren ersten Auftritten in Stuttgart.

► Egon Madsen Lesen Sie hier Egon Madsens Erinnerungen an eine besondere Party in New York.

► Georgette Tsingurides Lesen Sie hier Georgette Tsingurides’ Erinnerungen an Zigaretten, Hunde und kleine Feuer im Ballettsaal.

► Fritz Höver Lesen Sie hier, was der 2015 verstorbene Gründer der Noverre-Gesellschaft mit Cranko auf Reisen erlebte.

► Jürgen Rose Lesen Sie hier, wie John Cranko Zeichnungen des Bühnenbildners zerriss.

► Vladimir Klos Lesen Sie hier Vladimir Klos Erinnerungen an die letzte Tournee mit John Cranko.

Forsythe, Kylián und Co Das Stuttgarter Ballett war schon immer eine Kompanie, die Tänzer stark gemacht hat. So stark, dass sie weltweit als Direktoren begehrt sind. Wir haben sie nach ihren Stuttgarter Wurzeln gefragt.

► Ivan Cavallari Sechs Fragen an den Direktor der Grands Ballets Canadiens in Montreal

► Sue Jing Kang Sechs Fragen an die Direktorin des koreanischen Staatsballetts

► Filip Barankiewicz Sechs Fragen an den Direktor des tschechischen Staatsballetts

► Marco Goecke Sechs Fragen an den Ballettdirektor am Staatstheater Hannover

► Christian Spuck Sechs Fragen an den Direktor des Balletts Zürich

► Bridget Breiner Fragen an die Direktorin des Badischen Staatsballetts

Weitere Beiträge sind in Vorbereitung.




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