Stuttgarter Online-Plattform für die Industrie Millionen für die Markt-Vorherrschaft in Europa

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Dem Stuttgarter Start-up Laserhub ist es gelungen, mitten in der Krise millionenschweres Kapital einzusammeln. Mit seinem Fokus auf Blechteile profitiert die Firma davon, dass verlässliche, regionale Lieferketten wieder mehr geschätzt werden.

Laserhub verbindet online Kunden und Hersteller von Blechteilen. Foto:  
Laserhub verbindet online Kunden und Hersteller von Blechteilen. Foto:  

Stuttgart - Eines der erfolgreichsten Stuttgarter Start-ups im Bereich der Digitalisierung der Industrie, der so genannten Industrie 4.0 will trotz der Corona-Krise stark in Europa expandieren und hat sich dafür jetzt eine millionenschwere Risikokapitalfinanzierung gesichert. Laserhub bietet eine Onlineplattform für die flexible Bestellung von Blechteilen, die für praktisch alle Produktionsbereiche der Industrie etwa für die Maschinenfertigung eine zentrale Rolle spielen.

Die Kunden können online die benötigten Teile konfigurieren, und Laserhub gewährleistet dank eines zertifizierten Netzwerkes von Lieferanten dafür, dass sie in der nötigen Qualität und zum gewünschten Termin geliefert werden. Mit dem frischen Kapital, das etwa vom internationalen Wachstumskapitalgeber Acton Capital aus München und den Bestandsinvestoren Project A und Point Nine aus Berlin stammt, will man nach Österreich zunächst die bereits bestehende Präsenz in Frankreich ausbauen. Nach dem Urteil von Branchenkennern dürfte es im hohen einstelligen Millionenbereich liegen.

Die Zahl der Mitarbeiter soll sich mehr als verdoppeln

Als nächstes stehen dann weitere große Märkte wie Italien, Spanien und perspektivisch auch Polen im Blickfeld. Die Entscheidung über die genaue Expansionsstrategie ist aber noch nicht gefällt. Das vor drei Jahren gegründete, in Stuttgart basierte Unternehmen hat zurzeit 40 Mitarbeiter und will bis zum kommenden Jahr auf 100 wachsen und beispielsweise muttersprachliche Vertriebsmitarbeiter einstellen. Aber man hat auch Bedarf an weiteren Technologieexperten. Eine größere direkte Präsenz im Ausland, so heißt es, sei wegen des Online-Geschäftsmodells aber nicht nötig. Außerdem will man sein Angebotsspektrum auf weitere Fertigungstechnologien im Metallbereich ausweiten.

Zwar habe die Corona-Krise teilweise auch größere Kunden wegbrechen lassen, sagt der Geschäftsführer und Mitgründer Adrian Raidt. „Wir haben das aber durch Neukunden mehr als kompensieren können.“ So habe beispielsweise ein Chemieunternehmen aus der Region als Reaktion auf Corona Desinfektionssäulen als einen neuen Geschäftsbereich aufgebaut – und sich so erstmals mit dem Thema der Lieferung von Blechteilen auseinandersetzen müssen. Viele Unternehmen hätten in der Krise ihre Lieferketten ganz neu organisieren müssen und seien auf Laserhub zugegangen, um überhaupt rasch an dringend notwendige Teile zu kommen. „Da ging es erst in zweiter Linie darum, die Kosten zu senken“, sagt Raidt.

Kundenstamm soll sich bis zum Jahresende verdoppeln

In der weiteren Entwicklung werde das aber nun zunehmend zum Argument: Die Unternehmen seien unter starkem wirtschaftlichen Druck und hätten erkannt, dass die üblichen Bestellprozesse etwa per E-Mail zu teuer und zu umständlich seien. „Wer einmal unseren Online-Bestellprozess kennengelernt hat, der kehrt nicht mehr zur alten Methode zurück“, sagt Jonas Schweizer, bei Laserhub für die Technologie zuständig. Das mache es Laserhub nun möglich, trotz weiterhin unsicherer Konjunkturaussichten diese Expansionsstrategie zu fahren. Trotz der Krise will man deshalb seinen Kundenstamm, zu dem inzwischen auch Dax-Konzerne gehören bis zum Ende des Jahres auf 7000 Unternehmen verdoppeln.

„Wir profitieren von einer strukturellen Entwicklung“, sagt der Geschäftsführer Raidt. Dazu gehöre beispielsweise auch die Tatsache, dass im Gefolge des Corona-Schocks, aber auch der klimapolitischen Diskussion komplexe, globale Lieferketten verstärkt infrage gestellt würden. Laserhub hat von Anfang an auf regionale Lieferantennetzwerke gesetzt, die nun auch in den anvisierten, ausländischen Zielmärkten aufgebaut werden sollen. Man habe den Anspruch, in diesem Bereich in Europa die führende und dominierende Onlineplattform zu werden. „Deutschland hat hier eine absolut starke und unangefochtene Position“, sagt Raidt auch im Hinblick auf die wichtigsten Wettbewerber, die ebenfalls hier zu Hause sind. Im Bereich der Blechteile sei Laserhub allerdings unangefochten.

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