Stuttgarter Porsche-Museum Chic ohne Schnickschnack

Von Michael Schmidt 

Vom kompletten Hotel über Seilbahngondeln bis hin zu Kaffeemaschinen und den legendären Sonnenbrillen: Das Stuttgarter Porsche-Museum zeigt das Vermächtnis des Designers F. A. Porsche.

Reduziert auf das Wesentliche: Eine Uhr von F.A. Porsche. Foto: Martin Stollberg
Reduziert auf das Wesentliche: Eine Uhr von F.A. Porsche. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Seit 40 Jahren steht der Name Porsche nicht allein für Sportwagen, sondern auch für eine der bekanntesten Designschmieden der Welt. Mit einer Werkschau gratuliert das Porsche-Museum posthum dem im Frühjahr verstorbenen Familienerben und Schöpfer des 911er zum anderen Bild der Firmengesichte: Alle möglichen Gebrauchsgegenstände des Alltags tragen den Namen von Ferdinand Alexander – F. A. Porsche. In Stuttgart gegründet, zeichnet das Designstudio in Zell am See mittlerweile einfach alles: vom kompletten Hotel über Seilbahngondeln bis hin zu Kaffeemaschinen und den legendären Sonnenbrillen. Alles außer Auto.

Den Anfang dieser Nebengeschichte im Familienimperium legte die schwere Beziehungskrise der Stämme in den 70er Jahren. Manche Biografen stellen F. A. Porsche diametral seinem Cousin Ferdinand Piëch gegenüber. Die beiden nahezu Gleichaltrigen waren mit Tüftlergenen vom Großvater Ferdinand Porsche gesegnet – und sie wurden gefördert.

Doch Piëchs Vater starb früh, der Sohn erlebte seine Jugendzeit in einem strengen Internat. F. A. Porsche wuchs in der Stuttgarter Höhenlagenidylle der Nachkriegszeit auf. Sein Lebensradius war bestimmt durch das Haus am Killesberg, die Walddorfschule am Kräherwald und das geliebte Schüttgut, im Pinzgau bei Zell am See.

Familiäre Querelen haben den Designer belastet

Piëch wurde ein genialer Konstrukteur und Porsche ein Zeichner, ein Designer. Mit dem Entwurf zum 911 hat F. A., gerade 28 Jahre alt, eine automobile Ikone geschaffen – was anno 1963 noch keiner ahnte. Mit den zunehmenden Querelen in der Familiendynastie kam aber weder er noch sein Vetter Piëch klar: Der große Familienrat beschloss unter der Moderation von Beratern, dass sich die Familie komplett aus dem operativen Geschäft bei Porsche zurückziehen sollte. Der Vater von F. A., Ferry Porsche, wurde Aufsichtsrat, Piëch setzte seine Karriere im Steigflug bei Audi und Volkswagen fort.

F. A. Porsche tat das, was er am liebsten tat: Er zeichnete. Schwarz, einfach nur matt schwarz – so sah 1972 sein erstes Werk aus – sein Bild einer perfekten Uhr. Radikal getrimmt auf die optimale Ablesbarkeit hat er den „Chronograph 1“ kreiert, während damals Männer von Welt noch mit glänzendem Flexarmband an goldenen Uhren protzen. Ein Stilbruch in einer Zeit wilder Umbrüche: „F. A. Porsche hat sich an den Tachos von Rennwagen und Flugzeuginstrumenten orientiert. Er weigerte sich, eine Uhr überhaupt als Schmuckstück anzusehen“, sagt Roland Heiler.

So wenig Design wie möglich

Der gebürtige Korntaler leitet heute das Designbüro in Zell am See. Als Teenager hatte sich Heiler bei Porsche an der Pforte gemeldet und wollte unbedingt dort arbeiten. Als technischer Zeichner wurde er ausgebildet und dann prompt von der Familie ans Royal Collage of Art nach England zum Studieren geschickt. Nach Jahren als einer der führenden Autodesigner in Zuffenhausen setzte ihn F. A. Porsche als seinen kreativen Erben ein.

„Langlebiges Design muss so wenig Design wie möglich sein“, nannte Heiler bei der Vernissage den gewissen Y-Faktor, weshalb manche Produkte begehrt werden – und manche nicht. „F. A. Porsche wollte nie Deko, kein Styling, sondern eine aus der Funktion heraus definierte Form.“

Reduziert ist die Form, nicht der Preis

Und so kam es, dass Porsches geliebte Pfeife plötzlich Kühlrippen erhielt – wie bei den luftgekühlten Zylinderköpfen des ­911er. Oder, dass eine Sonnenbrille faltbar in eine Anzugstasche passt, ohne aufzutragen. Der Porsche-Archivar Dieter Landenberger und die Kuratorin Nicole Nagel glauben jedoch beide nicht, dass man Coolness konstruieren kann. „Aber man kann mit Produktdesign ein Lebensgefühl treffen – indem man sich abkehrt von der aktuellen Mode.“ Obwohl welt- und wortgewandt, tut sich auch Roland Heiler schwer, den Erfolg einer Luxusmarke zu beschreiben. Aber: „Die Menschen haben immer mehr Sehnsucht nach Inhalt, nach den Bedeutungen eines Produktes.“ Das ist in der Ausstellung greifbar: „Porsche-Design wird niemals virtuelle Apps schaffen. Unsere Produkte sind zum Anfassen. Zum Begreifen.“ Reduziert ist die Form – und nicht der Preis. Ist das ein Erfolgsgeheimnis?




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