StZ-Kongress Stadt der Zukunft Auf dem Weg zur Schwarmstadt

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Ist „Smartcity“ nur ein Modewort oder die Zukunft der Kommunen? Hamburg will es wissen. Die Deutsche Bahn spielt dabei eine interessante Rolle.

Die vernetzte Stadt der Zukunft. Foto: 140421393
Die vernetzte Stadt der Zukunft. Foto: 140421393

Stuttgart - Die Sprache der Wissenschaft ist oft Englisch und immer wieder schwer zu verstehen: Da war es doch sehr serviceorientiert von Jochen Partsch (Grüne), Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, gleich zu Beginn seines Vortrags „Was macht eine Stadt zur Smartcity“ dem Publikum die Angst zu nehmen: „Ich will den Begriff entmystifizieren: Es geht um die nachhaltige Stadt.“

Das Beispiel Darmstadt zeigt: Das Rad wird nicht neu erfunden, zumindest nicht sofort. Partsch lieferte Beispiele aus der Praxis: An einem Klinikum in Darmstadt gibt es Hebammen-Chats, beim „Smart Parking“ sollen freie Parkplätze direkt in einer App angezeigt werden, um den Parksuchverkehr zu minimieren; die Parkplätze sollen in der App direkt bezahlt werden. Außerdem versucht die Stadt, Medienkompetenz an den Schulen zu vermitteln.

Darmstadt hat den Wettbewerb „Digitale Stadt“ gewonnen

Partsch, der Anfang der 1990er für ein mittelständisches Unternehmen in Stuttgart im Marketing gearbeitet hat, erklärt: „Wir wollen das Wissen der Bürger, Quartiere und Unternehmen nutzen.“ Darmstadt versteht sich als „Schwarmstadt“, die Stadt hat mit 160 000 Einwohnern, davon 40 000 Studenten, die größte Zuzugrate in Deutschland nach Leipzig. 2017 hat die Kommune den Wettbewerb „Digitale Stadt“ des Verbands Bitkom gewonnen. „Das Motiv, daran teilzunehmen, war die Unzufriedenheit, wie wenig die Chancen der Digitalisierung genutzt werden.“ Dabei fasst er sich an die eigene Nase: „Wir dürfen nicht auf die Digitalisierung der Verwaltungen warten, sondern müssen parallel alle Möglichkeiten nutzen.“

Nach dem Vortrag des Politikers wurde das Thema in einer Podiumsdiskussion weiter vertieft. Uwe Großmann von Siemens, Michael Eckenweber, Projektleiter Smartcitys bei der Bahn, Thomas Burger von der EnBW und Andrea Bräuning von Bosch debattierten über den Begriff der Smartcitys, moderiert von Joachim Dorfs, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung.

Hamburg will zur Vorzeige-Smartcity werden

Andrea Bräuning von Bosch räumte ein, dass es den Begriff der Smartcitys seit den 1990ern gibt und sich seitdem zu wenig getan hat. Deshalb müsse man aber nicht in digitale Depression verfallen, der Blick in andere Länder wie Dänemark oder Estland, wo die Digitalisierung weiter vorangeschritten sei, mache Hoffnung.

In Deutschland will Hamburg zur Vorzeige-Smartcity werden. „Die Hansestadt testet im kommenden Jahr selbstfahrende Busse in der Hafencity und will in einem zweiten Schritt die ganze Flotte umstellen“, erzählt Uwe Großmann von Siemens.

Schließfächer werden zu Postfächern

Unterstützt wird die Hansestadt bei ihren Plänen auch von der Deutschen Bahn, wie Michael Eckenweber verrät: „In Hamburg wollen wir die Schließfächer in den Bahnhöfen in sogenannte Smartlocker verwandeln, die von Pendlern auch für die Ablage von Paketen genutzt werden können.“ Sein Arbeitgeber kümmere sich bei der Stadtentwicklung nicht nur um mobilitätsfördernde Ideen. „Wir wollen Co-Working-Spaces in Bahnhöfen oder Vororten einrichten, damit der Weg zum Arbeitsplatz nicht weiter als nötig ist.“

Thomas Burger von der EnBW tüftelt derweil am Quartier der Zukunft und versucht, die Energiewende ins urbane Umfeld zu bringen. „Dabei soll der Strom für mehrere Hundert Menschen autark vor Ort hergestellt werden.“

Softwarelösungen gegen Feinstaub

Welche Rolle spielt die Industrie darüber hinaus bei den Plänen der Städte, smart zu werden? „Wir unterstützen Kommunen mit Softwarelösungen zum Beispiel dabei, auf die Entwicklung von Smog zu reagieren und Gegenmaßnahmen dagegen einzuleiten“, erklärt Uwe Großmann von Siemens.

Wer nun immer noch nicht zufrieden ist mit der Entwicklung der Smartcitys, wurde zum Schluss von Thomas Burger beruhigt: „Es war schon immer smart, sich in der Stadt zu organisieren: aus politischen und wirtschaftlichen Gründen.“

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