Im Theaterhaus in Stuttgart wird das aktuelle Bühnenprogramm von Christoph Sonntag an zwei Abenden mitgeschnitten. Warum „Wörldwaid“ ins Fernsehen kommt.

Lokales: Daniela Eberhardt (ma)

Wer hat’s geklaut? Der Kabarettist Christoph Sonntag betont, dass er schon 2019 für sein Live-Programm „Wörldwaid“ Schwaben in aller Welt besucht und porträtiert habe. Baden-Württembergs Imagekampagne „The Länd“, so der Umkehrschluss, könne also im Prinzip nur abgekupfert sein.

Wie dem auch sei: Beim SWR hat man beschlossen, die Bühnenshow als Fernsehversion groß rauszubringen, mit dem versöhnlichen Titel „The Länd – Wörldwaid“. An diesem Wochenende zeichnet Sonntag im Theaterhaus vor Livepublikum eine aktualisierte Version seiner schwäbischen Weltreise auf. Ausgestrahlt werden sollen die beiden 45-Minüter im Herbst im SWR-Fernsehen, danach in allen anderen ARD-Anstalten, also zumindest deutschlandweit.

Bei „Wörldwaid“ geht es, wie der Name schon sagt, ums Reisen, und zwar in allen denkbaren Versionen. Sehr schön: die reisenden Rentner in ihren beigefarbenen Multifunktionsjacken, die einer Wanderdüne gleich in die Toilettenanlage der Autobahnraststätte hineinwogen. Gespickt ist das Ganze mit etlichen Abschweifungen in die Niederungen des Alltags.

Szenen aus dem Corona-Chaos

Dazu gehören natürlich auch skurrile Begebenheiten, ob wahr oder nicht, aus dem Corona-Chaos. Das fängt an im Supermarkt, wo es darum geht, die Konkurrenz erfolgreich vom Nudelregal wegzulocken und endet bei der philosophischen Frage, wie der erste Mensch ohne Maske wohl zu seiner Maske in der nicht ohne Maske zu betretenden Apotheke kam.

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Auch wenn es um Europa geht, kommt der Ukraine-Krieg im Programm nur ganz am Rande vor – geschuldet womöglich dem späteren Sendetermin. Wer weiß schon, was im Herbst sein wird.

Der Blick zurück, das zeigt sich bei der Aufzeichnung, funktioniert immer. Sei es der spießige Diaabend, heute ersetzt durch die Selbstinszenierung in den sozialen Medien schon während des Urlaubs, sei es die Fahrt in den Familienurlaub im Käfer nach Italien. Und natürlich der direkte Kontakt zum Publikum: Diesmal trifft es Tino und Marcella aus Bad Cannstatt, die vor dem Saal und den Kameras nach allen Regeln der Kunst ausgefragt werden.

Apropos ausfragen: Auf seiner Weltreise 2019 hat Christoph Sonntag schwäbische Auswanderer interviewt. Was macht der Linsenhofener in Windhuk, was der Nürtinger in Kapstadt, was die Aalenerin in der Camargue? Auf jeden Fall sind sie Protagonisten, wie sie sich die Werber für „The Länd“ idealer gar nicht hätten ausdenken können.