Tatort-Kritik: „National feminin“ Ein Krimi will Haltung zeigen

Von Bettina Hartmann 

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: In der Göttinger „Tatort“-Folge „National feminin“ ermitteln Lindholm und Schmitz in der jungen, rechtspopulistischen Szene. Ein aktuelles Thema. Doch der Krimi gerät zuweilen oberlehrerhaft.

Marie Jäger (Emilia Schüle) ist  das Aushängeschild der „Jungen Bewegung“ – und wenig später das Mordopfer in der Folge „National feminin“. Foto: NDR/Frizzi Kurkhaus 11 Bilder
Marie Jäger (Emilia Schüle) ist das Aushängeschild der „Jungen Bewegung“ – und wenig später das Mordopfer in der Folge „National feminin“. Foto: NDR/Frizzi Kurkhaus

Stuttgart - Was taugt „National feminin“? Der neue „Tatort“ aus Göttingen im Schnellcheck

Die Handlung in drei Sätzen Im Stadtwald wird die Leiche der Jura-Studentin Marie Jäger (Emilia Schüle) gefunden, mit ihrem Blog „National feminin“ ein Star der jungen rechten Szene. Für ihre Freunde und Anhänger ist klar, dass der Täter nur ein „Messermigrant“ gewesen sein kann. Sie hetzen auf Demos und in den sozialen Netzwerken – gegen die Polizei, gegen den Staat, und die Kommissarinnen Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) sehen sich bei ihren Ermittlungen mit krudem Rechtspopulismus konfrontiert.

Zahl der Leichen Eine

Anliegen Früher waren Neonazis gleich zu erkennen: etwa an kahl geschorenen Köpfen und Bomberjacken. Dachte man zumindest. Heute jedoch ist klar: Rechtes Gedankengut zieht sich – schon immer – durch alle Teile der Gesellschaft. Dass es smart verpackt und, von gebildeten, eloquenten Protagonisten verbreitet, inzwischen fast schon wieder salonfähig geworden ist, bildet diese Folge gut ab.

Umsetzung Herrje, wann gibt’s endlich mal wieder einen „Tatort“, der wirklich spannend ist? Bei „National feminin“ jedenfalls ahnt man schnell, wer der Mörder ist. Und so gut gemeint die Folge auch ist: Sie driftet zuweilen arg ins Klischeehafte ab. Besonders ärgerlich: dass Lindholm mal wieder auf eigene Faust loszieht – spät abends, mit dem alles andere als aus dem Leben gegriffenen Spruch: „Ich muss nochma’ los, wegen der Faschos.“

Unser Fazit Ja, dieser Krimi greift ein wichtiges, brisantes Thema auf – und will Haltung zeigen. Das ist löblich. Warum aber so pflichtschuldig? So plump? So plakativ? Vielleicht, weil das deutsche Fernsehen die Intelligenz der Zuschauer immer noch unterschätzt. Man traut ihnen offenbar nicht zu, dass sie informiert sind und Zusammenhänge selbst erkennt, sondern meint, dozieren und mit erhobenem Zeigefinger arbeiten zu müssen. Schade!

Spannung Note 3,5; Logik Note 2




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