Stuttgarter Start-up Gerettete Lebensmittel feiern als Snack ihr Supermarkt-Comeback

Die Gründer der Zero Bullshit Company (v. links) Lisa Berger, Sandra Ebert und Pascal Moll. Foto: ZBS 3 Bilder
Die Gründer der Zero Bullshit Company (v. links) Lisa Berger, Sandra Ebert und Pascal Moll. Foto: ZBS

Verschwenden ist Bullshit, finden drei Stuttgarter und gründeten deshalb die Zero Bullshit Company. Ihre Vision: Mit leckeren Kräckern zum Retter von Lebensmittelresten werden.

Stuttgart – Kräcker aus Trester? Klingt komisch, ist aber ziemlich innovativ: Jährliche werden in Deutschland etwa zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das sind ungefähr 150 Kilogramm pro Kopf. Allein während der Nahrungsproduktion entstehen 2,2 Millionen Tonnen für den Müll. Was auch entsteht ist Trester – ein Abfallprodukt, das entweder weggeschmissen oder zu Tierfutter verarbeitet wird. Trester ist jedoch immer noch ein Kraftpaket, was Antioxidantien, Proteine und Ballaststoffe angeht.

Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln

Über zwei Millionen Tonnen für die Tonne. Das soll sich nun ändern: Die Zero Bullshit Company ist ein Startup aus Stuttgart, das mit ihrer Idee gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ankämpfen will – mit Kräckern, die aus eben diesem Trester produziert werden. Gegründet wurde die Company von Sandra Ebert, Lisa Berger und Pascal Moll, die an der Uni Hohenheim studieren und aktuell an ihrer Doktorarbeit in Lebensmitteltechnologie arbeiten.

Hohenheim goes Rewe

Die EU schrieb einen Wettbewerb aus, der eine innovative Lösung für die Verwertung der Nebenströme der Lebensmittelindustrie suchte. Als Sandra Eberts Projekt den Wettbewerb gewann, beschlossen Lisa Berger und Pascal Moll in die Idee einzusteigen. Gemeinsam bauten sie ihre Zero Bullshit Company auf und brachten wenig später ihr erstes Produkt auf den Markt: den Retter-Kräcker. Nach einer Testphase in der eigenen Küche und Verkostungen mit Freunden und Familie ist er mittlerweile in einigen bayrischen Rewe-Märkten und im Online-Shop der ZBS erhältlich.

Die Reste werden in Form gebracht

Ihre Kräcker setzen sich aus Resten der Lebensmittelproduktion zusammen. Und davon gibt es reichlich: So landen bei der Herstellung von Sonnenblumenöl nur etwa 35 Prozent des Lebensmittels beim Verbraucher – der restliche Anteil wird nach der Ölgewinnung entsorgt. Das ist schade, findet Pascal Moll, denn oft sind diese Reste, auch Sidestream genannt, viel nahrhafter und gesünder als das eigentliche Hauptprodukt. „Wir müssen die Reste nur noch in Form bringen“, lacht Moll, der gebürtig vom Bodensee stammt. Der Retter-Kräcker ist nicht nur gut in Form, sondern hilft auch der Umwelt und Gesundheit: 50 Prozent der Inhaltsstoffe bestehen aus recycelten und ballaststoffreichen Lebensmitteln, darunter Kürbiskernmehl, Sonnenblumenprotein und Apfelfasern.

Bier und Brotaufstrich

Der Kräcker könnte der Startschuss für weitere Produkte sein, die auch aus Resten entstehen. „Auch Brotaufstriche wären denkbar“, so Moll. Ertragreiche Überbleibsel entstehen sogar während der Bier- und Senfherstellung und „haben Potenzial für neue Lebensmittel“, finden die drei. Derzeit konzentrieren sich die Gründer*innen auf ihren Retter-Kräcker, den es bald in zwei neuen Geschmacksrichtungen geben wird. Auch die Suche nach Vertriebspartner in Baden-Württemberg ist gerade in vollem Gange – auf dass wir schon bald die Welt beim snacken besser machen können.

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